Mittelalterlich Spectaculum, Köln, 01.05.2005, Dortmund, 07.05.2005

Das erste Spectaculum in diesem Jahr und –  oh Wunder – die Sonne schien tatsächlich, und das nicht einmal zu knapp. Zum ersten Mal gastierte der Tross in Köln; und wie es schien, hatte sich diese Tatsache nicht besonders weiträumig in der Stadt verbreitet. Sonntag, Sonne, Familientag – und ein eher sparsam gefüllter Mittelaltermarkt? Gut, vielleicht hatte es ja einen Großteil der Kölner Bevölkerung zur Abkühlung an den Fühlinger See gezogen; ein Abstecher auf den Markt wäre aber problemlos möglich gewesen, immerhin erstreckte er sich auf dem weitläufigen Gelände an eben jenem See.

Um zahlreiche Stände erweitert zeigte sich der Markt im Vergleich zum Vorjahr an anderen Orten, darunter auch ein Buchbinderstand – da lacht das Herz des Bücherwurms!

Im Schatten ließ es sich recht angenehm aushalten; schade nur, dass die Fläche vor der Bühne in der prallen Sonne lag, und wer so schlau war wie die Verfasserin dieses Artikels und die Sonnencreme vergessen hatte, zog sich auf dem ersten Markt des Jahres auch gleich den ersten Sonnenbrand des Jahres zu.

Weder Cultus Ferox noch Saltatio Mortis zeigten sich allerdings sonderlich beeindruckt von der frühsommerlichen Wärme; energiegeladen und gutgelaunt präsentierten beide Combos den Zuschauern, die sich dann doch nach und nach vor der Bühne einfanden, mit mehreren Auftritten ihr Programm.

Der Nachmittag schritt fort, doch es wollte sich noch immer nicht so recht füllen auf dem Marktgelände – man kann es den Leuten wohl nie ganz recht machen: Regnet es, kommt keine rechte Marktstimmung auf, scheint die Sonne, hat man anderes zu tun als Handwerkern bei der Arbeit zuzuschauen oder Verkaufsstände zu inspizieren.

 

Kontrastprogramm pur dann eine Woche später in Dortmund im Fredenbaumpark – nicht etwa ein anderes Marktprogramm; nein, Petrus hatte sich zu einem anderen Wetterprogramm entschlossen. Die dunklen Wolken hatten schon den ganzen Tag über nichts Gutes verheißen, und wohl dem, dem es nur zehn Minuten nach Betreten des Geländes gelang, sich gerade noch unter das schützende Dach des Bierzeltes zu flüchten, bevor ein heftiges Gewitter mit Hagelschauer niederging.

„Dahinten wird es schon wieder heller …“ Die noch aus dem letzten Jahr so vertraute Beschwörung entlockte den Umsitzenden anfangs noch ein amüsiertes, später ein eher mitleidiges Schmunzeln. Zwar wurde es tatsächlich ab und an heller, eine wirkliche Besserung wollte aber dennoch nicht eintreten.

Tolstafanz ließen sich von den widrigen Bedingungen nicht beeindrucken, fast schien es, als legten sie sich besonders ins Zeug, um Regen und Wind hinweg zu musizieren. Cultus Ferox hatten an diesem Tag aber wohl den besseren Draht zu den Wettergöttern – bei immerhin zweien ihrer Auftritte entschloss sich der Himmel, seine Pforten kurzfristig zu schließen. Und für das wie stets mitreißende Programm der Berliner nimmt man dann auch gern in Kauf, wenn man knöcheltief im Schlamm versinkt. Eine wirkliche Freude war der Tag dann aber doch nicht, denn es war nicht nur nass, sondern auch kalt, sodass man sich nach nur knapp 2 ½ Stunden erleichtert ins trockene Auto zurückzog und inständig hoffte, dass nicht auch diese Marktsaison mehr als einmal ins Wasser fallen würde.

 

by Ancalagon