8. Braunfelser Spektakulum, 07.07.2007

 

Das Glück war dem Aktionsring Braunfels e. V., dem Organisator des nunmehr 8. Braunfelser Spektakulums, hold, schließlich wartete der Samstag mit schönstem Sommerwetter und angenehmen Temperaturen auf. Dazu noch die ausgesprochen hübsche Altstadt von Braunfels an der Lahn mit den zahlreichen Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz und dem imposanten Schlossbau oberhalb des Marktes – solche und ähnliche Kulissen würde man sich stets für eine Mittelalterveranstaltung wünschen, um der Zeitreise ein realistisches Flair zu verleihen.

Der eigentliche Markt fand auf dem weitläufigen, hügeligen Gelände des Braunfelser Kurparks statt, auf dem zahlreiche liebevoll dekorierte Stände zum Stöbern und Informieren über verschiedene Handwerke einluden, und ein großes Feldlager mit Darstellern verschiedener Epochen durfte gleichfalls nicht fehlen. Selbst der Malteser Hilfsdienst, während des Spektakulums für die Erste Hilfe zuständig, hatte sich auf die mittelalterlichen Wurzeln des Malteserordens besonnen und seinen Stand mit Bannern, Zelt und Holzstühlen mittelalterlich gestaltet.

Eine groß angelegte Schlacht fand am Nachmittag statt; doch im Gegensatz zu manchen anderen Veranstaltungen war diese nicht im Mittelalter angesiedelt, sondern in den Schrecken und Wirren des 30-jährigen Kriegs, und die Veranstalter hatten sich entschieden, sie auf echten Ereignissen der Braunfelser Geschichte basieren zu lassen. Über 120 Mitwirkende zu Fuß und zu Pferd, bunte Kostüme und lautstarker Kanonendonner erweckten die Schlacht zum Leben, in der spanische Truppen, die den Brautzug des Braunfelser Grafen Konrad Ludwig überfielen, auf Schweden trafen, die zu dessen Unterstützung herbeigeeilt waren.

Tanz- und Fechtvorführungen rundeten die Reise in die Zeit des 30-jährigen Krieges abseits des großen Schlachtfelds ab, und wer es mittelalterlicher wünschte, konnte zum Beispiel das Badehaus aufsuchen.

Für die musikalische Unterhaltung waren zum ersten Mal an dieser Stätte Cultus Ferox verpflichtet worden. Und im Gegensatz zu der mehr als durchwachsenen Darbietung nur eine Woche zuvor in Dortmund zogen die Berliner diesmal wieder alle Register für eine gelungene Unterhaltung – sowohl musikalisch als auch im Hinblick auf den einen oder anderen lockeren Spruch, und insbesondere Steffano die Panoptico tat sich an diesem Nachmittag in seiner Paraderolle als Stand-up-Comedian hervor.

Ausgesprochen sehenswert war die Falknerei-Vorführung, die dank ausführlicher Erklärungen einen sehr guten ersten Einblick in die Jagd mit dem Greifvogel gab. Eule Hugo anvancierte schnell zum Publikumsliebling, zumal der große Vogel mit den leuchtenden Bernsteinaugen es vorzog, seine ganz eigene Show vorzuführen, und nicht immer auf die Kommandos des Trainers so reagierte wie erwartet – so legte er Zwischenlandungen auf Zelten und der Beleuchtungsleiste der Bühne ein oder segelte dicht über die Köpfe der Zuschauer hinweg.

Das alle zwei Jahre stattfindende Braunfelser Spektakulum sei all denen empfohlen, die nicht nur einen abwechslungsreichen Markt erleben möchten, sondern auch eine historische Kulisse zu schätzen wissen (im Schloss gab es während des Spektakulum-Wochenendes verschiedene Sonderführungen). Ein Lob auch an den Veranstalter, der für gewandete Besucher einen ermäßigten Eintrittspreis gewährt. Im Gegensatz zu manch anderen Veranstaltungen hat man hier offensichtlich erkannt, dass auch und gerade die Gewandeten unter den Besuchern zum besonderen Flair eines Marktes beitragen.

 

Petra Lindner