Hier geht es zu den Bandbildern von Cultus Ferox und Saltatio Mortis

Spectaculum Oberwesel, 03.06.06

 

 

Es gibt solche und solche – der vermeintliche Gemeinplatz trifft auch und gerade auf mittelalterliche Marktveranstaltungen zu. Es gibt solche – und leider viel zu viele –, die kaum verhehlen, dass es lediglich darum geht, auf einem aktuellen Trend mitzuschwimmen und den schnellen Euro zu machen. Und es gibt die anderen, die besonderen, die mit der nötigen Liebe zum Detail und dem Engagement der Veranstalter gemacht sind, die sich wohltuend aus der Flut der Mittelaltermärkte landauf, landab hervorheben.

Zu letzteren gehört eindeutig das Spectaculum zu Oberwesel, das alle zwei Jahre am Pfingstwochenende stattfindet.

Drei Tage lang hat der Besucher die Gelegenheit, innerhalb der historischen Stadtmauern der alten Stadt am Mittelrhein in die Vergangenheit einzutauchen, und dem Bemühen der Organisatoren ist es zu verdanken, dass Neuzeitliches wie Straßenbeleuchtung oder Briefkästen mit der entsprechenden Verhüllung aus dem Blickfeld verschwindet und eine nahezu perfekte Illusion der Vergangenheit heraufbeschworen wird.

Ein erfreulich großes Angebot an Händlern, Handwerkern und Künstlern zeichnete auch in diesem Jahr das Spectaculum aus, und die liebevoll dekorierten Stände luden zum ausgiebigen Stöbern in den feilgebotenen Waren und zum Verweilen bei den vorgeführten Handwerken ein.

Was man hier auf positive Art vermisste, waren all die Tinnef-Stände, die auf anderen Veranstaltungen mehr oder minder geschickt in den Kontext Mittelalter gerückt werden, aber bestenfalls und mit viel gutem Willen in die Rubrik Kunsthandwerk fallen.

Wer einigermaßen mühelos durch die engen, strohbedeckten Gassen schlendern wollte, der tat gut daran, am späten Samstagnachmittag einzutreffen; der Besucherandrang war zwar groß, aber es ließ sich ohne allzu großes Gedränge und Geschiebe gemütlich flanieren.

Musikalisches Highlight an allen Tagen waren die Bayern Furunkulus, die mit ihrer infernalischen Mixtur aus Schlagwerk und Dudelsäcken das Volk zum Toben brachten – soweit man denn im Sitzen toben kann. Das mag das einzige Manko gewesen sein: Was für den einen bequem und gemütlich ist, nämlich Sitzbänke bis nahezu direkt vor die Bühne, wirkt beim anderen ein wenig stimmungshemmend, wenn es um Musik geht, die geradezu zum Tanzen einlädt.

Besonders romantisch wirkte die alte Stadt mit Einbruch der Dämmerung, als die ersten Kerzen entzündet wurden, und es waren diese Momente, die die Reise in frühere Jahrhunderte nahezu perfekt machten.

Qualität setzt sich erfreulicherweise doch manchmal durch, und so wird das Spectaculum zu Oberwesel sicherlich ganz mühelos in zwei Jahren in die 13. Runde gehen.

 

Petra Lindner