Schelmish

 

Bonn, 29.03.06

 

Sie sind nach eigenem Bekennen die fetteste Mittelalterband der Welt – und sie sind auf Freigang! Unterwegs auf der „Tollhaus“-Tour machen sie an diesem Mittwochabend zum ersten Mal Station in ihrer Bonner Heimat, und es soll ein Heimspiel allererster Güte werden.

Die „Klangstation“ ist ausverkauft, einige zu spät Gekommene müssen unverrichteter Dinge wieder umkehren, während drinnen die Polizei vor den aus dem Tollhaus entsprungenen Wahnsinnigen warnt, die kurz darauf die Bühne entern.

Und das neue Programm hat es wahrlich in sich. Energiegeladen waren sie immer, die wilden Schelme, doch die Akzente, die Naj O. am Bass und Marquis de Guis an der Gitarre setzen, verleihen den Songs eine Dynamik, die geschwind in Hände und Beine schlüpft und kaum einen mehr stillstehen lässt. Ein kurzer Blick ins Rund bestätigt: Der neue, noch vielschichtigere Sound kommt an, die Texte vom aktuellen Album „Mente Capti“ werden begeistert mitgesungen, und Dextros Frage, ob die Leute Spaß hätten und mehr wollten, ist eher rhetorischer Art.

Deutlich die Ansage, dass Schelmish hinter ihrem neuen Programm stehen, dass sie auf Kritik pfeifen – „Pank!“ macht klar, was sie von falschen Zungen halten. 

Und sie sind sich treu geblieben: Schnoddriger Talk von Dextro, Flachsereien der Bandmitglieder untereinander, Luzis mittlerweile legendärer Strip zur „Rotta“, dazu eine gelungene Mischung aus neuen und alten Liedern – es darf getanzt und gelacht werden wie eh und je!

Die Luft wird zunehmend dünner, der Sauerstoffgehalt tendiert gegen null, doch die Fans fordern und bekommen nach gut zwei Stunden insgesamt vier Zugaben, darunter „Ring of fire“, begleitet vom Wunderkerzen-Feuerwerk im Publikum, und „22 Jahre“, die augenzwinkernde Hommage Dextros an seine Des Demonia, bevor erschöpfte, aber glücklich dreinblickende Musikanten die Bühne endgültig verlassen.

Fazit: Auch Schelmish haben ein gehöriges Loch in die Kruste des Oligopols, das da heißt Mittelalterrock, gehämmert – und das ist gut so, Vielfalt ist Ausdruck einer Szene, die lebt und sich entwickelt.

 

Petra Lindner