Mittelalter-Dark-Akustik-Festival

Samstag, 6. September 2003: Elbenevents hatte zum Mittelalter-Dark-Akustik-Festival in die Paulus-Kirche nach Hamm eingeladen, und allein die Headliner Corvus Corax waren Anlaß genug, sich dieses Ereignis nicht entgehen zu lassen. Doch das Festival konnte mit einigen weiteren überraschenden Highlights aufwarten – dazu aber später mehr.

Nach einigen unfreiwilligen Runden durch die Hammer Innenstadt hatten wir die Kirche schließlich gefunden, vor der sich bereits überwiegend schwarzgewandetes Volk eingefunden hatte. Da der Einlaß noch auf sich warten ließ, beschlossen wir, zunächst einmal den Mittelaltermarkt zu inspizieren, der ebenfalls in Hamm stattfinden sollte. Sagen wir’s mal so: Ein kleiner Hinweis oder ein winziges Schild in die richtige Richtung hätten uns sicher auf dem direkten Weg dorthin gebracht, aber in Ermangelung solcher Hilfen erkundeten wir, diesmal zu Fuß, ein weiteres Stück der Hammer Innenstadt, bis wir schließlich doch in einem parkähnlichen Gelände auf den Markt stießen.

Trotz des trockenen und warmen Samstagnachmittags und teilweise bereits geschlossener Geschäfte war der relativ kleine Markt eher spärlich besucht. Doch das war, im Gegensatz zu Massenveranstaltungen à la Satzvey eine recht angenehme Überraschung, konnte man doch in Ruhe die verschiedenen Stände inspizieren.

Doch zurück zum Festival. Allein der Veranstaltungsort war mit der imposanten Kirche großartig gewählt, und die erhabene Atmosphäre des großen Kirchenschiffs übertrug sich auch auf der Gottesfürchtigkeit nicht so verhaftete Besucher. Man unterhielt sich in gedämpfter Tonlage und saß gepflegt in den Kirchenbänken (die, nebenbei bemerkt, die Veranstaltung unbeschadet überstanden). Dort, wo sonst der Altar steht, befand sich die „Bühne“, beeindruckend ausgeleuchtet mit roten Strahlern und dominiert von hohen Spitzbogenfenstern, und da wir uns zeitlich auf dem Markt ein wenig verzettelt hatten, trafen wir ein, als die zweite Band des Tages, Osiris Taurus, ihren Auftritt hatte.

Und damit wären wir gleich bei der ersten großen Überraschung dieses Festivals. Denn was sich uns dort bot, war eine mitreißende Performance der Musiker aus Braunschweig, die für mich bis zu diesem Moment völlig Unbekannte gewesen waren. Bühnenkostüme, die sich an Kreativität locker mit den einfallsreichen Gewandungen von Corvus Corax messen konnten, und ein Instrumentarium, das man in dieser Kombination noch nicht oft erlebt hat (die Palette reichte von Dudelsack über Didgeridoo bis hin zu verschiedenen Schlaginstrumenten). Daraus entstand eine kaum zu beschreibende Klangkombination mit Einflüssen verschiedenster Kulturkreise, die sich irgendwo zwischen archaisch, folkloristisch und tanzbar bewegte, sich aber (zum Glück) in keinerlei Schublade stecken läßt. Die Akustik der Kirche trug ein Übriges dazu bei, diesen Auftritt zu einem Gänsehauterlebnis der besonderen Art zu machen. Demnächst wird es hier mehr Infos über diese Band geben, doch wer sich schon einmal einen Eindruck machen will, kann dies auf ihrer Homepage tun, auf der es auch Ton- und Videodateien gibt (www.osiris-taurus.de).

Nach diesem mehr als gelungenen Auftritt folgten Chamber, die stilistisch einen ganz anderen Weg einschlugen, aber ebenfalls mehr als beeindruckend waren, was sicherlich vor allem an der faszinierenden Stimme ihres Sängers lag, die streckenweise ein wenig an Brendan Perry (Dead Can Dance) oder Alexander Veljanov (Deine Lakaien) erinnerte. Musikalisch irgendwo zwischen diesen Bands und Death In June angesiedelt, waren auch Chamber eine weitere positive Überraschung und der Beweis, daß derartige Festivals immer wieder für angenehme Neuentdeckungen gut sind. Wer sich näher mit „L’Orchestre de chambre noir“ befassen will, findet die nötigen Informationen unter www.chamber-online.de .

Erfreulich kurz waren die Umbaupausen, und nach Chamber betraten Persephone, die Band um die L’Âme Immortelle-Sängerin Sonja Kraushofer die Bühne. Die in ein weißes, langes Gewand gekleidete Sonja Kraushofer und die in schwarzen Anzügen spielenden Musiker boten nicht nur einen stilistischen Kontrapunkt zu Osiris Taurus und Chamber, sondern auch einen musikalischen, denn die ruhigen Songs wurden vollständig dominiert von der ausdrucksstarken Stimme Sonja Kraushofers. Obwohl ebenfalls beeindruckend und der Atmosphäre der Kirche mehr als angemessen, wirkte der Auftritt leicht unterkühlt.

Von Kühle hingegen war nichts mehr zu spüren, als die Headliner des Abends, Corvus Corax, den Ort des Geschehens betraten. Bereits vor dem Auftritt hielt es viele Zuschauer nicht mehr auf den Kirchenbänken, und man drängte nach und nach durch den Mittelgang nach vorn, ohne daß es jedoch zu ärgerlichem Gedrängel und Geschubse gekommen wäre, das von Rockfestivals nur zu vertraut ist. Und wieder einmal bewiesen Corvus Corax, das sie ihren Titel „Die Könige der Spielleute“ zu Recht tragen, und entfachten mit ihrer Show ein Feuerwerk der Spielmannskunst, an dem sich andere Bands des Genres messen lassen müssen. Und auch für Corvus Corax galt, das der Rahmen, in dem der Auftritt stattfand, kaum besser hätte gewählt sein können, und wen die Musik und die über die Kirchenwände tanzenden Schatten der Musikanten an diesem Abend kaltgelassen haben, der dürfte blind und taub gewesen sein. Begeistert gefeiert von dem erfreulich buntgemischten Publikum, bot die Band einmal mehr ihre bewährte Kombination aus mittelalterlichen Klängen und perfekter Show und wurde erst nach zwei Zugaben vom Publikum in den wohlverdienten Feierabend entlassen.

Fazit zu diesem Festival: Eine überaus gelungene und gut organisierte Veranstaltung, und Elbenevents haben mit der Zusammenstellung der Bands ein überaus glückliches Händchen bewiesen, das Lust auf weitere Events dieser Veranstalter macht.

Fortsetzung folgt....

by Ancalagon