In Extremo Saarburg 27.09.03

 

Und mal wieder war es soweit – unterwegs im Zeichen der Herrn, oder besser gesagt, es ging zum In Extremo-Konzert nach Saarburg. Nachdem zwei Tage zuvor das Konzert in Köln fast vor der Haustür stattgefunden hatte, nun also mal wieder ein weiterer Trip in entferntere Regionen. Mit den obligatorischen und mehr als hilfreichen Ausdrucken des Routenplaners sowie einer umfassenden Einkaufsliste für den Abstecher nach Luxemburg (jaja, Kaffee und Rauchwaren sind im gelobten Land um einiges billiger …) ausgestattet, ging es bereits mittags gen Südwesten.  Nachdem die Einkäufe für Freunde, Verwandte und Bekannte – und nicht zuletzt für den Eigenbedarf – gedeckt und der Tank mit Benzin gefüllt war (dessen Preis von 0, 75 Euro einem mal wieder die Tränen in die Augen trieb), führte uns der Weg vom luxemburgischen Wasserbillig über die Mosel und durch beschauliche Weinberge gen Saarburg. Nur gut, daß ich ein Faible für enge, gewundene Landstraßen habe …

Das erste, was wir in Saarburg entdeckten, war die Vorgruppe Exilia, die bereits auf ihren Instrumentenkisten vor der Stadthalle hockte, und spätestens, als uns der In Extremo-Tourbus mit dem vertrauten „Kultour“-Logo entgegenrumpelte, wußten wir, daß wir unser Ziel – viel zu früh natürlich – erreicht hatten.

Ausflüge in Sachen In Extremo geraten nicht selten zu einem Sightseeing-Trip, und auch das südlich von Trier gelegene idyllische Saarburg, durch dessen mittelalterlich geprägte Altstadt sich die Saar mit einem kleinen Wasserfall ergießt, war einen Rundgang und einige Fotos wert. Was allerdings die diversen unbekleideten Barbie-Puppen zu bedeuten hatten, die recht trostlos in der Saar schwammen, erschloß sich dem auswärtigen Besucher nicht …

Eine Mahlzeit in einer Kneipe am Marktplatz sorgte für die nötige Stärkung für den anstehenden Abend, wenn auch die kakophonische Berieselung mit dem SWR-1-Radioprogramm in der Kneipe und dem Ufftata einer Blaskapelle außerhalb für einiges Befremden und die bange Frage sorgte, ob In Extremo womöglich das Fach gewechselt und ihren Musikstil in Richtung Marschmusik gewandelt hätten.

Zurück ging es dann zur Stadthalle – und irgendwann merkten auch wir, daß der Haupteingang nicht das war, was wir als Eingang interpretiert hatten (die geringe Anzahl an wartenden Fans hätte uns eigentlich schon eine Warnung sein müssen), sondern sich auf der anderen Seite des Gebäudes befand. Na ja, jeder macht mal Fehler … und immerhin gelang es uns dennoch, uns einen Platz in der ersten Reihe zu sichern.

Gegen 20 Uhr ging es dann pünktlich mit Exilia los, über die ich nichts schreiben werde, da es einfach nicht meine Art von Musik ist und ich der Band mit unqualifizierter Kritik nicht unrecht tun will. Immerhin beweist die Sängerin eine bemerkenswerte Energie über die Dauer des ganzen Konzertes hinweg, allerdings nervt es irgendwann doch ein wenig, ständig als Power Guys oder Power Girls tituliert zu werden.

Eine knappe Stunde später war es dann soweit, und In Extremo betraten die Bühne, die auf dieser Tour mit neuer Deko aufwartet. Sehr schön das neue Transparent an der Rückseite der Bühne, und vom Konzert in Köln wußte man bereits, daß aus den Metallaufbauten, auf denen sich auch das Schlagzeug vom Morgenstern befand, im Laufe des Konzertes Feuerfontänen lodern würden.

Was nach dem neuen Intro folgte, waren gute zwei Stunden Unterhaltung in bester In Extremo-Manier, die die relativ kleine Halle zum Kochen brachte, und wie so oft zuvor kam Micha den lautstarken Rufen des Publikums nach Wasser nach und ließ die Security diverse Kisten Wasser und Wassereimer herbeischleppen. Ein ausdrückliches Lob an dieser Stelle mal für diese spezielle Security, die die Aufschrift auf ihren T-Shirts nicht als Synonym für „Ich bin so wichtig und habe alle Macht hier, und deshalb kann ich mich aufführen wie die Axt im Walde“ interpretierte, sondern sich im Hintergrund hielt und nur eingriff, wenn es darum ging, schwächelnde Leute aus dem Publikum zu ziehen oder, wie gesagt, Wasser zu verteilen. Kein Vergleich zu den arroganten und teilweise unverschämten Gestalten in manch größeren Hallen …

In Extremo boten eine bunte Mischung aus alten und neuen Songs, und natürlich waren Klassiker wie „Ai vis lo lop“, „Hiemali Tempore“, „Herr Mannelig“, „Vollmond“ oder „Wind“ absolutes Pflichtprogramm, das vom Publikum begeistert gefeiert wurde. Und wie schon in Köln gab es relativ frühzeitig die entschiedene Forderung nach dem „Spielmannsfluch“, die im Laufe des Konzertes auch erfüllt wurde. Dazu natürlich jede Menge Stücke der neuen CD „7“. Ich gebe es zu, ich gehöre zu denjenigen, die dem neuen Album keineswegs uneingeschränkte Begeisterung entgegenbringen, und mit „Nymphenzeit“ und „Alptraum“ werde ich mich wohl niemals anfreunden können, weder live noch auf CD, doch gewinnen „Küß mich“ und „Erdbeermund“ in der Live-Darbietung ungemein, wie ich im August auf der Runneburg schon feststellen durfte. Echte Highlights des neuen Albums waren in meinen Augen (oder besser Ohren) das grandiose „Ave Maria“ (schade, daß es wohl nicht machbar ist, Thomas D. bei diesem Stück live mit dabei zu haben) und das akustische „Melancholie“, das einen wünschen läßt, es käme doch irgendwann einmal zu der Akustik-Tour, die zu Zeiten von „Sünder ohne Zügel“ mal angekündigt wurde (und daß auch Lieder wie „Küß mich“ akustisch wunderbar funktionieren, haben In Extremo mit ihrem Auftritt bei „Schattenreich“ auf Onyx TV ja überzeugend bewiesen). Auch „Sefardim“ und „Sagrada Trobar“ entpuppten sich live einmal mehr als echte Zappel-Knaller, und erfreulicherweise waren bei allen Stücken die mittelalterlichen Instrumente deutlich herauszuhören und gingen keineswegs in Gitarre, Baß und Schlagzeug unter. Vom neuen Album hätte ich mir dann noch „Davert-Tanz“ und „Pferdesegen“ gewünscht (vielleicht könnte man ja dafür „Segel setzen“ und „Mein Kind“ weglassen …), aber auch so war es eigentlich eine gelungene Mischung zwischen Alt und Neu, bei der wahrscheinlich die meisten anwesenden Fans auf ihre Kosten kamen.

Auch visuell war das Konzert ein Genuß, denn die Band wartete nicht nur mit neuen Bühnenkostümen, sondern vor allem mit reichlich Feuerzauber auf – angefangen von Feuerwerkskörpern, die quer durch die Halle gen Bühne geschossen wurden, über die Feuerfontänen, die immer wieder aus den erwähnten Bühnenaufbauten loderten, bis hin zu den Feuerspuckeinlagen von Micha, die auch nach dem x-ten Sehen nichts von ihrer Faszination verlieren.

Die Band präsentierte sich in recht ausgelassener Stimmung, und Micha ließ sich nicht nur, wie bereits in Köln, zu einer Bauchtanz-Einlage bei „Alptraum“ hinreißen, sondern verehrte seinen Mitstreitern auch die roten Rosen, die aus dem Publikum auf die Bühne geworfen worden waren. Jaja, auch für In Extremo soll es rote Rosen regnen … bleibt zu hoffen, daß die beiden Blümchen in Flex’ Rockbund nicht allzu sehr gepiekt haben!

Alles in allem ein gelungenes Konzert, und mehr als erfreulich war es, daß man nach dem Konzert nicht gleich aus der Halle hinausbefördert wurde (eine Unsitte, die vor allem in der Domstadt praktiziert wird), sondern man noch in Ruhe ein Schwätzchen mit Freunden halten konnte. Das ist sicherlich ein Vorteil kleinerer Hallen abseits der großen Ballungsräume, und auch die Band ließ sich nach dem Konzert noch an Pucks Merchandising-Stand blicken und stand für Autogramme und Fotos zur Verfügung.

Fazit: Ein Konzert, das die Anreise von zwei Stunden mehr als gelohnt hat.

by Ancalagon