WETO im Cotton Club der Kammgarn in Kaiserslautern am 22.03.2007

 

Als wir den Cotton Club betraten, waren weit weniger Leute da als ich erwartet hatte und ich fragte mich woran das liegen könnte. Ok, es war ein Wochentag und das Wetter war mies und es war ja auch erst kurz nach 19:30 Uhr, also früh genug, das sich noch einige mehr einfinden könnten.

 

Für mich ist es nicht außergewöhnlich über 100km zu einem Konzert zu fahren, deshalb hatte ich erwartet das, selbst wenn “WETO” als Band im Bekanntheitsgrad auf der Rangliste nicht ganz oben stehen, trotzdem einige der mittlerweile zahlreichen Schandmaul Fans sich die Mühe machen und vielleicht auch mal einen etwas weiteren Weg in kauf nehmen. Denn im Prinzip spielten hier ja die Jungs von Schandmaul. Leider füllte sich die Location letztendlich nur spärlich.

 

So gegen 20:15 Uhr, schätze ich mal grob, betrat Thomas Lindner die Bühne und kündigte Jochen Wöllstein mit den Worten an: “Ihr mögt Livemusik wir mögen auch Livemusik, und da wir noch nicht soweit sind, wird Euch Jochen Wöllstein jetzt was vorspielen”

 

Jochen Wöllstein spielte Akustikgitarre und Sang dazu. Es machte Freude ihm zuzuhören und zuzusehen wie er ein paar Bluesstücke und Balladen von Künstlern vortrug, die ich jedoch dem Namen nach nicht alle kannte. Ich liebe Akustikgitarrenklänge und finde es immer wieder beeindruckend und schön, dass jemand mit nur einem Instrument und seiner Stimme die Zuhörer begeistern kann.

So war es auch nicht verwunderlich das er nach jedem Song ordentlich Applaus erntete.

 

Kurz vor 21 Uhr kamen dann WETO heraus und begannen ihr Set. Eingeleitet vom Geräusch einer Beatmungsmaschine und dem Sinuston des EKG, schildern WETO eindrucksvoll, düster und schwermütig, wie man im “Koma” fühlen könnte.

 

Weiter ging es mit “Flucht” mit einem nicht weniger beeindruckenden Text und klarer instrumenteller Härte. Dieser Text lässt jedem die Möglichkeit der eigenen Interpretation, wovor geflüchtet wird.

 

Das dritte Stück, “Krank” war ein Stück, das auf der aktuellen CD nicht zu finden ist. Thomas meinte, dass es aber auf der nächsten einen Platz finden würde. Die nächste CD aber erst käme, wenn die aktuelle ausverkauft wäre. Mit dem folgenden “Wieder allein” legten WETO ein noch düsteres Stück nach. “Irrlicht“ und “Das Tier“ künden von Depression innerer Zerrissenheit und wie auch bei “Das zweite ich” zeigte Thomas eine zu Text und Musik perfekt passende Bühnenperformance.

 

Überhaupt, ein alles in allem, sehr beeindruckendes Konzert, ein überraschend anderer Thomas Lindner, als man ihn von Schandmaul kennt, noch tiefgründiger und alleine auf Gesang beschränkt noch intensiver in der, die Texte begleitenden, Körpersprache.

 

Es war irgendwie schon seltsam. Obwohl es nach jedem Song den absolut verdienten Befall gab, verhallte dieser nach dem letzen Stück und WETO verließen die Bühne. Plötzlich war es still im Cotton Club. Anscheinend, und da ging es mir ähnlich, war jeder noch damit beschäftigt die Musik und die Texte zu verarbeiten, anstatt gleich eine Zugabe zu verlangen.

 

Doch endlich, das erlösende “Zugabe, Zugabe, Zugabe”, welches nicht ungehört blieb.

 

“Wir haben doch noch gar nicht so viele Lieder”, mit diesen Worten kam Thomas mit dem Rest der Truppe zurück auf die Bühne. “Dann klauen wir mal einen Song von einem coolen Sänger der jetzt mit Eisbrecher unterwegs ist.” Gemeint war “Matze” und das Stück das nun folgte war “Miststück von Megaherz”, das WETO nicht minder eindrucksvoll, als es mir von Megaherz in Erinnerung war, rüberbrachte.

 

Die zweite Zugabe, “Feuertanz” war auch geklaut. Nun ja nicht wirklich, aber es gibt dieses Lied schon im Set von Schandmaul, wobei mir persönlich die WETO Version sogar besser gefällt.

 

Zum Abschluss wurde “In unserer Mitte”, zu dem die Fans textsicher mit einstimmten, vorgetragen. Eine wunderbare Ballade, die jeden berührt der einen geliebten Menschen verloren hat.

 

Fazit: Zu gut um nur ein “Side Projekt” zu bleiben. Hart, düster, tiefgründig und doch auch tanzbar. Wer nicht dabei war hat etwas verpasst. Wenn WETO wieder auftreten, unbedingt hingehen. Da der Gig in Kaiserslautern das Abschlusskonzert der “Das zweite ich” Tour war, bleibt zu hoffen das WETO vielleicht im Herbst eine Fortsetzung planen.

 

Setlist:

 

Koma

Flucht

Krank

Wieder allein

Irrlicht

Das Tier

Ein Lächeln lang

Schattenspieler

Wir

Das zweite ich

Tief

Phantasie

Wolfsherz

 

Miststück

Feuertanz

In unserer Mitte

 

 

<Ralph Halbleib>