Dark Mystery Music Nights Alsfeld 15.10.2004, Dortmund 31.10.2004, Brilon 20.11.2004

 

Ein ehrgeiziges Ziel hatte sich Gisbert Hiller, Veranstalter der Mittelalterlich Spectaculum-Märkte, für diesen Herbst gesetzt: eine ganze Festival-Reihe mit jeweils vier Bands in große Konzerthallen zu bringen. Das Line-Up bestand jeweils aus vier Bands; stets mit dabei Cultus Ferox, Saltatio Mortis und Corvus Corax, jeweils ergänzt um Faun oder Schandmaul oder Subway To Sally. Sieben Orte überwiegend im Norden und Westen Deutschlands waren Stationen für dieses neuartige Konzept, und den Auftakt machten die Dark Mystery Music Nights in der Hessenhalle in Alsfeld. Mit von der Partie waren an diesem Abend Faun, Saltatio Mortis, Cultus Ferox und Corvus Corax – die drei letztgenannten Bands waren bei allen sieben Terminen vertreten. Die Atmosphäre in Hallen, die bis zu 7.000 Zuschauer fassen, unterscheidet sich sehr von dem intimen, natürlichen Flair eines Mittelaltermarkts, und die Vorstellung mag bei dem einen oder anderen Skepsis hervorgerufen haben. Doch bereits der Auftakt in Alsfeld bewies, daß das mutige Konzept eine Zukunft haben kann. Der Eintrittpreis war mit 25 Euro im Vorverkauf für ein Festival mehr als moderat, bedenkt man, daß manch eine Band für ein Einzelkonzert Preise in solcher Höhe verlangt. Und mit den vertretenen Künstlern war das musikalische Spektrum breit gefächert. Ob Faun mit eher sanften Klängen, Saltatio Mortis als Vertreter der Rockfraktion oder Cultus Ferox und Corvus Corax mit brachialen Dudelsackattacken – wer lediglich aus Neugier gekommen war, erhielt einen interessanten Einblick in die Vielfältigkeit der aktuellen Mittelalter-Musikszene. Erfreulich auch der reibungslose Ablauf der Veranstaltung: Die Bands hielten sich an ihr vorgegebenes Zeitlimit, die Umbaupausen waren bemerkenswert kurz. Und mit vier Bands war gerade das rechte Maß getroffen, um das Publikum zu unterhalten und ihm nicht unnötiges Stehvermögen abzuverlangen oder den Headliner mit der undankbaren Aufgabe zu konfrontieren, vor einer sich allmählich leerenden Halle aufspielen zu müssen.

Ähnlich gelungen auch das Festival in Dortmund, bei dem statt Faun Schandmaul aufspielten. Die Westfalenhalle ließ dann allerdings wirklich ein wenig an Atmosphäre zu wünschen übrig, das Ambiente wirkte steril und eher für Messeveranstaltungen als für Mittelalterklänge geeignet. Sei’s drum, Bands und Publikum hatten ihren Spaß, und das sollte schließlich im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung stehen.

Richtig gelungen hingegen in Sachen Auftrittsort die Dark Mystery Nights in Brilon – wer den Weg ins Hochsauerland nicht gescheut hatte, wurde mit einer gigantischen Schützenhalle belohnt, die mit Fachwerkbalken und viel Holz für eine weitaus gemütlichere Umgebung sorgte. Als geradezu gigantisch erwies sich das, was andernorts auch als Fotograben bekannt ist; diverse Meter trennten Bühne und Publikum, ohne daß das allerdings der Stimmung abträglich gewesen wäre. Die Fotografen freute die Bewegunsfreiheit – und ebenso die Bands. So ließen es sich weder Corvus Corax noch Cultus Ferox oder Saltatio Mortis nehmen, die große Freifläche zu nutzen und ihre Plätze auf der Bühne zu verlassen. Auf den als Absperrungen dienenden Tischen wurde denn auch gedudelt und gehüpft, was das Zeug hielt, sehr zu Freude der Zuschauer insbesondere in den ersten Reihen.

Sollten die Dark Mystery Music Nights in 2005 eine Fortsetzung finden, so wäre Brilon sicherlich wieder eine gute Wahl – denn auch das Publikum dort versteht zu feiern!

Fazit: Der Mut hat sich gelohnt, Mittelalter kann durchaus auch im Winter in Konzerthallen stattfinden.

 

Ancalagon