Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, Dortmund, 01.07.2007

 

Nach längerer Abstinenz sollte es wieder in die alte Heimat Ruhrpott gehen – und immerhin, der Weg lässt sich noch ohne Navigationssystem finden. Bei der Parkplatzsuche rund um den Fredenbaumpark hätte auch ein solches ohnehin keine Dienste geleistet – zwar war ein Hauptparkplatz ausgeschildert, doch: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (oder der fährt halt eine Weile um den Block).

Als recht kreativ erwies sich die Beschilderung des Fußwegs zum Veranstaltungsgelände – das hätte man auch kürzer haben können, aber ein kleiner Spaziergang hat ja noch nicht geschadet (zumal man dafür gern 150 km im Auto zurücklegt, weil in heimischen Gefilden nur ausgedehnte Wälder direkt vor der Haustür warten). O-Ton einer Mit-Passantin im schönsten Ruhrpottslang: „Ich glaub, wia sind gezz hia eima ummen Pudding gelatscht.“

Die Weitläufigkeit des Geländes erwies sich an diesem Sonntagnachmittag als wahrer Segen, denn dank des Familientages (kostenloser Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren) und des trotz drohender Regenwolken letztendlich doch überwiegend sonnigen und sommerlichen Wetters tummelten sich zahlreiche Menschen zwischen den ebenfalls zahlreichen Markständen und den beiden Bühnen. Zu Engpässen kam es aber nur, wenn eine der anwesenden Bands auf dem Gelände musizierte und eine dichtgedrängte Menschentraube um sich versammelte.

Ein großes Heerlager, zahlreiche und teilweise neue Künstler und noch mehr Händler als in den Jahren zuvor belebten den Park, doch man traf natürlich auch auf alte Bekannte wie z. B. Pill und Pankratz oder Dr. Dr. Bombastus.

Begrüßenswert auf jeden Fall die Handwerksstände, bei denen es nicht ausschließlich ums Verkaufen, sondern um das Vorführen der entsprechenden Kunst ging – so beim Schmied oder beim Papierschöpfer; und auch so manches in liebevoller Handarbeit Hergestellte suchte an Verkaufsständen einen neuen Besitzer: Hier seien die hübsch und lebensecht geschnitzten Holztiere besonders erwähnt.

Demgegenüber gab es natürlich auch wieder einmal die zahllosen Gothic-Devotionalien in den obligatorischen Duftwolken aus Patchouli und Räucherstäbchen – aber nachdem die Veranstaltung inzwischen den Zusatz „Phantasie“ respektive „Fantasy“ trägt, gehören auch diese Handelswaren wohl ganz legitim zum feilgebotenen Sortiment.

Ein echtes Highlight waren die Vorführungen der Horus-Falknerei, die dem Publikum wunderschöne Greifvögel und imposante Jagdhunde – hier seien insbesondere die Irischen Wolfshunde erwähnt – näher brachte. Hat man dann einmal einen Adler von Nahem betrachtet, gewinnt man unweigerlich noch etwas mehr Respekt vor den Rotmilanen, die übers eigene Dach kreisen … Scheu vor den imposanten Vögeln zeigten jedenfalls nicht die Kinder, die sich gern zum Streicheln des prachtvollen Gefieders animieren ließen.

Überhaupt gab es viel Unterhaltung für die jüngeren Besucher – ein Kinderritterturnier darf natürlich ohnehin nicht fehlen, und auch beim nachmittäglichen Familienvarieté wurde besonderes Augenmerk auf die Kinderunterhaltung gelegt.

Auch an musikalischer Beschallung durfte es nicht mangeln – insgesamt vier Bands (Die Streuner, Rayneke, Heidenlärm und Cultus Ferox) waren für diese sonntägliche Veranstaltung verpflichtet worden.

Was dem einen sehr recht sein mag, verursacht beim anderen den Gedanken: Weniger ist manchmal mehr. Und so dudelte es eigentlich immer irgendwie und irgendwo, mal mehr, mal weniger gelungen. Ob diese akustische Omnipräsenz wirklich sein muss, sei dahingestellt und ist Geschmackssache – zumindest aber würde man sich wünschen, dass die „allzu flache Erdenscheibe“, die inzwischen Generationen von Mittelaltermusikern auf ihren „Reisen durch die Jahrhunderte“ noch platter getrampelt haben, in Bälde im nächsten Urknall auf Nimmerwiedersehen verschwinden möge. Liebe Musiker, lasst euch bitte, bitte mal was Neues einfallen, wirklich innovativ ist diese Erzählung nämlich nicht mehr und wirkt bei der x-ten Wiederholung doch etwas abgeschmackt!

Cultus Ferox, die das Spectaculum nun schon seit einigen Jahren als ständige Gäste begleiten, hatten die Ehre, das Markttreiben mit dem Abendkonzert zum Ausklang zu führen. Ausgesprochen unglücklich war hier die Lösung, dass dicht vor der Bühne Sitzbänke aufgebaut waren, vor denen sich dann noch im engen Rund die Hardcore-Fans knubbelten. Möglicherweise war hier die Stimmung blendend. Weiter hinten jedoch, wohin sich der eine oder andere dank mancher unschöner Pogo-Attacke vergangener Jahre an gleicher Stelle verzogen haben mochte, sprang der Funke nicht so richtig über, zumal von den Ansagen nicht viel zu verstehen war und auch leider vor allem der Eindruck blieb, dass man das alles in den letzten Jahren irgendwie schon oftmals so oder doch sehr ähnlich erlebt hatte …

Demgegenüber hätte man sich allerdings etwas Kontinuität im Hinblick auf die Tänzerinnen gewünscht – denn statt der vertrauten Romaneska und Ivanuschka als Garanten für eine gelungene Showeinlage gab es eine reichlich uninspirierte Darbietung zweier nicht namentlich erwähnter Damen (vielleicht aber kam die Namensnennung auch einfach weiter hinten nicht an), die die ratlose Frage aufwarf, warum sich Menschen auf eine Bühne begeben, wenn sie nicht glaubhaft den Eindruck vermitteln, als hätten sie großen Spaß daran.

Fazit: Auch im nächsten Jahr werden sicherlich viele den Sonntagnachmittag am Fredenbaum genießen und bestens mit mittelalterlich-fantastischem Treiben unterhalten werden (und andere vielleicht überlegen, wo sie den Sonntagsspaziergang unternehmen).

 

Petra Lindner