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Tanzwut, Bonn, 08.05.2006

 

Nanu, was ist denn hier los? Die Frage stellte sich unweigerlich beim Eintreffen im Bonner Brückenforum, denn auch um halb acht, also eine halbe Stunde vor offiziellem Konzertbeginn, war die Halle eher mäßig bevölkert.

Lag es am unglücklichen Termin, einem Montagabend, der manch einen dazu bewogen haben mochte, lieber zu Hause zu bleiben? Man wird es wohl nicht erfahren – wohl aber erfuhr man, dass Tanzwut eine ganze Ladung neuer Stücke vom aktuellen Album „Schattenreiter“ mit im Gepäck hatten.

Dies leider erst nach der Vorgruppe, über die ich meine persönliche Meinung aus Höflichkeit nicht äußern werde. Nur so viel: Angekündigte Sozialkritik verhallt leider ungehört, wenn der Text in unverständlichem Gegröle versinkt.

Dann aber betraten Tanzwut die Bühne – und der erste Titel war denn auch gleich ein richtiger Kracher, nämlich die Adaption der „Toccata“ von Johann Sebastian Bach. Welch ein Einstieg – schon da mochte man nicht mehr stillstehen.

Sie hatten es im Vorfeld bereits angekündigt, auf dieser Tour mit neuen Lichteffekten zu arbeiten, und diese neue Bühnenausleuchtung konnte sich sehen lassen. Geradezu diabolisch wirkte Ardor vom Venushügel im grünen Spot, die Lichtcollagen hinter ihm und Castus Rabensang verliehen der Szenerie einen mystischen Touch – doch, das konnte sich sehen lassen.

Vor allem aber konnten die Tanzwütigen sich natürlich wieder hören lassen – insbesondere mit dem nur vermeintlich ungewohnten neuen Material, das beim Publikum offenkundig bereits ebenso bekannt war wie die Klassiker älterer Veröffentlichungen, wie die mitsingenden und mittanzenden Fans verhießen. Härter und rockiger sollte es werden, auch das hatte die Band bereits verlautbart, und härter und rockiger war es auch, ohne dass dabei der typische Tanzwut-Sound auch nur einmal auf der Strecke geblieben wäre. Wenig Zeit zum Atmen oder Innehalten ließ die Band ihren Fans und gönnte sich auch selbst keine Pause. Zum Roadmovie-Stück „Im tiefen Gras“ posierten Wim und Patrick folgerichtig mit Sonnenbrillen, Teufel zeigte sich energiegeladen und gutgelaunt und besonderer Jubel kam immer dann auf, wenn die Dudelsackspieler geschlossen an den Bühnenrand vorrückten.

Absolutes krönendes Highlight natürlich wie schon bei den letzten Tanzwut-Konzerten „Signum Ignitum“, als alle Bandmitglieder mit den leuchtenden Trumscheiten posierten und schließlich das rot leuchtende Tanzwut-Logo zur einzigen Lichtquelle wurde.

Petra Lindner