In Koblenz gibt es nicht nur das Deutsche Eck, eine sehenswerte Altstadt und die imposante Festung Ehrenbreitstein, sondern auch einen kleinen, aber feinen Club mit Namen Druckkammer. Unter der Erde in einem alten Gewölbekeller gelegen, bot diese Lokalität den passenden Rahmen für die Mittelalterparty, die anläßlich der Veröffentlichung des neunten Miroque-Samplers stattfand.

An diesem Samstag gab es jedoch nicht ausschließlich mittelalterliche Klänge von CD, denn die Marburger Gruppe Wolfenmond sollte den Abend stilecht mit einem Live-Set eröffnen.

Zwecks Interview hatten wir uns bereits vor dem Soundcheck eingefunden, und die verbleibende Zeit bis zum Konzertbeginn konnten wir nutzen, unseren Hunger einmal nicht in einer Filiale der vertrauten Fastfood-Kette, sondern in einem Kebab-Haus zu stillen und nebenbei noch zu entdecken, daß sich auch in Koblenz einige Einkaufsmöglichkeiten in Sachen Gothic- und Mittelalter-Gewandung und Kunstgewerbe finden.

Zurück in der Druckkammer, gab es noch ein wenig Smalltalk mit den Miroque-Machern und einiges Datengeschiebe zwischen zwei Laptops (wie unmittelalterlich!), und schließlich betraten Wolfenmond die Bühne.

Es sollte ein Streifzug durch das breite Spektrum mittelalterlicher Klänge werden, den das Quintett um Sonja Saltara und Christo de Marmedico bot – sanfte, besinnliche Töne des Minnesangs trafen auf tanzbare Melodien mittelalterlicher Spielmannskunst; und das Publikum in der recht gut gefüllten Druckkammer ließ sich nicht lange bitten und klatschte und tanzte rasch mit.

Zwar war die kleine Bühne gerade eben ausreichend für die fünf Musikanten und ihr umfangreiches Instrumentarium aus Dudelsäcken, Schlagwerk, Schalmeien, Davul und Trumscheit, doch echte Spielleute kommen mit allen Gegebenheiten zurecht, und so störten sich auch Wolfenmond nicht an den beengten Verhältnissen und verlagerten ihren Aktionsradius bei Bedarf auch zwischen die Zuschauer.

Klassiker mittelalterlichen Liedguts wie „Quant je suis mis au retour“oder „Douce Dame Joliet“ wechselten sich ab mit den lockeren Ansagen, die von einiger Markterfahrung zeugen, und besondere Highlights waren die Stücke, bei denen Sonjas schöne, glasklare Stimme zum Einsatz kam und den Liedern ein besonderes Flair verlieh.

Offenkundig hatten die Spielleute ebenso viel Vergnügen an ihrem Auftritt wie ihr Publikum, und obwohl der Auftritt eigentlich um 22 Uhr beendet sein sollte, wurden der Truppe die geforderten Zugaben vom Veranstalter bereitwillig gewährt.

Ein schöner Auftakt jedenfalls für eine Mittelalter-Party, der die Gäste in die richtige Stimmung für den anschließenden Disco-Abend gebracht hatte.

 

Ancalagon