Schelmish ”Wir werden sehen” Tour - 21.10.07  In der Kammgarn Kaiserslautern

Am Ort des Geschehens angekommen, war die Sonne gerade im Begriff, sich zu verabschieden, und es wurde recht frisch. Auf dem Parkplatz vor der Kammgarn stießen wir auf das eine oder andere bekannte Gesicht, und so wurde erst mal ein wenig in der Kälte geplaudert, bis Bombadil verlauten ließ, das das Foyer bereits geöffnet sei.

Also vorbei an den Tourbussen, rein in die gute und warme Stube und erst mal einen Kaffee trinken, weiter plaudern und in angemessener Lautstärke Coppelius lauschen, die übrigens dieses Jahr auch zweimal die Kammgarn besuchen werden, zuerst als Support von Subway to Sally und im Dezember solo. Sollte man sich nicht entgehen lassen, doch dies nur nebenbei bemerkt.

Als das Kasino geöffnet wurde, drängte es schon einige zur Bühne, und so wurden die Plaudereinen dann dort fortgesetzt, schließlich war noch etwas Zeit, bis ”Alle im Schrank” das Publikum auf Schelmish einstimmen durften.

”Alle im Schrank” war dann auch das Gesprächsthema Nr.1 derer, die sich um mich herum befanden. Wie sind die? Was machen die für Mucke? Kennt die jemand?

Da ich die Bonner Punkrocker am Vorabend in Aschaffenburg erleben konnte, versuchte ich, den Fragenden ein wenig zu erklären, was auf sie zukommt, und erntete skeptische Blicke.

Dann ertönte das eigenwillige Intro der Fünf, und die Blicke wurden noch skeptischer. Während in Aschaffenburg schon nach den ersten Klängen ”Wir wolln die Schelme hörn” aus den Reihen der Fans ertönte, kamen ”Alle im Schrank” in der Kammgarn weitaus besser an.

Dies mag sicher auch am besseren Sound gelegen haben, obwohl die Stimme des Sängers durchaus etwas mehr Lautstärke hätte vertragen können. Ein lustiger Gig, mit verpunkten Songs von Elvis, den Beatles, Britney Spears, sogar Lee Majors (der ”Ein Colt für alle Fälle” Titelsong) kamen zum Vortrage und wurden mit einer ordentlichen Prise rheinländischem Humor gepaart. Sogar ein Hosenbein und eine CD gab’s zu gewinnen.

Jedenfalls bekamen ”Alle im Schrank” ordentlich Beifall und die anfängliche Skepsis war wohl auch bei den meisten in Vergessenheit geraten.

Hier vielleicht noch die Erklärung zu dem ”In Ear” Witz, den anfangs wohl kaum jemand verstanden hat. Der Sänger mag diese Stopfen in den Ohren nicht, obwohl ja ”In Ear” so cool sein soll, der Gitarrist hingegen findet ”in ihr” absolut toll.

Soweit so gut, denn gut war er, der Supportauftritt.

Nach einer kurzen Umbaupause betrat zunächst Picus im Halbdunkel die Bühne und startete das Intro, welches sich ”Holeyologists Prayer” nennt und das auch auf der CD ”Wir werden sehen” den Anfang macht. Nachdem sich alle Schelme auf der Bühne versammelt hatten und das Intro verhallte, begann Luzi die einleitende Dudelsackmelodie zu ”Gefangener der Zeit” zu spielen, und als dann der Rest der Band mit einstieg, gab’s kein Halten mehr unter den Fans.

Nach diesem Stück folgte erst mal bekanntes in Form der ”Marionette” vom Vorgängeralbum ”Mente Capti”, und auch mit dem darauf folgenden ”Moor” der aktuellen Scheibe hielten Schelmish an ihrem Konzept, ein Rockkonzert abzuliefern, fest. Dennoch, mit ”Interregio” kamen dann die Fans, die Schelmish besonders wegen ihrem druckvollen Dudelsackspiel mögen, auch voll auf ihre Kosten. Ein Blick über die Schulter verriet mir jetzt schon, dieses Konzert kommt an. Es wurde getanzt, gepogt, gemosht, geklatscht. Jeder ging nach seiner Fasson voll mit.

Auch wenn die ”Wir werden sehen” noch nicht lange auf dem Markt ist, gab es doch einige, die auch bei den neuen Songs schon recht textsicher mit einstimmten. Weiter ging es dann mit einer Mischung aus neuen Stücken und den Krachern der ”Mente Capti”. ”Der Narr”, ”Ehrlich”, Der letzte Kuss” und ”Twa Corbies”, bei dem Dextro auch eine Strophe der deutschen Version (sehr zur Freude der Fans) sang.

Mit ”Caput Draconis” verwöhnte man dann auch wieder die Dudelsackpuristen, und mit ”So allein” hatten die Schelme auch eine wunderbare Ballade im Gepäck. Was darf auf einem Schelmish Konzert auf keinen Fall fehlen? Klar, die ”Rotta”. Für die ”Wir werden sehen” Tour wurde diese aber ordentlich ”gepimpt” wie man heutzutage so sagt. Mit Stange und Stuhl hat Luzi nun noch mehr künstlerische Freiheit bei der Darstellung höfischer Tanzkunst zu Zeiten des schwulen Königs Luigi. Auch seine Outfits, die ihm aufgrund eines schelmischen Aufrufs schon vor der Tour zuhauf aus den Reihen der Fans zugesandt wurden, können sich wahrlich sehen lassen.

Neben dieser kultigen Darbietung konnte man aber auch noch ein paar andere lustige Momente miterleben, da wäre zum einen der ”Schandfleck” auf dem Dextro Platz nehmen musste, da er einmal mit dem Text gepatzt hatte und der ihm ein lautstarkes ”DU BIST SCHEISSE” aus den Reihen der Besucher einbrachte und zu dem alle mit dem Finger auf ihn zeigen. Dieses Ritual, zu dem man sich auf diesen imaginären Fleck, meist bühnenmittig, stellen muss, geht an keinem Schelm vorbei, der während eines Auftritts einen Fehler macht. So erwischte es beim Konzert in Wiesbaden Luzi, weil er ein falsches Lied angesagt hatte.

Ausserdem konnte man erleben, wie Schelmish ein technisches Problem mit dem In Ear Monitoring zu einer Jam-Session nutzten.

Mit “Herr Niemand” bekam auch besagter, oder besser gesagt, besungener, sein Fett weg. Überhaupt sind viele der neuen Songs an Erfahrungen die die Schelme in ihrem Leben als Musiker - und sicher auch allgemein - gemacht haben, angelehnt und so dürfte auch “Mehr Schein als sein”, welches man allerdings nur auf der Single “Moor” und nicht auf dem Album finden kann, so manchem aus der Seele sprechen. Der letzte Song des regulären Programms war ”Blitz”, der entstand, nachdem beim Auftritt der Schelme auf dem MrdB Festival in Königstein der Blitz direkt hinter der Bühne einschlug und aufgrund dessen das Festival beendet werden musste.

Völlig klar, das man die Schelme nicht ohne Zugaben ziehen ließ.So kamen alle erneut auf die Bühne und brachten auch gleich noch Verstärkung mit. Mr. Burns, den die Schelme 2006 beim Burgfest in Dreieich kennerlernten ,ist, obwohl man es ihm vielleicht nicht ansieht, auf der Bühne und auch sonst, ein ganz Großer. Mit ”Chaos”, ”Tanz mit mir” und ”Ring of fire” brachten Mr. Burns und die Schelme das Kasino noch einmal zum kochen.

Den Abschluss bildete dann Dextro´s Ode an Des Demonia, ”22 Jahre”.

Alles in allem bin ich der Meinung, nachdem ich den vorangegangen Konzerten in Wiesbaden und Aschaffenburg beiwohnen konnte, daß Schelmish sich kontinuierlich gesteigert haben. Zudem war der Sound in der Kammgarn der bislang beste, wobei der Sound im Kasino immer sehr gut ist, sich jedoch die Beschallung der Halle des Schlachthofs in Wiesbaden alleine schon bauartbedingt eher schwierig gestaltet.
Und im Gegensatz zu Aschaffenburg, wo es die Bühnengröße des Colossaal nicht zuließ, kam man im Kasino ebenso wie in Wiesbaden in den Genuss der wunderbar auf die Lieder abgestimmten Lightshow, da dort genügend Platz vorhanden war, um alle Lichteffektgeräte zum Einsatz zu bringen.

 

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<Ralph Halbleib>