Hexentanz Festival am Bostalsee – 29. und 30. April 2007

Bei für Ende April ungewohnt sommerlichem Wetter fand am Bostalsee ein zweitägiges Medieval-Goth-Rock-Festival statt, dessen Line-up sich wirklich sehen lassen konnte. Für den ersten Tag konnte Frank Schulz, der Veranstalter, Feuerschwanz, Cultus Ferox, Schelmish, Letzte Instanz und Tanzwut verpflichten. Am zweiten Tag durfte man sich auf Scream Silence, Spielbann, Cumulo Nimbus, Coppelius, Umbra et Imago und Oomph! freuen.

Auf dem Festgelände des Freizeitzentrums hatte man vor dem eigentlichen Festivalbereich auch einen Mittelaltermarkt mit Händlern, Handwerkern und Gauklern angelegt, auf dem auch für das leibliche Wohl der Besucher aufs Beste gesorgt wurde. Obwohl es auch eine Menge nichtmittelalterliche Gastronomie vor Ort gab, hatte man diese sehr schön am Rande des Marktes platziert. Für ein Festival eine durchaus gute Entscheidung, denn was Speis und Trank angeht, dürften sicher die Wünsche und Geschmäcker aller hungrigen Besucher befriedigt worden sein. Mir persönlich allemal lieber als in der Speisenauswahl auf Kartoffelspalten, Ritterspieße und Fladenbrote beschränkt zu sein.

Als ich am Sonntag gegen Mittag auf dem Festgelände eintraf, waren Tanzwut gerade beim Soundcheck. Wie ich erfahren konnte, hatte man nur dem Headliner die Möglichkeit gegeben, einen intensiven Check zu machen. Die Vorbands mussten sich dann mit relativ kurzen Checks vor dem eigentlichen Auftritt begnügen, was dazu führte, dass der Sound nicht wirklich perfekt war, stellenweise sogar einfach nur dröhnte. Fairerweise muss ich sagen, es ist nicht einfach, außer den üblichen Rockinstrumenten auch noch zig Dudelsäcke, Schalmeien und mittelalterliche Saiteninstrumente unter einen Hut zu bekommen. Dafür konnten die Bands aber durch glänzendes Entertainment die Soundprobleme wettmachen.

Gleich von Begin an brachten Feuerschwanz, die das Festival eröffneten, die Menge vor der Bühne in Stimmung. Mit ihren Liedern vom liederlichen Lebenswandel der Ritter, witzigen Anekdoten und tanzenden Miezen begeisterten sie die Fans und ernteten jede Menge Applaus und Lacher. Sogar zu einer Polonaise konnten sie die Fans in der gnadenlosen Nachmittagssonne bewegen. Dafür gab’s dann auch Met direkt vom Fass ins Maul und die Besucher erfuhren zudem noch, wer die wahren „Herren der Winde“ sind.

Nach der ersten Umbauphase des Tages standen dann die Mannen von Cultus Ferox auf der Bühne und sorgten mit druckvollem Dudelsackspiel und treibenden Trommeln dafür, dass die Fans auch weiterhin gut bei Stimmung blieben. Die bei Cultus Ferox bekannten Tanzeinlagen, die immer ein wahrer Hingucker sind, beschränkten sich aufgrund des doch relativ kurzen Zeitrahmens auf nur einen Song. Dafür bekam man aber wie immer einen wirbelnden Strahli und eine Menge geiler Tanzstücke geboten.

Nach einer weiteren Pause betraten die Schelme aus dem Rheinland die Bühne und ließen den Besuchern keine Zeit, sich zu erholen. Schelmish schlugen nun die Brücke zwischen den vorangegangenen, eher mittelalterlich orientierten Bands und den noch folgenden mehr rockorientierten. Mit einer Auswahl aus Stücken der aktuellen CD „Mente Capti“ und ein paar traditionellen sowie dem besonders bei weiblichen Fans immer gern gesehenen Strip von Luzi brachten sie die Menge ordentlich auf Touren. Viel Zeit für Anekdoten, für die Schelmish bekannt sind, blieb leider nicht, doch man konnte eine Premiere miterleben. Luzi das L, der sonst nur die Hüllen fallen lässt und selten mal singen darf, machte seine erste Liedansage, was Dextro ein verwundertes „Es kann sprechen“ entlockte.

Letzte Instanz, die vierte Band des Tages, war wohl diejenige, die am wenigsten auf der Bühne stand. Nicht dass man das jetzt falsch versteht, sie waren durchgehend auf der Bühne präsent, allerdings schwebten sie meist einige Zentimeter über ihr, wohl getreu dem Motto: Mute keinem Fan was zu, das du nicht auch selber tust. Springen war angesagt, aber auch Mitsingen, denn ein „Stimmlein“ kommt erst im Chor so richtig geil rüber. Gespielt wurden neben Liedern aus der neuen CD „Wir sind Gold“ unter anderem auch Klassiker wie „Rapunzel“. Obwohl die Temperatur jetzt auf dem Gelände in gemäßigtere Regionen wechselte, dürfte sie im Publikum vor der Bühne allmählich jene, die man tagsüber in der Sonne verspürte, überschritten haben.

Nach der letzten Pause des Tages erwarteten nun alle Tanzwut auf der Bühne. Meines Erachtens nicht nur, weil sie der Headliner waren, sondern auch, damit diese unsäglich nervende Marschmusik, die man währen des Umbaus hatte lautstark laufen lassen, endlich ein Ende findet. Hier muss ich mal erwähnen, dass die Musik in den Pausen meines Erachtens generell nicht der Bringer war. O. k., ich hab schon Festivals erlebt, da lief „Lied der Schlümpfe“ oder der „Biene Maja“-Song, aber dann doch wenigstens nur so laut, dass man die Pausen auch mal nutzen konnte, um sich mit anderen Besuchern zu unterhalten, ohne sich in eine ruhigere Ecke des Geländes verdrücken zu müssen. Nun aber ohne größere Abschweife zum letzten Gig des Tages.

Zunächst betrat Hatz die düstere, spärlich beleuchtete Bühne und zu sakralen Orgelklängen folgte der Rest der Truppe, um sogleich mit martialischem Auftreten und brachialem Sound die Fans zum Durchdrehen zu bringen. Der härteste Act des Tages stand auf dem Programm und endlich war es auch dunkel genug, um zusätzlich mit Lichteffekten ein stimmiges Ambiente zu erzeugen. Leuchtende Gitarren, ein Teufel mal in gleißendem Licht, mal aus düsteren Bereichen hervorspringend und über die Bühne wirbelnd und nicht zuletzt die leuchtenden Trumscheite sorgten für eine beeindruckende Show. Die Fans konnten zu „Schattenreiter“, „Lügner“ und natürlich auch zu „Der Wächter“, um nur einige Titel zu nennen, richtig abgehen und die vom Tage verbliebene Restenergie loswerden. Leider war der Sound auch bei Tanzwut, trotz des ausführlichen Checks vor Beginn des Festivals, auch zum Teil recht übersteuert und ging gelegentlich in ein regelrechtes Dröhnen über.

Obwohl der Sound an diesem Tag nicht wirklich perfekt war, es war ein gelungener Festivalauftakt und schließlich stand ein weiterer Tag bevor, auf den man sich freuen durfte.

Am zweiten Tag oblag es Scream Silence, die Festivalbesucher anzuheizen, und obwohl noch nicht so sehr viele Fans vor Ort waren – viele werden sich noch ein wenig vom Vortag erholt haben – gelang es den Jungs aus Berlin, die Anwesenden in Stimmung zu bringen. Auch die sehr angenehme und beeindruckend klare Stimme von Frontmann Hardy Fieting konnte man dank des im Vergleich zum Vortag wesentlich besseren Sounds richtig genießen.

Als Nächstes fanden sich Spielbann auf der Bühne ein und nach dem Eröffnungsstück bemerkte Fronmann Seb, dass es doch irgendwie richtiges Badewetter sei und dass man ja eigentlich mal in den Bostalsee hüpfen könne. Es fanden sich dann auch zwei Abkühlungswillige, die in voller Montur in den See sprangen und anschließend triefend nass vor der Bühne erschienen, um sich dann wieder halbwegs trocken zu feiern. Belohnt wurde diese Aktion dann mit Gratis-CDs, die Seb am Ende des Auftritts feierlich an die Wagemutigen übergab. Die Local Heroes heizten mit Mittelalterrock den Fans ordentlich ein und wurden ebenso ordentlich bejubelt.

Cumulo Nimbus, die Renaissance-Metaller aus Landsberg am Lech, sorgten mit gekonntem Flöten- und Violinenspiel zu harten Gitarrenriffs dafür, das sdie bislang schon hervorragende Stimmung nicht wieder absinken konnte, und auch hier kamen die Geschichten, die sie in ihren Texten erzählen, dank des besseren Sounds sehr gut verständlich rüber. Während des nachfolgenden Umbaus konnte man auf der Bühne des Mittelaltermarktes die Tänzerinnen von Mannstoll bei ihrer Darbietung von orientalischen Tänzen bewundern.

Als vierte Band standen Coppelius auf dem Programm. Wer glaubt, dass Klarinetten, Cello und Kontrabass nicht rocken können, wird von dieser Formation eines Besseren belehrt. Wohlgemerkt, die Herrschaften, die nun auf der Bühne standen, wurden nur von einem Schlagzeug taktvoll unterstützt. Stromgitarren Fehlanzeige. Aber was das Publikum hier auf die Ohren bekam, ist wohl mit nichts anderem vergleichbar, und auch die Bühnenshow ist wohl einzigartig. Menschen mit Frack und Zylinder drehen richtig ab, die Texte werden derart emotionsgeladen vorgetragen, dass man wirklich an die Koexistenz von Genie und Wahnsinn glauben kann. Wer schon einmal gesehen hat, wie jemand seine E-Gitarre quält, dem sei gesagt, dies geht auch mit Klarinette oder Kontrabass. Dazu noch eine gute Portion, zum Teil schwarzer, Humor und man kann sich einen Gig von Coppelius vorstellen. Nun ja, eigentlich kann man es nicht wirklich beschreiben, man muss es einfach selbst erleben.

Nach dem vorletzten Umbau des Tages heizten dann Umbra et Imago den Fans richtig ein. Eigentlich war es zu Begin der Show noch etwas zu hell für die Feuer- und Pyroeffekte, doch auch trotz dieses Mankos konnte Frontmann Mozart seinen Auftritt mit brennendem Schild und eindringlicher und düsterer Stimme beeindruckend in Szene setzen. „Gebt mir eure Energie, ich will eure Energie“, so sprach er über die Absperrung des Grabens gebeugt ins Publikum und das Publikum gab sie ihm. Provokant, sexgeladen, kein Blatt vors Maul nehmend brachten Umbra et Imago die Menge zum Kochen. „Lieber Gott, ..." und  „Hörst Du mein Rufen“, so hörte man es schallen und zu „Sweet Gwendoline“ konnte man eine Menge hochgehaltener Kameras sehen. Warum das wohl so war?

Durch die Vorbands aufgeheizt hieß es nach der letzten Umbauphase dann Augen, und natürlich auch die Ohren, auf. Oomph!, die Headliner holten zu später Stunde noch mal alles aus den Fans heraus. Es dauerte auch gar nicht lange, da nahm Dero sein erstes Bad in bzw. auf der Menge. Die Braunschweiger wurden ordentlich gefeiert und auch dass Dero sich mal in der Location vertan hatte, nahm ihm sicher niemand krumm. Schließlich war ja auch Ottweiler ursprünglich als Festivalstätte auserkoren und mit „Ottweiler, ihr seid geil“ durfte sich jeder der begeisterten Fans am Bostalsee durchaus angesprochen fühlen. In dieser doch recht kalten Walpurgisnacht brachte jedenfalls nicht nur „Fieber“ die Menge zum Kochen und wer der wahre Popstar ist, wurde dem Publikum auch mitgeteilt. Mit Oomph! fand das zweitägige Festival, an dem es im Großen und Ganzen so gut wie nichts auszusetzen gab, einen spitzenmäßigen Abschluss. Selbst das Manko mit dem Sound am ersten Tag haben die betroffenen Bands durch glänzendes Entertainment locker wettgemacht. Die Fans waren gut drauf und machten von der ersten Band an reichlich Stimmung.

 

 

<Ralph Halbleib>