Wie lautete doch gleich der Beginn der letzten Konzertkritik von Cultus Ferox? Ey boah, wa dat geil … und ich überlege krampfhaft, ob es dazu eine Steigerung geben kann, die das Konzert in Altenkirchen (oder besser gesagt: in der 1500-Seelen-Gemeinde Weyerbusch im Westerwald) beschreibt. Dabei hatte es anfangs den Anschein, als würde dieser Abend eine kleine, intime Privatveranstaltung werden, als wir den Auftrittsort erblickten – ein kleiner Veranstaltungssaal im Seitentrakt eines gediegenen Hotels mit holzvertäfelter Decke und vornehmem Parkett auf dem Fußboden. Natürlich waren wir viel zu früh da und wurden von einem gutgelaunten Strahli zum Soundcheck hineinkomplimentiert. Und es war sicher nicht nur der Becher Met vom Cultus Ferox-Mundschenk, der den Eindruck erweckte, daß diese Jungs schon beim Soundcheck besser sind als manch andere Truppe beim „richtigen“ Konzert. Da saßen wir also, tranken unseren Met und machten unterhaltsamen Smalltalk mit Jonny Robels, dem Harfespieler, der im Vorprogramm auftreten sollte – und als schließlich gegen 19 Uhr der offizielle Einlaß begann, glaubten wir immer noch, daß die Leute, die auf der Gästeliste standen, eindeutig in der Mehrheit sein würden.

Doch weit gefehlt: kurz vor Beginn hatte sich der Saal gut gefüllt mit einem buntgemischten Publikum.

Und damit es über den Verlauf des Abends keinerlei Unklarheiten gab, klärten zunächst die Herren Polizisten Strahli und Brandan, die irgendwo auf dem Weg zur Bühne ihrer Beinkleider verlustig gegangen waren, das Volk über die Spielregeln auf, bevor dann Jonny Robels mit seiner Harfe die Bühne betrat. Ein Virtuose mit seinem Instrument, spielte er ein kurzweilige und unterhaltsame Mischung aus bretonischen Stücken und eigenwilligen Interpretationen von Pop-Klassikern wie „Hotel California“, „Männer“ und „Red, red wine“ – und insbesondere letztere sorgten für große Heiterkeit im Publikum, das seine Darbietung von Anfang bis Ende begeistert begleitete.

Mithin ein äußerst gelungener Einstieg in den Abend, der die Neugier auf weitere Auftritte dieses Künstlers weckte.

Und als dann Cultus Ferox die Bühne betraten, begann der Saal bereits zu kochen – selten zuvor habe ich gleich zu Anfang eines Konzerts eine solch überwältigende Stimmung erlebt!

Was da an Intensität und Dynamik von der Bühne runterkam, läßt sich kaum noch in Worte fassen, und eigentlich hätte es der Animation seitens Steffanos (Kompliment für den gelungensten Hüftschwung des Abends!) und Brandans schon nicht mehr bedurft, um die Zuschauer mitzureißen. Innerhalb kürzester Zeit hatten Cultus Ferox ihr Publikum voll im Griff, und es war deutlich zu spüren, daß auch die Band ein wenig überrascht schien, hier, in den idyllischen Hügeln des Westerwalds, auf eine solche Euphorie zu stoßen.

Und spätestens jetzt war mir klar, daß diese Band ein Phänomen ist, denn mein Freund, seines Zeichens ein überzeugter Fan harter elektronischer Klänge und alles andere als ein passionierter Konzertgänger, hatte uns begleitet und war dem Bann der intensiven Bühnenshow binnen weniger Minuten verfallen. Daß ich ihn nach dem Konzert einer Mittelalterband einmal nahezu sprachlos erleben würde, hätte ich mir jedenfalls im Vorfeld nicht träumen lassen …

Wie schon in Dortmund verging die Zeit wie im Flug, obwohl immerhin 16 Stücke auf der Setlist standen – überwiegend mitreißende Tanzstücke, aber auch die ruhigeren Töne fanden mit der „Wolfsballade“ und „Bernsteinhexe“ wieder einmal ihren Platz.

Bleibt nur zu hoffen, daß unter den Herrschaften, die im benachbarten Restaurant beim gepflegten Abendessen saßen, nicht allzu viele Herzattacken angesichts des musikalischen Infernos zu beklagen waren.

Und abschließend dann noch ein ausdrücklicher Dank von uns Fotografen an eine Band, die das Blitzlichtgewitter vor der Bühne nicht nur nicht stört, sondern sogar explizit begrüßt – so macht es richtig Spaß!

 

Ancalagon