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Mittelalterlich Spectaculum Lich, 12. und 13. Juni 2004

  Samstag, 12.6.04

  Ich glaube, wir haben es mit unserer Meckerei über Petrus wirklich übertrieben – oder warum nur beschließt er, immer dann Schauer hernieder gehen zu lassen, wenn wir uns auf einen Mittelaltermarkt verfügen?

Oder liegt es am Ende doch an Cultus Ferox, die mit Hörnern und Trommeln die Regentiefs anziehen?

Zugegeben, zumindest ihre Hörner erinnern an jenes des Wikingers aus der Bernd-das-Brot-Casting-Show, und auch dieser Herr sorgt mit seinem Getute für einen kräftigen Guß …

  Wir hatten jedenfalls das Hotel in der beschaulichen, überwiegend aus Fachwerkhäusern bestehenden Altstadt von Lich gerade erreicht, als ein Wolkenbruch über die Stadt hereinbrach mit allem, was dazu gehört: Gewitter, Hagel, Sturm, und wir waren froh, gerade eben noch den Zimmerschlüssel ergattert zu haben und so dem Schlimmsten entrinnen zu können.

Heroisch wagten wir uns nach Abzug der dunkelsten Regenwolken auf das Marktgelände im Schloßpark (daß Schuhwerk und Beinkleidung binnen kürzester Zeit reif für eine umfassende Reinigung waren, versteht sich wohl von selbst); es handelte sich hierbei um ein ähnlich weitläufiges Gelände wie in Dortmund, doch hatte das Wetter fürs erste dafür gesorgt, daß die Besucher nur spärlich durch die Eingänge tröpfelten.

  Wie so oft ließen sich Cultus Ferox bei ihrem Auftritt die Stimmung nicht vom Wetter verderben; und wie so oft fand sich auch hier immer mehr interessiertes Volk ein, um den Klängen von „Andro“, „Tamfanae“ und Co. zu lauschen.

Diesmal waren die Herren aus Berlin ohne den Neuzugang Pan Peter angereist; auch Tänzerin Paulina fehlte, was wir sehr bedauerten, da die Gespräche mit ihr immer äußerst unterhaltsam sind.

  Das Ritterturnier begann, und – oh Wunder über Wunder – die Sonne zeigte sich und tat so, als habe sie den ganzen Tag über nichts anderes getan als einen Anflug von Sommerstimmung und so die richtige Atmosphäre für den anstehenden Kampf von Gut gegen Böse zu verbreiten.

Wie immer hatte der Bösewicht des Spektakels die schönste Kleidung und das schönste Pferd – bis zu dem Moment, als seine Gegenspielerin selbiges verhexte und er auf einem winzigen Mini-Pony in die Turnierbahn zurückkehrte. Das Tierchen hatte an seinem Auftritt offenbar viel Spaß und sorgte für einige Begeisterung unter den Zuschauern, als es Männchen machte und sich schließlich gemütlich auf den Hinterläufen niederließ.

  Wir nutzten die verführerische Nähe vom Marktgelände zur Altstadt Lichs zu einem ausführlichen Rundgang durch den Ort, der eine wahre Freude für die Freunde von Fachwerkbauten ist; netterweise spielte das Wetter weiter mit und sorgte so dafür, daß die Digicams kaum eine Pause hatten.

Nebenbei bemerkt: Ebenso verführerisch war die Nähe des Marktgeländes zum Hotel, blieben uns so doch zumindest an diesem Samstag einmal die ungeliebten Dixi-Klos erspart!

Wir sind wohl doch ur-deutsche Spießer, und so gönnten wir uns im Frankfurter Hof ein höchst rustikales Abendessen, bevor es uns erneut auf das Marktgelände zog, wo bereits der Pestumzug im Gange war.

  Und wie in Dortmund beim Nachtkonzert von Cultus Ferox war auch in Lich die erste Reihe vor der Bühne von überwiegend weiblichen Fans belagert; Fotografenkollege Klaus überließ mir auf Grund des schlechten Lichts schnell den mühsam ergatterten Platz an vorderster Front, doch auch ich hatte daran wenig Freude – nicht nur auf Grund der wahrlich trüben Lichtverhältnisse, die nicht unbedingt zum Fotografieren einluden. Schlimmer war da noch das penetrante Kreischen einiger weiblicher Wesen, die vom Anblick halbnackter Männer offenkundig in Zustände höchster Hysterie versetzt wurden. Und für das nächste Nachtkonzert weiß ich, daß ich tunlichst Ohrstöpsel einpacke – ein zusammengefriemeltes Taschentuch bietet nicht wirklich Schutz gegen solche Dezibelzahlen!

  Sonntag, 13.6.2004

  Das letzte Bier, das wir am vorangegangenen Abend vom Markt mitgenommen und dann doch verschmäht hatten, bot einen trostlosen Anblick, als wir uns übernächtigt aus den Federn erhoben; leichten Herzens entledigten wir uns der mittlerweile schalen Brühe (schade, es war schon eine Verschwendung …) und stärkten uns mit reichlich Kaffee für den anstehenden Tag.

Brandan, den wir im Frühstücksraum antrafen, machte gleichfalls noch einen etwas müden Eindruck und bemängelte das Fehlen von Brötchen – ein Zustand, dem jedoch bald abgeholfen wurde. Nach und nach trudelten weitere Bandmitglieder am Frühstückstisch ein, allein Steffano bereits in Bühnenkleidung, was einen kleinen Jungen zu der Bemerkung veranlaßte: „Der Mann da hat sich verkleidet!“

  Wir beschlossen, nach dem Frühstück zunächst einmal die Burg Münzenberg im benachbarten gleichnamigen Münzenberg zu besichtigen, die wir am Vortag von der Autobahn aus erspäht hatten. Ein durchaus lohnender Ausflug, handelt es sich doch um die mächtige Ruine einer ehemaligen Reichsministerialen-Burg, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

  An diesem Tag stellten Cultus Ferox dann auch ein weiteres Bandmitglied vor –Lucia, Steffanos kleine Tochter, die sich zwischen den wilden Männern auf der Bühne sichtlich wohl fühlte, selig in die Runde strahlte und bereits erstes Rhythmusgefühl bewies. Strahli und Donar konnte sie mit dem Tambourin zwar noch nicht übertönen, aber wer weiß … in ein paar Jahren …

Auch Tolstafanz spielten wieder auf, und wir hatten endlich einmal Gelegenheit, ihrer Darbietung ein wenig länger zu lauschen und festzustellen, daß ihre musikalische Mischung aus verschiedenen Kulturkreisen einen ganz eigenen Reiz birgt, der mit längerem Zuhören immer faszinierender wird. Fasziniert war denn wohl auch ein kleines Mädchen, das zu den Klängen der Formation wie ein Derwisch über die Wese fegte und den Eindruck machte, sich jeden Moment die Kleider vom Leib reißen zu wollen.

Bis zum abschließenden Tavernenspektakel blieben wir an diesem Tag zwar nicht; aber dieser Ausflug war der Beweis, daß Lich sich auch im kommenden Jahr wieder lohnen wird.

 

Ancalagon