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Mittelalterlich Specatuculum zu Gelsenkirchen, 10. und 11. April 2004

 

Ostersamstag, 11. April

Eigentlich hatten wir uns unseren persönlichen Auftakt der neuen Marktsaison ein wenig freundlicher vorgestellt. Doch  Petrus fühlte sich an diesem Tag nicht geneigt, für gute Wetterbedingungen zu sorgen, was uns letztendlich davon abhielt, in unsere Gewandungen zu schlüpfen, und wir statt dessen auf gewöhnliche und regenfeste Kleidung zurückgriffen.

Zu einer Schlammschlacht à la Woodstock ist es auf dem Fogelvrei-Markt in Gelsenkirchen zum Glück nicht gekommen, doch der andauernde Regen hatte das Gelände bereits in einen weichen Morast verwandelt, so daß unser Schuhwerk nach kürzester Zeit von einer Schicht Schlamm bedeckt war – wodurch wir allerdings lernten, wie vorteilhaft ein Paar Trippen tatsächlich sein können. Sie passen zwar nicht recht zu einem neuzeitlichen Outfit, bewahren aber wirksam vor nassen und kalten Füßen, wie einer unser Begleiter anschaulich demonstrierte. Wir Frauen hingegen wirkten dem naßkalten Klima erst einmal mit einem Krug Bier entgegen.

Nachdem wir uns auf den zum Glück überdachten Bänken neben dem Bierstand niedergelassen hatten, durften wir uns allerdings von der aufmerksamen Marktpatrouille anhören, daß wir dem Regen dankbar sein sollten, da aufgrund der Feuchtigkeit die Scheiterhaufen sowieso nicht brennen und wir zumindest diesen Tag überleben würden (vielleicht sollten wir doch besser eine andere Haarfarbe wählen als offensichtlich sehr provozierendes Rot????).

Natürlich waren wir alle schon sehr neugierig darauf, Cultus Ferox endlich einmal auf einem mittelalterlichen Markt erleben zu dürfen, nachdem wir bereits einige Hallenkonzerte auf ihrer Tour gesehen hatten, und etwa gegen 14.00 Uhr war es endlich soweit.

Die ersten Eindrücke, die wir von den Musikern bekamen, als sie kurz zuvor den Einzug der Akteure während der Markteröffnung musikalisch begleitet hatten, hatten nicht getrogen: Cultus Ferox – an diesem Wochenende ebenfalls in wärmere Kleidung gehüllt und ohne weibliche Verstärkung – trotzten dem grauen Wetter und schafften es mit schier unerschöpflicher Energie, eine gute Stimmung zu verbreiten. Ihr erster Auftritt an diesem Tag war zunächst kein ungefährliches Unterfangen, da der Regen die Bühne in eine gefährlich glatte Fläche verwandelt hatte, auf der Steffano gleich zu Anfang beinahe ausgerutscht wäre.

Doch seiner Bitte an die Veranstaltungs-Leitung, dafür zu sorgen, für einen sicheren Untergrund zu sorgen, wurde direkt nachgekommen: Eine rasch auf die Bühne gestreute Fuhre Sand verlieh den Herren die nötige Standfestigkeit, so daß sie während ihrer weiteren Auftritte an diesem Tag ungehindert über die Bühne wirbeln konnten.

Im Laufe des Nachmittags zeigte Petrus entgegen aller Erwartungen dann doch noch Erbarmen und sorgte für trockenere Phasen, die noch mehr Besucher auf das Marktgelände lockten und uns dazu bewogen, eine größere Runde über den Markt zu drehen und die Stände näher in Augenschein zu nehmen, die sich den Besuchern bunt und abwechslungsreich darboten. Handwerker zeigten vor Ort ihr Können, der Dattelschlepper sorgte mit seinen orientalischen Süßwaren für ganz besondere Gaumenfreuden, und auch die anderen Stände mit wohlriechenden Kräutern und Gewürzen, den des Salzsieders, des Brotbäckers und viele andere mehr ließen die Besucher in längst vergangene Zeiten eintauchen. Auch für das leibliche Wohl wurde natürlich gesorgt, und das verlockende und vielseitige Angebot von Speis und Trank machte die Auswahl nicht immer leicht.

Gegen Abend begaben wir uns wieder vor die Bühne, auf der sich die Herren von Cultus Ferox für das Abendkonzert einfanden, das zwar länger dauerte als die Auftritte zuvor an diesem Tag, doch uns – wie immer – wieder viel zu kurz erschien. Doch das Wissen darum, daß es tags darauf weitergehen würde, tröstete uns, und so fiel es uns nicht allzu schwer, nach diesem Auftritt den Heimweg anzutreten. Zuvor allerdings lieferten wir im „Backstage“-Bereich noch brav die mitgebrachte Jägermeister-Spende ab, die insbesondere in den Taschen eines unserer Begleiter im Laufe des Tages zunehmend schwer wog.

  Ostersonntag, 12. April

  Hatte die Wettervorhersage für den Samstag verkündet, daß nördlich der Ruhr mit Schauern zu rechnen sei – und damit leider recht behalten –, klang sie für den Sonntag schon weitaus erfreulicher. Ja, selbst Sonnenschein sollte zu erwarten sein – von dem noch keine Spur zu sehen war, als wir gegen halb zwölf ein weiteres Mal im Revierpark Nienhausen eintrudelten. Doch die Entscheidung, an diesem Tag Gewandung anzulegen, sollten wir nicht bereuen, denn die Wolken verzogen sich im Laufe des Mittags und machten zunehmend blauem Himmel Platz. Und man kam sich ein wenig idiotisch vor, heißen Met zu schlürfen, während einem die Sonne das Haupt wärmte.

An diesem Tag durften Saltatio Mortis die Markteröffnung bestreiten, und mit zwei Bands sollte für reichliche musikalische Unterhaltung gesorgt sein.

Das gute Wetter lockte deutlich mehr Besucher als noch am Vortag auf den Markt, doch das weitläufige Gelände sorgte dafür, daß es nirgendwo zu drangvoller Enge kam und man auch an diesem Tag in aller Ruhe die verschiedenen Marktstände inspizieren konnte. Insbesondere die beiden Kräuterstände mit ihrem reichhaltigen Angebot zogen uns immer wieder magisch an und verlockten dazu, die heimische, von Kräutern besiedelte Küchenfensterbank mit weiteren Pflänzchen zu bereichern. Und auch die verführerischen Düfte aus den Flaschen der mit wohlriechenden Blüten versehenen Badesalze lockten uns mehr als einmal an den Stand des Salzsieders. Kein Wunder, daß später, kurz vor dem Verlassen des Markts, noch einige Einkäufe getätigt werden mußten!

Erfolgreich vermieden wir es, mit unserem Haupthaar ein zweites Mal das fragwürdige Interesse der Marktpatrouille zu wecken und zu trauriger Berühmtheit auf dem Scheiterhaufen zu gelangen – den Titel „Wolkenhexen“ zogen wir uns allerdings doch am Nachmittag noch zu, als einige Wolken sich erdreisteten, über das Marktgelände zu ziehen und wir als Urheberinnen derselben ausgemacht wurden.

Der Terminplan hatte uns verkündet, daß Cultus Ferox nur noch ein Konzert an diesem Nachmittag geben sollten; umso erfreuter waren wir, als die Berliner bereits mittags die Bühne betraten. Einige Musikantengesichter verhießen zwar, daß die Nacht wohl kurz gewesen war, doch das tat dem Elan der Truppe keinen Abbruch, die an diesem Tag nicht mehr mit glitschigen Bühnenbrettern zu kämpfen hatte und entsprechend wild agieren konnte. Steffanos Baby ertrug es mit stoischer Gelassenheit, von Brandan dem staunenden Publikum präsentiert zu werden, und ließ sich auch durch die einsetzenden Dudelsackklänge nicht aus der Fassung bringen – wahrscheinlich ist die Kleine es gewöhnt, wenn Papa zu Hause musiziert. Dieser Auftritt sollte denn auch nicht der einzige bleiben, und so kamen wir noch mehrfach in den Genuß der vertrauten Klänge von „Andro“, „Sarah“ und weiterer Highlights aus dem Repertoire der Band. Zwar hatten wir für die Truppe keine Jägermeister-Spende mehr in petto wie noch am Vortag, doch andere freundliche Mitbürger sorgten bereitwillig für das leibliche Wohl der Herren, so daß die Stimmung mit jedem Auftritt stieg, bis sie sich zum Tavernenspiel ein letztes Mal auf der Bühne einfanden.

Auch Saltatio Mortis traten bereits am Nachmittag mehrfach auf und sollten auch für die abendliche Unterhaltung sorgen, und gerade die musikalischen Darbietungen scheinen auf Märkten immer besonders viel interessiertes Volk anzuziehen – so auch bei ihnen.

Kindermund tut Wahrheit kund – diese Binsenweisheit bewahrheitete sich auch in Gelsenkirchen. Denn während sich die erwachsenen Zuschauer köstlich über die Anekdoten eines Gauklers amüsierten, kommentierte ein junger Besucher diese mit den lapidaren Worten: „Der verarscht sich doch selbst!“ Beeindruckend aber in jedem Fall die Jonglierkünste Bagatellis, und für besondere Heiterkeit sorgten die beiden Herren Nonnen, die schließlich unrühmlich im Käfig am Pranger landeten.

Gegen Abend wurde es dann doch wieder frisch, und wir beschlossen, nach dem Tavernenspiel den Markt zu verlassen, auch wenn wir uns so um die letzten Programmpunkte brachten. Aber es war ja nicht der letzte Markt in dieser Saison!

 

Elanor & Ancalagon