Und wieder einmal war ich in Sachen Schelmish unterwegs – diesmal nach Wuppertal, das ich in punkto Autofahren beinahe genauso schätze wie Köln. Doch oh Wunder, ich fand den Pavillon auf Anhieb (hätte ich diesen Weg nicht gefunden, hätte ich auch allmählich vollends an meinem Verstand gezweifelt). Etwas unfreiwillig durfte ich meinen Rucksack an der Garderobe abgeben (nanu, haben wir auf einmal Security wie in großen Hallen zu erwarten?), und noch unfreiwilliger berappte ich später den Euro für die aufgezwungene Dienstleistung. Aber egal, ich war schließlich hier, um Schelmish zu sehen und nicht, um mit der Belegschaft des Pavillons über ihre Garderobenpolitik zu diskutieren …

Gut drei Wochen sind die Schelmen nun in der Republik unterwegs gewesen – und man würde sich wünschen, daß jede Band zum Ende einer Tour hin noch eine solche Energie und ein derartig atemberaubendes Tempo aufbringen würde wie diese sieben Spielleute.

Vielleicht lag es auch ein Stückweit am Publikum, das von Anfang an die Band euphorisch anspornte – da gibt es doch den schönen Spruch „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus“, und so schien es auch an diesem Abend in Wuppertal zu sein. Die Stimmung im Publikum war ausgezeichnet, es wurde getanzt, gefeiert und vor Begeisterung gepfiffen (und in meinem Ohr pfeift es auch noch immer, weil der Herr neben mir es vortrefflich verstand, ohrenbetäubend auf zwei Fingern zu pfeifen), und je ausgelassener das Publikum wurde, umso mitreißender wurde das Spiel der Schelmentruppe.

Daß man von Dextro und seiner Truppe jederzeit derbe und humorige Sprüche erwarten darf, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein, doch diesbezüglich übertrafen Shelmish sich selbst an diesem Abend.

Es gab eine kleine Lektion im großen Latinum (oder waren es doch eher die großen Latrinen??), und man weiß jetzt, daß „Sic mea fata“ zu Deutsch „Fragor hat seine Unterhose drei Tage nicht gewechselt“ bedeutet (Amsel mutmaßte an dieser Stelle, daß man besagtes Bekleidungsstück womöglich schon operativ entfernen müsse …). Überhaupt spielte Unterbekleidung diesmal wieder eine wichtige Rolle, denn Luzi präsentierte einmal mehr mit einer gekonnten Stripeinlage, was man(n) am Hofe von Luigi dem Zehnten (hoffentlich habe ich mir den Namen endlich mal richtig gemerkt) unter dem Gewand getragen hat.

Auch schauspielerisches Talent bewiesen die Schelmen an diesem Abend, denn offenkundig mißfiel es Amsel so sehr, daß Dextro sie als Tochter eines Bischofs und der Nonne Abi-Geil vorstellte, daß ihre Bandkollegen sie gemeinschaftlich davon abhalten mußten, Dextro mit ihrem Dudelsack zu attackieren …

Fehlen durfte als Zugabe natürlich nicht das fast schon legendäre Stück, das den Schelmen beim Fasten und Beten (oder doch eher beim Feiern und Trinken?) im Kloster zu Benediktbeuren von Mitgliedern des Ordens der MCs der Überlieferung zufolge beigebracht worden sein soll, sprich: die Rap-Version von „Ich Was Ein Chint So Wolgetan“. Und wenn man aus der Reaktion des Publikums Schlüsse ziehen darf, dann haben Schelmish mit diesem Stück wohl einen potentiellen Hit am Start.

Und als Sahnehäubchen obendrauf gab es dann noch die Schelmen-Version des Johnny Cash-Klassikers „Ring of Fire“, bevor nach 2 ½ Stunden einmal mehr ein rundum gelungenes Konzert zu Ende ging.

Nach diesem furiosen Auftritt würde ich mir jetzt nur noch wünschen, Schelmish im kommenden Jahr auf dem mittlerweile für mich zum Klassiker gewordenen Runneburg-Burgfest erleben zu dürfen … aber vielleicht wird dieser Wunsch ja irgendwann einmal erhört.

 

Ancalagon