Festival der Spielleute

27.06.08 Schloss Burg, Solingen

 

Es fing alles so schön an: Eine wunderschöne Location, ein tolles Publikum und ein kleiner, aber feiner Mittelaltermarkt bildeten den Rahmen zum diesjährigen Festival der Spielleute.

Und dann das: POTENTIA ANIMI, als erste Band gesetzt, enttäuschte auf ganzer Linie.

Als Einzige ist die Schalmei (eher andeutungsweise) von den mittelalterlichen Instrumenten übrig geblieben, Dudelsäcke fehlen gänzlich.

Mittlerweile mutiert die Musik dieser Band immer mehr Richtung profaner Rock und wird von Lied zu Lied langweiliger.

Und wenn der Fiddler bei den wenigen Gesangseinsätzen nicht nur den Text vergisst, sondern auch noch keinen einzigen Ton richtig trifft, dann ist das nicht lustig, sondern peinlich.

Wo ist nur der Esprit, mit dem POTENTIA ANIMI noch vor ein paar Jahren das Publikum begeisterte?

Da können auch die schon „antiken“ Gassenhauer wie „Gaudete“ und „Domina“ keinen Hering mehr vom Teller ziehen.

Auch denke ich, dass die Bandphilosophie „Keusche Mönche“ so allmählich an ihre Grenzen stößt: entweder wieder humorvoller und wesentlich kreativer oder das Gesamtkonzept neu überdenken!

Das war ganz schwach – quo vadis POTENTIA ANIMI?

Und dann ging endlich auch musikalisch die Sonne auf:

RABENSCHREY LIVE!

Was diese „Jungs aus dem Bergischen“ so auf der Bühne zaubern, ist schlichtweg genial!

Nicht umsonst gehörten RABENSCHREY 2007 zu den erfolgreichsten Bands in diesem Genre.

Und dieses Mal hatten sie sogar ihr „Heimspiel“, denn auf Schloss Burg sind sie groß geworden und eroberten binnen einem Jahr die Republik.

Ob nun „Hey, wir sind Heiden“, „Hurenlied“ aus dem Album „DONNERHALL“, „Neue Heiden“, „Dreckstück“, „Ich wünsch es Dir“ und viele mehr von der Top-CD „NEUE HEIDEN“, das mittlerweile zum Kulthit avancierte „Templerschaf“ und einige Songs des chartbreaker-verdächtigen Neulings „AUF DEN FERSEN“ versetzten das Publikum in wahre Ekstase.

Sensationell: Das Publikum sang alle Texte, auch von der ganz neuen CD, inbrünstig mit.

Und fast niemand kann die Hörerschaft so genial animieren wie Frontmann Donar.

Texte mit Gänsehaut-Effekt, musikalisch erstklassig, menschlich super sympathisch und mit einer Frontstimme, die es so prägnant nirgendwo gibt.

Für RABENSCHREY sehe ich eine ganz große Zukunft!

Headliner des Abends war dann SALTATIO MORTIS.

Da ich die sympathischen Pfälzer nun schon ein halbes Dutzend Mal in diesem Jahr gesehen habe, gehe ich hier nicht näher ein.

Das Konzert der Band war wieder klasse, allerdings könnte Lasterbalg so langsam Abschied von seiner Geschichte „Auf dem Damenklo“ nehmen, das ist einmal witzig – aber nicht eine ganze Saison lang!

Trotz alledem: SALTATIO MORTIS waren wieder super und genauso wie RABENSCHREY immer eine Reise wert.

 

Charly Ochwat