Subway to Sally - Bastard Tour 2007 - Kammgarn Kaiserslautern

Support Coppelius

 

Es gibt Tage, da spürt man irgendwie – dies ist nicht dein Tag. Der 2. November 2007 war so einer. Dabei habe ich mich schon seit Wochen darauf gefreut, Subway to Sally zu sehen, ganz zu schweigen von Coppelius, die den Support für die Bastard Herbst Tour übernehmen.

Doch wenn man morgens schon mit einem Kloß im Hals aufwacht, Kopfschmerzen einen in eine gewisse Lethargie zwingen und die Zeit einem irgendwie davonläuft, weil man ja nicht zu spät zum Konzert erscheinen will, kann aus diesem Tag nicht wirklich was werden. So dachte ich jedenfalls.

Bevor ich letztendlich mit einem dann doch guten Gefühl nach Hause fuhr, diesen Tag nicht vorzeitig abgehakt zu haben, galt es einige Widrigkeiten mehr oder weniger gelassen zu überstehen. Zwei Staus, ein verlorener Fotopass und ein paar andere Kleinigkeiten stellten mich auf die harte Probe, erstmalig ein Konzert quasi schon zu Beginn zu verlassen.

Nicht zuletzt dem überaus zuvorkommenden Team der Kammgarn, insbesondere Angelika Kuhn, die mir zu einem weiteren Fotopass verhalf, einer Security, die mich, obwohl ich zu spät kam, wenigstens von der Seite des Grabens noch ein paar Fotos von Coppelius machen ließ, und der einen oder anderen netten Plauderei mit anderen Gästen ist es zu verdanken, dass es nun doch einen kleinen Bericht und ein paar Fotos von diesem tollen Konzertabend gibt.

Doch nun zum Konzert. Als ich das ausverkaufte Kasino betrat, heizten Coppelius dem Publikum schon ordentlich ein. Kammer Core stand auf dem Programm, denn E-Gitarren oder ähnliche Rockmusik-Instrumente sucht man bei Coppelius vergeblich. Lediglich ein Schlagzeug gesellt sich zu Cello, Klarinetten und Kontrabass und wer der Meinung ist, dass solch eine Kombination von Instrumenten nicht ordentlich rockt, wird von den Herren in Frack und mit Zylinder eines Besseren belehrt. Mit ihrem Debütalbum im Gepäck hatten Coppelius keinerlei Schwierigkeiten, die Fans in Stimmung zu bringen. „Wertes Publikum, Sie sind, gehalten mit mir zusammen ein wenig Ihr Haupthaar zu schütteln”, so ließ Bastille verlauten – und das Publikum kam der Aufforderung nur allzu gerne nach.

Mit frühen Werken und einigen vom aktuellen Album „Time Zeit“ sorgten Coppelius dafür, dass die Luft im Kasino bereits jetzt schon recht knapp wurde. Für mich stellen Coppelius zurzeit eine der interessantesten Liveformationen dar. Die unglaubliche Performance, die sie auf der Bühne an den Tag legen, ist schon einzigartig und man sollte sich auf jeden Fall den 15.12.2007 vormerken, denn dann beehren die Herren erneut die Kammgarn in Kaiserslautern. Ein Preview findet man hier.

Nach der Umbaupause betraten, frenetisch umjubelt, Subway to Sally die Bühne und von da an wurde es richtig heiß im Kasino. „Umbra“ vom neuen Album „Bastard“ leitete mit einem gewaltigen Pyroeffekt den Hauptact des Abends ein. Während Eric Fish die zahlreich erschienenen Freunde als solche begrüßte, durfte sich die Fotografenschar erneut im Graben platzieren. Leider wurden wir nach zwei von eigentlich drei genehmigten Liedern wieder gebeten, selbigen zu verlassen. Ein kleines Missverständnis, wie sich herausstellte. Einer der Security hatte vermutlich das erste Lied, zu dem wir ja nicht in den Graben durften, wohl mitgezählt – kann passieren und ist nur insofern schade, weil es die ohnehin schon recht dürftige Chance, ein paar schöne Fotos zu machen, um ein Drittel schmälerte.

Davon unberührt konnten allerdings, und das finde ich viel wichtiger, die Fans ein Spitzenkonzert erleben. Ihrer Stühle, die sie bei ihrem letzten Besuch in der Kammgarn anlässlich der „Nackt“-Tour, dabei hatten, entledigt, konnten Subway to Sally wieder mit mitreißendem Elan auf der Bühne agieren. Besonders Eric Fish lebte jeden Song richtig aus. Während man zu den Liedern „Tanz auf dem Vulkan” und „Meine Seele brennt” die Bühne eindrucksvoll in Brand setzte und somit rasch für einen gewissen Mangel an Sauerstoff sorgte, war es schon erstaunlich – wobei nicht ungewöhnlich –, wie die Fans zu den Klassikern wie „Kleid aus Rosen”, „Ohne Liebe”, „Sag dem Teufel” und „Henkersbraut” lautstark mit einstimmten. Ganz zu schweigen vom immer wieder erklingenden Schrei.

Auch „Feuerland” vom Album „Nord Nord Ost” wurde gespielt und nach einem durchweg perfekten Konzert mit einer präzisen Lichtshow kündigte Eric „Sieben”, ebenfalls von der letzten Studio-CD, als letztes Lied des Abends an.

Doch als die Band die Bühne nach „Sieben” verlassen hatte, ertönte sofort aus den Fanreihen „Julia und die Räuber – Blut Blut ...”, welches gleichzusetzen ist, mit dem Wunsch nach einer Zugabe, und so betraten Subway to Sally erneut die Bühne und Eric bemerkte, dass man auf dieses Lied erst später zurückkommen würde, denn zunächst möchte er ein Rätsel gelöst wissen.

Mit „Rätsel II” schickten sich Band und Fans dann an, den Rest an verbliebenem Sauerstoff im Kasino zu vernichten, was allerdings zu diesem Zeitpunkt kaum mehr schwer fallen sollte.

Nach „Julia und die Räuber” beendete dann letztendlich „Seemannslied” einen grandiosen Konzertabend und ich glaube es war wirklich für kein weiteres Lied mehr Luft vorhanden, nicht im Saal und ganz sicher nicht auf der Bühne.

Es heißt ja immer, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, doch viel richtiger sollte es heißen, man soll den Tag nicht vor dem Abend abhaken. Deshalb mein Fazit: Fünf von Fünf Sternen.

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<Ralph Halbleib>