Hexenkessel Festival in Frankenthal am 13.07.2007 mit Wolfenmond, Schelmish und Saltatio Mortis

Freitag der 13., gutes Wetter und ein Plätzchen vor dem schönen Frankenthaler Rathaus, dazu drei Bands, die mit mittelalterlichem und rockigem Musikprogramm ihre Aufwartung machten, was will man mehr?

In Frankenthal angekommen, wiesen die Klänge des schelmishen Soundchecks den Weg zum Festivalgelände, es ging also nicht der Nase, sondern dem Ohr nach, durch die Fußgängerzone zum Rathausplatz. Dort angekommen, sah man einige, überwiegend schwarz gekleidete Fans auf den Einlass warten, doch es war noch recht früh und die Pforten bzw. der Zaun blieb natürlich noch geschlossen. Allerdings hielt dies einen nicht mehr ganz so jungen Herrn, mit einer Einkaufstüte eines ortsansässigen Bäckers, nicht davon ab, den Zaun ein Stück weit zu öffnen.

Ich dachte zunächst, es handele sich um einen Mitarbeiter, doch als sich in der Lücke vor ihm ein Mann von der Security aufbaute, sollte mir mein erstes großes Schmunzeln der Abends vergönnt sein.

Der ältere Herr sprach: „Die ganze Stadt dröhnt schon, man kann ja gar net in Ruh´ Kaffee trinke, ich hol´ gleich die Polizei wenn des net uffhört.“ Der Securitymann blieb gelassen und bot dem Herren an, selbst die Polizei zu rufen, die ihm dann erklären könne, dass dies ein genehmigter Event sei, und verschloss danach den Zaun auch direkt wieder.

So ist das leider oft, die breite Masse zieht einem guten Rockkonzert oftmals ein Stadtfest vor, auf dem zig mehr oder weniger begabte Wochenendformationen irgendwelchen uralten Schlagerschmonz, zu dem man sich dann auch auf jeden Fall die Lampe zulöten kann bzw. auch muss, lautstark darbieten.

Umso erfreulicher, dass es Veranstalter gibt, die sich davon nicht abschrecken lassen und sich die Mühe machen, Kultur in all ihrer Vielfalt, und dazu gehört auch Mittelalterrock, an ungewöhnlichen Orten einem Publikum, das es zu würdigen weiß, zu präsentieren. 

Doch nun zum Konzert selbst.

Etwas später als angedacht, konnte man ab kurz nach 19 Uhr dann auf das Gelände und sich mit Speis und Trank versorgen und zu gedämpfter Musik auch die eine oder andere kleine Plauderei mit einigen Spielleuten führen, die sich locker unters Volk mischten.

Vielleicht lag es daran, dass es keinen wirklich abgeschirmten Backstage-Bereich gab, aber die Bands, die heute antreten sollten, das Volk zu rocken, gehören ohnehin zu der Gattung der fannahen Vertreter ihrer Zunft. Gesprächsthemen gab es ja auch genug, so stehen die Alben von Schelmish und Saltatio Mortis kurz vor ihrer Veröffentlichung und Wolfenmond hatten ihr neues Album „Sagas“, frisch aus dem Presswerk, mit im Gepäck.

Später kam man dann auch in den Genuss, etwas aus dem kommenden Saltatio-Mortis-Album „Aus der Asche“ zu hören und Schelmish gaben „Der Narr“ vom im Oktober erscheinenden Album „Wir werden sehen“ zum Besten.

Doch zunächst eröffneten Wolfenmond das Festival und brachten das Publikum mit isländischen Sagas und mittelalterlichen Weisen in Stimmung. Wolfenmond spielten ein rein akustisches Set, welches zwar verstärkt war, aber doch recht leise herüberkam im Vergleich zu den nachfolgenden Bands, sicher sehr zur Freude des Herren der in Ruhe Kaffee trinken wollte. Mir etwas unverständlich war nur, weswegen Christo de Marmedico, der Frontmann von Wolfenmond, sich auch diesmal viel Zeit nahm und relativ lange, einleitende Geschichten zu den einzelnen Stücken erzählte. Bei einem Clubkonzert oder auf einem Markt finde ich es schon passend und gut, doch bei einem Festival sollte die Musik im Vordergrund stehen, zumal der Auftritt ja auch wirklich einen relativ kurzen Zeitrahmen hatte.

Nach der ersten Umbaupause versammelten sich Schelmish auf der Bühne und rockten sofort los. Ohne in witzige Anekdoten zu verfallen, für die die Schelme ja an sich schon berühmt und auch berüchtigt sind, gab man ein Stück nach dem anderen zum Besten und bevorzugte diesmal, sehr zur Freude der Fans, die eindeutig rockigeren Varianten des recht breit gefächerten schelmishen Repertoires.

Einzig bei der „Rotta“ gab es die einleitende Geschichte von König Luigi zu vernehmen, aber auch diese in der Kurzform. Außer Luzis Strip bekamen die Fans aber noch eine weitere kuriose Darbietung zu sehen. Während „Caput Draconis“ betrat ein Mensch in Müllmannmontur mit einer Mülltonne die Bühne. Johannes, der Bassist, welcher sich nun eigenen Projekten widmen wird, wurde auf der Bühne von seinem Nachfolger entsorgt.

Danach gab Sideribus Illustris sein Debüt und dürfte sich auch gleich in die Herzen der Fans gebasst haben. Zu übersehen ist der Mann in Orange jedenfalls künftig sicher nicht.

Als Zugabe konnten dann die Fans noch zu „Ring of Fire“ ordentlich mitgrölen, zumal auch Alea von den Saltaten auf der Bühne mit einstimmte.

Nach einem weiteren flotten Umbau traten die Spielleute von Saltatio Mortis auf die Bühne und knüpften nahtlos rockig und kein bisschen leiser an das Set von Schelmish an. Zunächst jedenfalls. Ohne Unschweife zeigten die Saltaten ihr zweites Gesicht und gaben die Klassiker ihres Rockprogramms und auch ein wenig vom kommenden Album zu Gehör. Natürlich fanden auch beliebte Stücke, die man von den Marktauftritten von Saltatio Mortis kennt, ihren Platz im Set und beim „Palästinalied“ fanden sich die Schelme noch einmal auf der Bühne ein, um gemeinsam mit den Saltaten den Fans geballte Sackpfeifenpower zu bieten. Abgesehen vom Gesang konnte man weiterhin Alea, der vermehrt E-Gitarre spielt, auch am Didgeridoo bewundern. Mir persönlich gefällt es sehr gut, wenn sich Bands wie Schelmish und Saltatio Mortis, die man aus der Mittelalterszene kennt, keine Schranken setzen und sowohl in ihrem Musikstil als auch bei der Wahl der Instrumente weiterentwickeln.

Leider musste dann die Lautstärke auf 80 dB gesenkt werden; vermutlich hatten sich einige Kaffeetrinker beschwert und so wurden die letzten Stücke mit etwas beschnittenem Sound gespielt. Trotzdem, die Fans behielten ihren Spaß und ihre Begeisterung und waren sich einig, als sie mit 80 dB Lautstärke gemeinsam „Scheiß Schnittlauch“ und „Schweinskram“ brüllten.

Das Konzert endete dann mit einem hoffentlich 80 dB nicht überschreitenden Schuss aus den Lycopodiummörsern und danach versammelten sich die Musiker aller Bands noch an ihren Merchständen, um noch ein wenig mit den Fans zu plaudern und Autogramme zu geben.

Fazit: Auch wenn man den Sound runterregeln musste, tat dies dem Festival keinen Abbruch. Natürlich wirkte es im ersten Moment ungewöhnlich. Allerdings frage ich mich, wieso Stadtväter ihr O. K. für ein Festival geben, um im Nachhinein doch die Behörden loszuschicken und den Veranstalter zu maßregeln. Ein hoffentlich einmaliger Event für diese Stadt, die es wohl duldet, wenn weitgereiste Fans Stunden vor dem Konzert ihr Geld in Geschäften und Kneipen ausgeben, aber es an einem Freitagabend nicht mag, wenn es mal etwas laut zur Sache geht.

<Ralph Halbleib>