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Fabula auf dem Indian Art Festival, Steinen (Westerwald), 12., 13. und 19.05.2006

 

Alle zwei Jahre verwandelt sich die Anhöhe über Steinen nahe der Westerwälder Seenplatte für zwei Wochen in ein großes Indianercamp mit Tipis, Stuntshows, Verkaufsständen, Kunstausstellung des Veranstalters und Künstlers Jens Röser – und natürlich mit Musik.

Blauer Himmel, eine leichte Brise und Sonnenschein verliehen dem Camp am Freitag, dem 12.05., eine einladende Atmosphäre, und mit dem richtigen Blickwinkel, der Autos und Strommasten ausblendete, mochte man sich angesichts der Zelte und grasenden Pferde für einige Augenblicke in eine andere Epoche und auf einen anderen Kontinent versetzen lassen.

Eine Reitergruppe probte für eine Vorführung am nächsten Tag, während im Festzelt die Musiker von Fabula ihrem ersten Auftritt in diesem Jahr mit Vorfreude, aber auch einer leichten Anspannung entgegenblickten.

Immerhin – es war ein gewisses Risiko, sich dem Publikum dieser Veranstaltung mit auch, aber eben nicht nur indianisch inspirierten Klängen, mit Dudelsäcken und Trommeln zu stellen; schließlich wusste man nicht, wie die Zuschauer auf diese ungewohnte Musik reagieren würden.

Doch jegliche Zweifel verflogen mit den ersten Tönen – die archaischen Rhythmen und mitreißenden Dudelsackmelodien schossen dem Publikum umgehend in Hände und Beine, und bereits der erste Auftritt von Briantanus, Asmon und Stevo eroberte die Herzen der Anwesenden im Sturm. Zelt und Bühne bebten unter tanzenden Füßen von Jung und Alt, mit Johlen und Pfiffen feuerten die Zuschauer die Musikanten zu Höchstleistungen an, die auf der schlichten, schmucklosen Bühne eindrucksvoll und scheinbar mühelos bewiesen, dass es eben nicht nur eine aufwändige Show ist, sondern letztendlich doch die Musik und ihre Energie, die begeistert.

Mehr und mehr von den Klängen angezogene Neugierige spähten ins Zelt hinein, erste Kameras wurden gezückt – und die gerade noch rechtzeitig aus dem Presswerk gekommene CD „Panta rhei“ erfreute sich nach diesem Debüt reißenden Absatzes.

Zwei weitere Auftritte sollten an diesem Abend noch folgen, und die Nachricht, dass es hier etwas Außergewöhnliches zu sehen und zu hören gäbe, hatte sich offenbar schnell herumgesprochen, denn zu späterer Stunde war das Zelt gut gefüllt mit Menschen, die ihrer Begeisterung lauthals Ausdruck verliehen – und wer nicht geglaubt hätte, dass man zu Dudelsackklängen einen erstklassigen Square Dance hinlegen kann, der wurde an diesem Abend eines Besseren belehrt.

Höhepunkt war zweifellos der Moment, als das überaus tanzbare „Taramarka“ in eine reine Percussionsequenz überging, bei der die Musiker mit ihren Trommeln wie Derwische durch das Publikum tobten und ihren Lebensvogel beschworen – pure Energie, die zwischen Band und Zuschauern förmlich knisterte.

Es war ein mehr als gelungener Einstieg für die neu formierten Fabula; so gelungen, dass Veranstalter Jens Röser sie kurzentschlossen auch für den folgenden Samstagabend für einen halbstündigen Auftritt mit ins Programm nahm. Da hatte sich der Ruf der Truppe offenbar schon herumgesprochen, eine ähnlich mitreißende Stimmung wie am Vorabend ließ Zuschauer und Band ausgelassen feiern.

Äußerst widrige Witterungsbedingungen herrschten eine Woche später; der Westerwald bewies, dass es nicht nur ein Mythos ist, dass der Wind auf seinen Anhöhen kalt pfeift. Mehr noch: Was da über die weitläufigen Höhen hinwegfegte, hatte schon eher Orkancharakter. So mussten leider alle nachmittäglichen Veranstaltungen an diesem Tag abgesagt werden, und zwischendrin kamen Zweifel auf, ob das Festzelt den Sturmböen auf Dauer standhalten würde.

Gegen Abend jedoch flaute der Sturm ab, man wurde sogar mit einem spektakulären Sonnenuntergang belohnt, der die Tipis in ein mystisches Licht tauchte.

Und auch Fabula mussten um ihre Auftritte nicht länger fürchten. Hatte es auch anfangs so ausgesehen, als würde die Veranstaltung an diesem Abend nicht so gut besucht sein wie in der vorangegangenen Woche, so füllte sich das Zelt letztendlich doch rasch – teilweise mit Zuschauern, die die Band noch nicht kannten, ihrer kraftvollen Intensität aber schnell erlegen waren; teilweise aber auch mit Leuten, die auch eine Woche vorher schon dagewesen waren und sich keineswegs die Gelegenheit entgehen lassen wollten, die Truppe noch ein weiteres Mal zu erleben.

Fazit für die Band nach diesem Abend: Fabula haben den Westerwald im Sturm erobert, und der nächste Auftritt in der Region wird nicht lange auf sich warten lassen, denn schon im Juni werden sie, und dann zu viert, ergänzt um Trommler Sabio, auf die zugigen Höhen zurückkehren.

Ein Lob auch an ein solch begeisterungsfähiges Publikum, das sich vollkommen unvoreingenommen auf die Musik einließ, ausgelassen feierte und eine Stimmung verbreitete, die sich manch anderer Veranstalter sicherlich wünschen würde.

 

Petra Lindner