Überraschung! Ich war mal wieder auf einem Schelmish-Konzert, und das diesmal sogar wirklich fast direkt vor der Haustür, nämlich in Siegburg. Kein Verfahren, keine Parkplatzprobleme, und eins steht schon jetzt fest: Beim nächsten Konzert im SJZ wird entweder die Bahn oder ein Taxi bemüht, damit auch ich reichlich dem Gerstensaft zusprechen kann.

Selbiges hatten die Schelme offenkundig bereits ausgiebig vor ihrem Auftritt getan, wie Dextro zu Beginn des Konzerts verkündete, da man in dem sehr kleinen Club ohnehin unverstärkt spielte und mithin keine Zeit auf das Checken der Technik verschwendet werden mußte und statt dessen der Flüssignahrung zugesprochen werden konnte.

„Ich habe eben schon gekotzt“, tat Dextro dem geneigten Publikum kund, das bereits dank der Vorgruppe Wargsang in bester Stimmung war. Das junge Quartett aus Bergheim sorgte mit seinem unbekümmerten Spiel und launigen Ansagen für erste Begeisterungsstürme (und wie es scheint, haben die Jungs bereits einen eigenen Fankreis, der die Truppe euphorisch bejubelte), und auch die Schelmen feierten munter vor der Bühne mit, bevor es für sie selbst Bühne frei zum lustigen Spiel hieß.

Ob es nun der reichliche Alkoholkonsum vor dem Auftritt war oder die Feierlaune des Publikums, das in dem kleinen Club Lärm für eine ganze Konzerthalle machte, oder vielleicht eine Mixtur aus beidem – Schelmish boten jedenfalls zum Ende ihrer Tour hin noch einmal ein furioses Feuerwerk der Spielmannskunst.

Daß Luzi bei der „Rotta“ für Einblicke auf überaus gelungene Unterbekleidung sorgt, ist dem regelmäßigen Besucher auf dieser Tour mittlerweile bekannt; diesmal jedoch wurde auch Merchandiser Bombadil auf die Bühne genötigt und zu einem Tänzchen in leichter Bekleidung animiert, während Amsel sich derweil mit seiner Baseball-Mütze und Brille schmückte.

„Sic Mea Fata“ hingegen bot einmal mehr Anlaß zu Lektionen in Latein – hatten wir doch letzte Woche in Wuppertal noch gelernt, daß die Übersetzung sinngemäß lautet, daß Fragor seine Unterbuxe drei Tage lang nicht gewechselt hat, erfuhren wir diesmal, daß es weder Ficken noch Fußball noch Kekse bedeutet (und vielleicht auch nichts mit der Unterhose zu tun hat), sondern Fragor eine Vorhautverengung sein eigen nennt. Ah ja … ich glaube, ich werde bei Gelegenheit doch mal wieder den „Großen Stowasser“ bemühen und versuchen, meine Latein-Kenntnisse zu reanimieren, um dem Mysterium von „Sic Mea Fata“ endgültig auf den Grund zu gehen. Was allerdings die Rufe nach Timmy zu bedeuten hatten, entzieht sich der Kenntnis der Autorin … aber schön, daß es noch andere South Park-Fans gibt!

Ein Novum bei diesem Konzert die fünfminütige Pause zur Mitte des Auftritts hin zum Pinkeln, Kotzen und Saufen – es war ihnen gegönnt, zogen die Schelme danach noch einmal alle Register und brachten den Club zum Beben. Die Band gab alles, und das Publikum dankte es ihr mit wilder Begeisterung, die schließlich in der Zugabe „Ring of Fire“ gipfelte, bevor es zum Abschluß mit dem „Palästina-Lied“ und brennenden Wunderkerzen noch einmal beinahe besinnlich wurde. Obwohl – sind besinnlich und Schelmish wirklich Begriffe, die zueinander passen? Nicht wirklich, oder?

Zu guter Letzt gab es noch ein Plüschtier-Bombardement für die Siebener-Bande – Schelmish auf dem Weg zum Ruhm, und manch’ andere Band des Genres wird sich womöglich noch warm anziehen müssen, wenn der Alptraum aller Spielleute wieder durchs Land zieht und Himmel und Hölle zum Wackeln bringt.

 

Ancalagon