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Mittelalterlich Spectaculum Dortmund, 20. und 21. Mai 2004

  Donnerstag, 20.5.04

  Ruhrgebiet und Mittelalter – das klingt erst einmal nach Begriffen, die nicht recht zusammenpassen wollen. Doch auch hier kann man auf historischen Spuren wandeln; allerdings führte unser Weg diesmal nicht zu Burgruinen oder Wasserschlössern, sondern zum Spectaculum im Fredenbaum-Park. Der große Revierpark, einst zur Erholung der arbeitenden Dortmunder Bevölkerung angelegt, bot eine außerordentlich ansprechende Kulisse für den Mittelaltermarkt – und das in unmittelbarer Nähe der Innenstadt im Dortmunder Norden gelegen. Ein weitläufiges, parkähnliches Gelände mit wunderschönem Baumbestand, das reichlich Platz bot für die zahlreichen Händler- und Handwerksstände, die sich zu buntem Markttreiben eingefunden hatten.

  Es war Himmelfahrt, und man gewann den Eindruck, daß ein großer Familienausflug im Gange war – überall hatten Groß und Klein sich auf Picknickdecken niedergelassen; Kinder und Hunde tobten über die Wiese; doch trotz der zahlreichen Besucher hatte man nicht das Gefühl, in drangvoller Enge gefangen zu sein.

Erfreulicherweise war das Wetter trocken und zumindest tagsüber angenehm temperiert, so daß die Gewandung die richtige Kleiderwahl für den Marktbesuch war.

  Zunächst fanden wir uns an der Bühne ein, wo uns Cultus Ferox-Tänzerin Paulina herzlich begrüßte. Die Berliner Truppe legte wenig später los; und amüsiert stellte ich fest, daß meine angereiste Verwandtschaft sich nur allzu leicht von dem Virus infizieren ließ, den die Band gern bei ihren Auftritten unters Volk bringt. Ebenso amüsiert bemerkten wir, daß die Berliner augenscheinlich über eine stetig wachsende Anzahl weiblicher Fans verfügt – ob es an der Musik oder doch eher an der sparsamen Bekleidung der Herren liegt, sei dahingestellt. Jedenfalls wurde der Platz in der ersten Reihe schon eine halbe Stunde vor dem nächsten Auftritt beharrlich verteidigt.

  Musikalisch zufriedengestellt, machten wir erst einmal die obligatorische Runde über das Marktgelände, inspizierten ausgiebig den Buchstand und amüsierten uns königlich über einige Knirpse, die mit großem Elan versuchten, einander mit Strohsäcken von einem Holzbalken zu hauen. Mit mehr oder minder großem Erfolg – die Schaffelle, die als „Sättel“ dienten und offenkundig rutschig waren, sorgten in Verbindung mit der Erdanziehungskraft dafür, daß der eine oder andere Kämpfer auch ohne Zutun des Gegners im Stroh landete.

Die buntgefiederten Feuervögel des gleichnamigen Stelzentheaters unterhielten das Volk ebenso wie die multikulturelle Formation Tolstafanz, die vor der Bühne zum Tanz der Markleute aufspielte. Und mit Einbruch der Dämmerung nahm das Traumspektakel seinen Lauf, mit großartiger Feuershow und hypnotischer Percussion ein wahres Fest für Augen und Ohren.

Finsterer dann schon die Stimmung beim Pestumzug über das Marktgelände, als Fackelschein immer wieder die bleichen Gesichter der Dahinsiechenden erhellte und dumpfes Stimmengemurmel eine düstere Atmosphäre erweckte.

  Zum Ausklang des Abends sollte es dann noch einmal wieder lebendiger werden – Cultus Ferox spielten zum letzten Mal an diesem Tag zum Nachtkonzert auf. Für diesen Anlaß hatten sie sogar das von der Clubtour vertraute Sudel-Make-Up aus Kunstblut und phantasievoller Bemalung angelegt und brachten die vor der Bühne versammelte Menge noch einmal so richtig zum Tanzen. Tänzerin Paulina spielte bei ihren Auftritten mit dem Feuer, und zum Ende des Konzerts erleuchtete ein Feuerwerk über der Bühne noch einmal den nächtlichen Dortmunder Himmel.

  Freitag, 21.5.04

  An diesem Tag öffnete der Markt erst um 16 Uhr seine Pforten zu einem abgespeckten Programm; so sollte es keinen Pestumzug und kein Traumspektakel geben – eine bei Markteröffnung noch etwas einsam wirkende Mittelalter-Band jedoch zog unverdrossen dudelnd und trommelnd über das Gelände, um letztendlich doch am Met-Stand zu landen.

Allmählich sollten wir uns allerdings doch einige Gedanken über eine andere Haarfarbe machen – direkt am Eingang wurden wir als Hexen identifiziert, die sich doch bitteschön auf die Suche nach Zauberkräutern machen sollten, um die dort Inhaftierten aus ihrer mißlichen Lage zu befreien. Leider sind rote Haare noch kein Garant für das Auffinden des richtigen Krauts; bleibt zu hoffen, daß sich eine der Hexerei womöglich mächtigere Dame als wir der armen Seelen erbarmt hat!

Als wir uns gerade entschieden hatten, eine Falafel-Tasche zu uns zu nehmen, zogen die roten Haare einmal mehr die Aufmerksamkeit auf sich. Und so kamen wir in den Genuß, die Ballade „Rotes Haar“ dargeboten zu bekommen – von einem fahrenden Barden (oder besser gesagt, gefahrenen Barden, denn er ließ sich von seinem Begleiter auf einem Leiterwagen über das Gelände kutschieren), sehr zur Erheiterung der Umstehenden. Und trotz gegenteiliger Vermutung hat es uns nicht den Appetit verdorben!

  Es herrschte eine angenehm gelassene Atmosphäre an diesem Nachmittag, das Wetter spielte einmal mehr mit, wenn es auch kühl war, und durch die Abwesenheit verschiedener Programmpunkte hatten wir umso mehr Zeit, die Marktstände in Augenschein zu nehmen. Zwischendrin fanden wir uns natürlich auch an der Bühne ein, wenn Cultus Ferox aufspielten, deren Nachmittagskonzerte man ebenso entspannt genießen konnte wie den gesamten Markt.

  Unentspannter wurde es hingegen zum Nachtkonzert – was allerdings nicht an der Band, sondern an einem kleinen Teil des Publikums lag. Nichts gegen Tanzen (wer bei diesen Klängen still stehen bleibt, ist selbst schuld), aber was übelstes Pogen auf einem Mittelaltermarkt zu suchen hat, entzog sich unserem Verständnis. Das möge dann doch bitte den Konzerthallen vorbehalten bleiben – an diesem Abend jedenfalls standen auch zahlreiche kleine Kinder vor der Bühne (ein Mittelaltermarkt ist eben auch immer noch eine Familienveranstaltung), und die können sich gegen einen alkoholisierten Mob leider nicht zur Wehr setzen! Glücklicherweise gab es aber einige couragierte Gewandete, die die Rabauken entschieden zur Ordnung riefen; ob es allerdings wirklich angekommen ist … man durfte es angesichts einiger verständnislos-dumpfer Mienen bezweifeln.

Wir zogen es letztendlich vor, den Rest des Konzerts aus einer gewissen Distanz zu verfolgen und so den Abend ebenso gelassen ausklingen zu lassen, wie der Nachmittag begonnen hatte.

  Ancalagon