Mittelalterlich Phantasie Spectaculum am 14.06.2008 in Lich/bei Gießen

 Nun schon im 15. Jahr tourt das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum durch die Republik und begeistert mit seiner Vielseitigkeit die breite Masse für dieses Genre. Aber nicht immer stößt diese Art der Präsentation auf ungeteilte Gegenliebe: „Zu kommerziell“ oder gar von „Mittelalter-Aldi“ ist die Rede. Hier gebe ich aber zu bedenken: Veranstalter Gisbert Hiller trägt die alleinige Verantwortung für den wirtschaftlichen Erfolg dieses Unternehmens. Hier stehen weder Sponsoren noch Kulturzuschüsse (wie bei vielen Mittelalterfesten üblich) zur Verfügung. Und wenn man bedenkt, dass derweil schon ein Einzelkonzert einer Mittelalterband um die Euro 14,– Eintritt kostet, so ist das Entree für das Spectaculum mit Euro 10,– sogar noch sehr günstig. Auch dieses Jahr wieder begeistert die Veranstaltung mit hochkarätigen Künstlern und einem riesigen Mittelaltermarkt: Rund 80 Marktstände und insgesamt 150 Bauten sowie ein mittelalterliches Karussell bildeten den Rahmen um die Haupt- und Gauklerbühne. Und hier gaben sich die Topkünstler der Szene die Klinke in die Hand: Ob nun die Gauklergruppen und Jongleure von FORZARELLO und PILL & PANKRATZ, das sensationelle Fakirduo RAFFTAN, Alchemist KELVIN, das Orakeltheater KARL MARTIN RIEDEL oder die Spielleut DUIVELSPACK und SCHELMISH. Der musikalische Nachmittag gestalteten die beiden Newcomerbands CAPUD DRACONIS und LUXURIA AURIS. Hiernach dann die Gaukler, Jonglage und die atemberaubende Show des Fakirduos RAFFTAN (in der Fotogalerie machte Ralph hiervon „nur“ Schwarzweißaufnahmen, wohl wissend, wie brutal diese Kunststücke real und in Farbe aussehen). Nach alter Marktsitte spielten DUIVELSPACK und SCHELMISH über Tag immer ein Kurzprogramm von etwa 30 bis 45 Minuten. Zwischendurch lud SCHELMISH dann zum Markttanz auf die Festwiese: Unter Leitung von Animateurin DES D EMONIA wurde ein Tänzlein einstudiert, bei denen die Marktleute und das Publikum zur Musik von SCHELMISH tanzten. Überhaupt sind SCHELMISH bei solchen Mittelalterveranstaltungen für jeden Spaß zu haben: So unterstützten sie während des abendlichen Traumspektakels eine Glaskugeljonglage von Kelvin Kalvus mit allerlei orientalischen Instrumenten und zeigten damit mal wieder eindrucksvoll ihre musikalische Vielseitigkeit. Unter Beteiligung aller o. a. Spitzenkünstler wurde am frühen Abend das Traumspektakel zelebriert: Jonglage, Zauberei, Gaukelei, witzige Einlagen und eine gigantische Feuer- und Pyroshow unterhielten das Publikum auf das Vortrefflichste. Hiernach folgte noch der große Pestumzug, bevor dann SCHELMISH zum Nachtkonzert rief. Zunächst hielt Dextro einen Zettel in der Hand und erklärte: „Hier hat unser Luzi heute akribisch unsere Set-List (Abfolge der zu spielenden Songs) aufgelistet, aber wisst Ihr was (zerknüllt das Papier und reicht es dem Publikum), wir spielen heute mal quer Beet, wie es uns gerade gefällt.“ Und ab da ließen es die Schelme so richtig krachen: 2 Stunden volle Power, etliche Zugaben und man spürte die Freude dieser Band, trotz „Rockorientierung“ zurück bei den Wurzeln ihrer musikalischen Schaffenskraft zu sein. SCHELMISH sind und bleiben auch eine der besten Mittelalterbands, das haben sie in Lich eindrucksvoll bewiesen. Und wenn Dextro nachmittags der Newcomerband LUXURIA AURIS mit Kippe im Mundwinkel und Flasche Bier in der Hand diesen Profi-Tipp gibt: „Ihr müsst noch viel schmutziger werden!“, Luzi bei der Rotta mal ein Ei aus der Unterhose rutscht und Fragor sich als Bierschlepper outet, dann ist das vielleicht „Fett, hässlich und asozial“. Und vielleicht gerade deshalb gehören SCHELMISH zu den beliebtesten Bands – egal ob Mittelalter- oder Rockprogramm.

Charly Ochwat