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Tewkesbury Mediaeval Fair

08.-09.07.2006

 

Die Hintergründe:

England, April/Mai 1471. Die politische Lage ist mehr als unübersichtlich. Niemand kann genau sagen, wer gerade mit wem paktiert. Heinrich VI hat seine Gebiete in Frankreich verloren und das Recht auf die französische Königswürde ist das Wachs nicht wert, mit dem es besiegelt wurde. Eine Zeit lang hat er sich aus den Regierungsgeschäften zurückgezogen, psychisch und physisch erschöpft. Doch seine Familie, die Linie derer von Lancaster, holt ihn zurück, um dem aufkeimenden Machtanspruch des Hauses von York eine angeblich starke Person entgegenzusetzen, hatte York doch schon während der Krankheit des Königs die Regierungsgeschäfte in Person ihres derzeitigen Führers Richard übernommen. 1460 beanspruchte das Haus von York die Krone, obwohl Heinrich zwar krank, aber noch nicht abgesetzt oder  tot war. Doch Richard starb kurz darauf, sein Sohn Edward übernahm seinen Anspruch und ein Krieg um die Königswürde brach aus, der Krieg der Rosen. Krieg der Rosen deshalb, weil beide konkurrierenden Häuser jeweils eine Rose in ihren Wappen führten (Lancaster = Rot, York = Weiß). Ein langes hin und her folgte, bei dem auch Angehörige des Hauses York den Anspruch von Lancaster unterstützten und umgekehrt.

Der vorläufige Höhepunkt geschieht Anfang Mai 1471 bei Tewkesbury: Heinrich und der abtrünnige Clarence von York stoßen auf Edward und seine Armee. Diese Schlacht entscheidet die Frage nach dem Anspruch auf die Krone. Die Linie der Lancaster war ausgelöscht: Königin Margaret wurde getötet, Heinrich festgesetzt und in den Tower gebracht, wo er kurz darauf unter mysteriösen Umständen stirbt. Clarence gibt sich reumütig und kehrt in das Haus York zurück, wird jedoch 1478 exekutiert.

Von nun an sollte England also einen König aus dem Hause York haben.

 

 Tewkesbury, Juli 2006. Schon seit vielen Jahren wird die entscheidende Schlacht auf der "Bloody Meadow" Jahr für Jahr wiedererlebt. Viele Gruppen von Re-Enactors treffen sich hier, um den Kampf zwischen Lancaster und York an zwei Tagen erneut aufleben zu lassen, und das einzige, was sicher ist, ist die Tatsache, dass am zweiten Abend das Haus von York der Gewinner sein wird. Um diese Schlacht herum hat sich ein Markt/Treffen von Mittelalter-Freunden entwickelt, das seinesgleichen sucht. Die Besucher zahlen keinen Eintritt, die Händler keine Platzmiete und die Atmosphäre ist einzigartig entspannt und fröhlich. Davon kann sich so manches Treffen ein paar Scheiben abschneiden.

 

Höhepunkt und Mittelpunkt ist natürlich die Schlacht: jeweils Samstag und Sonntag nachmittags trafen sich die Armeen auf der Bloody Meadow und stritten um die Königswürde. Sehr beeindruckend zogen die Armeen auf, nahmen Aufstellung und wurden wie auf einem Schachbrett gegeneinander geführt. Spätestens hier wurde es für den Zuschauer sehr unübersichtlich, ist doch für Außenstehende kaum zu erkennen, wer für wen kämpft und sein Leben lässt. Dennoch war der Aufzug der Soldaten, sowie die Gewandung und Rüstung und die Taktik der Kriegsherren interessant und sehenswert. Leider gab es keine Möglichkeit, eine Tribüne aufzustellen, so dass es dem Schlachtfeld wirklich sehr an Übersicht mangelte. Aber auch das ist vielleicht typisch für dieses Treffen: hier stehen die Aktiven im Vordergrund.

 

Auf dem Markt herrschte eine entspannte Atmosphäre. Besucher und Aktive schlenderten durch die Zeltreihen und handelten was das Zeug hielt. Es gab zwei größere Zelte: das unvermeidliche Bierzelt mit gekühlten Getränken und das Museums-Zelt, in dem sich die Stadt Tewkesbury, Organisatoren und Re-Enactors vorstellten und an einigen Ständen die Geschichte des Krieges der Rosen in Form kleiner, sehr gut aufgearbeiteter Stellwand-Ausstellungen dargestellt wurde.

Doch auch die Augen und Ohren kamen nicht zu kurz. Eine Gruppe von Morris-Dancers zeigte ihre Kunst, einige Einzelmusiker habe ich gesichtet und eigens aus Deutschland angereist spielten Schelmish an beiden Markttagen vor und im Bierzelt. Die Morris-Dancers sind für unsere Augen sehr ungewohnt: eine Gruppe vermummter, schwarzer Gestalten mit langen Troddeln an ihren Kostümen tanzen, wobei sie immer wieder grob geschnitzte, mit Runen und Symbolen verzierte Stöcke aneinander schlagen. Die Geschichte des Morris-Dance ist sehr alt und kommt wohl ursprünglich aus einem keltischen Fruchtbarkeits-Ritual, wurde aber auch in christlichen Zeiten weiterhin gepflegt und weiterentwickelt. Ein besonderes Lob gilt den Tänzern, die in ihren schwarzen Kostümen und Gesichtsmasken und trotz hoher Temperaturen körperliche Höchstleistungen vollbrachten. Die Akteure waren, wie alle Aktiven an diesem Wochenende, sehr freundlich und auskunftsfreudig und einige neue Bekanntschaften konnten geschlossen werden.

Schelmish haben in England offensichtlich eine sehr große Anhängerschar. Ihre Sets vor und im Bierzelt wurden allesamt mit frenetischem Applaus und viel Gelächter aufgenommen, obwohl die allseits beliebten und frivolen Geschichten, die Dextro und seine Mitstreiter zum Besten gaben, dank fehlender Verstärkung kaum hörbar waren und wahrscheinlich von anglophilen Zuhörern einige sprachliche Interpretationsarbeit forderten. Eines verstanden aber alle Zuschauer: „We are fat, we are ugly, we are Schelmish!“ Das Publikum johlte und tanzte und es war überhaupt kein Problem, Zuschauer zum Mitmachen zu bewegen.

Besonders ihr Auftritt bei der Aktiven-Party Samstag Nacht sei hier hervorgehoben: Im Zelt war es so laut, dass überhaupt keine Ansagen und Geschichten möglich waren, die Atemluft hatte die Zusammensetzung und Temperatur von Sauna-Aufgüssen, dennoch spielten die Schelme ein über 90 Minuten langes Set und gaben wirklich alles.

Sonntagvormittag war dementsprechend Müdigkeit angesagt, wobei noch einige potentiell giftige Flüssigkeiten im weiteren Verlauf der Nacht eine Rolle spielten. Nichts desto trotz gab es auch an diesem Tag wieder lange Ovationen und viel Anerkennung für die Schelme.

 

Spät nachmittags ging der Markt zu Ende und eines ist sicher: ein Ausflug, der sicherlich wiederholt wird, nicht zuletzt wegen der fast Woodstock-ähnlichen Atmosphäre auf dem Markt und den vielen sehr netten, freundlichen, hilfsbereiten Leuten, die mir noch lange in Erinnerung bleiben werden.

 

 

Black Gull