Medieval Emporium Festival - 08.und 09.09. Paderborn

Was die "Freye Soeldner zur Lippe e.V." hier auf die Beine stellte, sucht wirklich seinesgleichen: Ein großer Mittelaltermarkt und ein 2-Tage Festival mit jeweils acht Bands pro Tag, bei dem der musikalische Bogen von traditionellem Liedgut bis hin zum Elektro-Dark-Wave gespannt wurde.

Leider stand dieses Festival wettermäßig unter keinem guten Stern: Tage zuvor trat der angrenzende Bachlauf über die Ufer und überschwemmte das gesamte Gelände.
Die Folge: Überall knöcheltiefer Schlamm.

Und damit nicht genug: Am Samstag Dauerregen und man erwartete förmlich das irgendjemand aufspringt und ausruft:" Kommt Leute wir sammeln Holz: Es wird Zeit "Arche Noah II" zu bauen."

Unermüdlich und bis zur völligen Erschöpfung verteilten Vereinsmitglieder zig - Tonnen von Stroh um die Wege und das Festivalgelände begehbar zu machen - und zu halten.
Wo andere Veranstalter ihr Publikum wahrscheinlich resigniert ihrem Schicksal überlassen hätten, kämpften die vielen Helfer in strömendem Regen gegen die meteorlogischen Widerstände.

An dieser Stelle ein ganz großes Lob an die Veranstalter und tiefe Verneigung vor den "Freye
Soeldner zur Lippe e.V." ! ! !

Nun aber zum Festival:

Samstag, 08.09.07

Am Fuße der Wewelsburg, übrigens die einzige Dreiecksburg in Deutschland, machte "Loki`s Rotte" den Anfang und eröffnete " Das Festival der Spielleute". Gleich zu Beginn fiel direkt eine riesige Orgel im Bühnenbild ins Auge und konnte folglich nur einem Zwecke dienen: Dem Auftritt von LEX MIHI ARS. Leider ist diese hervorragende Formation auf den großen Festivals noch viel zu wenig zu sehen, obwohl ihr Erstlingswerk " Heller Tag" mit der Interpretation rein instrumenteller historischer Musik schon fast "Kult-Charakter" hat.

Gerne würde ich noch seitenlang über diese symphatischen Rheinländer schreiben - aber wir haben ein EXCLUSIV - Interview mit LEX MIHI ARS machen können, welches Ihr bald hier bei uns lesen könnt.

Aber eine kleine Anekdote verrate ich Euch vorab: Warum heißt der hervorragende Pianist und Organist eigentlich "Hase"? CHRISTIAN GOEB hat früher bei archäologischen Grabungen mitgearbeitet und weil er der dünnste war, band man ihn an seinen Beinen fest und ließ ihn kopfüber in die Grube hinab wo er nach Überbleibseln unserer Vorfahren grub. Irgendjemand sagte dann mal beim Runterlassen von Christian: "Hase in die Grube" - so entstehen  Spitznamen.

Mit SCHIMMELREYTHER und NACHTGESCHREI folgten zwei Mittelalterbands denen man durchaus seine geneigten Ohrmuscheln hinhalten konnte. Mit der 5. Band des Tages, ADORNED BROOD aus Grevenbroich, sollte dann der "Party-Abend" eingeläutet werden: Knallharter und gut gemachter Black-Metal! Und für alle, die zwar katholisch, aber lange nicht mehr in der Kirche waren kam nun die richtige Band: POTENTIA ANIMI. Wenn die Brüder der ewigen Keuschheit zur Buße rufen, ist absolute Partystimmung angesagt. Das Publikum sang und tanzte als gäbe es morgen keinen Petersdom mehr. POTENTIA ANIMI wieder nur genial ! ! ! Aaaaaammmeeeennnn...

Mit schnellen Songs, einem wunderschönen Lyrischen Gesamtkonzept und der brillanten Stimme von Frontfrau SANDRA SCHLERET überzeugte ELIS auf ganzer Bandbreite.
Wenn TANZWUT aufspielt, dann tanzen und hopsen alle, der Matsch klatscht bis zum Hals und es gilt das Motto " Ihr wolltet Spass..." TANZWUT in absoluter Top-Form: Teufel mit Schabernack:"Macht mal Schlamm-Catchen!" Gespielt wurden die wirklich besten Hits der Band. Super!

2. Festivaltag: Sonntag, 09.09.07

Ein wirklich schöner Tag nahm seinen Anfang: zum einen war es trocken und zum anderen schlug die erste Band des Tages voll ein: OBSCURATIS!! Wunderschöne mittelalterliche Impressionen mit viel Charme vorgetragen: Hier lohnt es sich wirklich in ihr Erstlingswerk "Mittelalternativ" reinzuhören!

Die Bands wachsen nach: Qualitativ richtig gut - so macht die Mittelalterszene Spass!
Dann folgte die Band, auf die ich mich ( eigentlich ) am meisten gefreut habe: RAPALJE aus den Niederlanden. Und meine Erwartungen wurden noch übertroffen. Von ruhigen Balladen bis hin zu fetzigen Folk-Songs räumten RAPALJE mächtig ab. Man merkt sofort das sie echte Pofis sind: Da wird direkt das erste Lied gespielt und der Soundcheck ist im Kasten. Eine echte, gewachsene Live-Band eben. Und es verwundert dann auch nicht, dass die Künstler von der Bühne herabsteigen und mitten im Publikum weiterspielen.
Genial auch die Instrumente: Besenstiel, Schnur und eine Kiste = Bass !
Ein Interview mit RAPALJE ist in Vorbereitung: Demnächst hier, freut Euch drauf!

Die nächste Band war CRADEM AVENTURE. Dazu vorneweg: Es liegt mir fern, irgendwelche Bands in die Pfanne zu hauen, aber bei CRADEM AVENTURE klappte Soundtechnisch irgendwie gar nichts. Schade.

Aber es sollte auch wieder "SCHÖN" werden: DUNKELSCHÖN!
Mit vielen mittelalterlichen Instrumenten wie Nickelharpa, Harfe, Calimba und vielem mehr eroberten DUNKELSCHÖN wie im Flug die Herzen des Publikums. "Wirbelwind " und Frontfrau VANESSA ISTVAN überzeugt nicht nur mit reichhaltigen Kenntnissen verschiedenartigster Flöten, sondern auch mit reichlich Power auf der Bühne. DUNKELSCHÖN sollte man sich merken: vor allem die CDs "Torenvart" und "Irfind" machen Lust auf diese Band.

ERIC FISH, eher bekannt von "Svbway to Sally" kam mit seinem Soloprogramm, welches üblicherweise in Clubs mit dem passenden Ambiente auch durch aus drei Stunden dauert. Mit ihm noch zwei Gitarristen und ein Keyboarder. Eric hat zwar jede Menge Charisma und spielt sehr gut Gitarre, aber eigentlich fand ich die Musik zu ruhig für dieses Festival.

Hiernach folgte WELTENBRAND aus Lichtenstein mit eher düsterem Liedgut, wobei DINA FALK und MANJA GÜCKEL durchaus überzeugten.

TÖÖÖRÖÖÖ!! CULTUS FEROX on Stage. Geniale Musik und Super Show, mit einem gehandicapten Branden, dem ein paar Tage vorher eine Deichsel auf den Fuß geknallt war.
Ein grandioses Konzert von CULTUS FEROX, trotz Frontmann mit Krücke.

Leider konnten wir uns CORVUS CORAX nicht mehr zu Gemüte führen, denn es warteten noch einige Hundert Kilometer Autobahn auf uns, und da wir Montags auch wieder Früh zur Arbeit mussten, siegte die Vernunft und wir traten den Heimweg an.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Veranstalter, das wir vor und hinter den Kulissen dieses Festival mit all seinen Facetten beleuchten durften.

(Charly, Mayen)


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