Castle Rock 8 

Am 30. 06. 2007 fand zum 8. Mal auf Schloss Broich in Mühlheim an der Ruhr das mittlerweile legendäre Castle Rock Festival statt und wieder hat es Michael Bohnes geschafft, eine gelungene Mischung an Bands verschiedenster Stilrichtungen zu präsentieren.

Den Auftakt machten „The Pussybats“. Die Band aus dem Badischen wurde von den Lesern des Sonic Seducers auf Platz Nummer 1 des diesjährigen „Battle Of The Bands“ gewählt. Getreu ihrem Motto „Sex, Blood & Goth’n’Roll“ bekam man, abgesehen vom Sex, genau dieses geboten. Da beißt der Bassist auch schon mal seine Musikerkollegen blutig und spuckt selbiges auch schon in Richtung Publikum, doch keine Bange, wie mir Gitarrist Roy versicherte, handelt es sich um Theaterblut, welches sich problemlos von Haut und Kleidung entfernen lässt. Die Jungs spielten ein einwandfreies Set und man sah ihnen an, dass sie sichtlich Spaß daran hatten. Ich finde es schön, das man der Band, die noch bei keinem Label unter Vertrag ist und auch noch kein Album auf dem Markt hat, die Chance gab, bei diesem Event zu spielen, und ich bin überzeugt, dass es unter den Besuchern nun auch einige neue Fans geben wird. Bleibt zu hoffen, dass die „Fledermäuse“ ein Label finden, welches ihr Potenzial fördert und alsbald ein Album veröffentlicht.

Galerie The Pussybats

Als Zweites kamen die "Metallspürhunde" auf die Bühne und hatten gleich ein wenig mit der Technik zu kämpfen. Doch das brachte die Truppe nicht aus dem Konzept und so gab es einen lockeren Spruch von Frontmann Michel Frass zu hören, der dann sogleich seine mitreißende Performance startete. Die Schweizer, die mit ihren Texten gerne anprangern, was so mancher im Alltag vielleicht schon einfach als gegeben hinnimmt, verstanden es vortrefflich, das Publikum mitzureißen. So handelt "Blut und Spiele" unter anderem von der täglichen Konfrontation mit medialer Gewaltdarstellung und der Sucht nach Sensation, die vor nichts mehr Halt zu machen scheint. In anderen Songs wird die Gier nach Macht und Besitz aufs Korn genommen und auch mit falschen Göttern oder solchen, die sich für Götter halten, wird abgerechnet. Michels Mimik und Gestik unterstreichen die elektronische, mit harten Gitarrenriffs gepaarte Musik eindrucksvoll und als ihm die Bühne zu klein wurde, verlegte er seinen Wirkungskreis kurzerhand auch mal eine Weile in die Reihen der Fans. Die „Hunde“ boten eine wirklich gelungene Show und schafften es sogar, dass ihre mitgebrachten CDs binnen kurzer Zeit vergriffen waren.

Galerie Metallspürhunde

Act Nummer drei des Tages waren „Coppelius“, die auf geniale und wahnsinnige Weise dem Publikum bewiesen haben, dass Musik mit Klarinetten, Cello und Kontrabass kein Stück weniger rockt als Stromgitarrenmusik. Leider gab es auch bei den Herren mit Frack und Zylinder zu Beginn ein technisches Problem. Bei „To My Creator“ versagte das Mikrofon des Grafen Lindorf, doch auch diese Panne bekam man in den Griff und so fuhr man fort, dem Publikum ordentlich einzuheizen. Wer die Berliner bis dato nicht kannte, war sicher überrascht, wie man mit diesem unkonventionellen Instrumentarium derart abgehen kann. Ganz zu schweigen von der Stimmgewalt, die Max Coppella bisweilen an den Tag legte. Kein Wunder, dass die Fangemeinde ein „da capo“ forderte, welches auch bereitwillig gegeben wurde.

Galerie Coppelius

Während der nächsten Umbaupause betraten dann die Bürgermeisterin von Mülheim und Veranstalter Michael Bohnes kurz die Bühne, dankten den Besuchern des ausverkauften Festivals für ihr Erscheinen und wünschten allen weiterhin viel Spaß beim Feiern.

„Gothminister“ kombinieren Darkmetal mit elektronischen Elementen und schafften es, trotz verpasstem Anschlussflug in Amsterdam, rechtzeitig auf dem Castle Rock zu erscheinen. Nun traten die norwegischen Gothrocker an, die Menge in ihren Bann zu ziehen. Happiness in Darkness stand auf dem Programm und wurde auf düstere Weise hart und mitreißend zelebriert. Gothrock in Reinkultur, nicht mehr und nicht weniger. Diese Band durfte auf keinen Fall fehlen.

Galerie Gothminister

Anschließend folgten „Leaves’ Eyes“, deren Musik von sanften Klängen bis zu handfestem Metal reichte und von Sängerin Liv Kristine perfekt intoniert wurde. Mit einem Hang zu nordischen Sagen und wehenden Mähnen gab man episch angehauchte Stücke, aber auch filigrane Akustikklänge zum Besten und hielt das Publikum in Bewegung. Gut, dass man nicht vergessen hat, auch eine Band mit Sängerin einzuladen, und damit nicht nur stilistisch, sondern auch stimmlich diesen Event in seiner Vielfalt abgerundet hat.

Galerie Leaves´Eyes

„Letzte Instanz“ hatten auch eine kleine Anreise-Odyssee hinter sich, ein Stau im Pott ist halt nicht unbedingt etwas, dass man sich vor einem Auftritt antun muss. So ein Stau hat aber auch Positives, zumindest könnte man den gesteigerten Bewegungsdrang der Musiker damit assoziieren. Wobei – wer die „Letzte Instanz“ kennt, der weiß, dass die Jungs selten auf dem Bühnenboden zu halten sind. Wer die Masse springen sehen will, der sollte es am besten auch vormachen, ein Konzept, das diese Band zu beherzigen weiß, und eines, das aufging. Mit neuen, aber auch mit alten Liedern und genug Texten, zu denen die Fans mit einstimmen konnten, verstanden sie es, die Menge ordentlich zu pushen.

Galerie Letzte Instanz

Da über den Tag der Zeitplan nicht mehr so ganz eingehalten wurde und das Schloss Broich in Nachbarschaft eines Wohngebietes steht, wurde während des letzten Umbaus schon spekuliert, ob Teufel nun die Bühne betritt, „Hallo, wir sind Tanzwut und wünschen euch eine gute Nacht“, sagt und sie anschließend wieder verlässt, doch dem war natürlich nicht so. Hatz betrat die Bühne und leitete mit sakralen Orgelklängen den Auftritt des Main-Acts ein. „Tanzwut“ sorgte dafür, dass die Fans jetzt noch einmal richtig abgehen konnten. Mit einem Set aus Klassikern und Stücken vom aktuellen Album machte man dem Publikum schnell klar, dass die Zeit sich auszuruhen noch lange nicht gekommen ist. Noch einmal alles aus den Fans heraus zu holen fiel den Mannen um Frontmann „Teufel“ nicht schwer. Beendet wurde das Festival dann, etwas verspätet, mit dem Ausschalten der leuchtenden Tanzwut-Trumscheite, wobei es sicher noch einige Feierwütige gegeben haben mag, die sich zu der im Anschluss an das Festival angesetzten Aftershow-Party eingefunden haben.

Galerie Tanzwut

Mein Fazit: Ein gelungenes Castle Rock mit kleinen Pannen, die unwesentlich ins Gewicht fielen. Riesenstimmung mit tollen Fans und tollen Bands. Leckeres Essen und Getränke zu humanen Preisen.

Ein Festival-Event, der hoffentlich noch lange Bestand haben wird – aber dafür wird Veranstalter Michael Bohnes schon sorgen, der es, wie auch beim Burgfolk, immer wieder schafft, ein vielschichtiges und interessantes Line-up zu präsentieren.

Weblinks

Veranstalter:  Castle Rock Homepage

Bands:

www.thepussybats.com

www.mshunde.ch

www.coppelius-band.de 

www.gothminister.com 

www.leaveseyes.de 

www.letzte-instanz.de 

www.tanzwut.com

 

<Ralph Halbleib>