Kohle wird in der Zeche in Bochum an der Prinz-Regent-Straße schon lange nicht mehr gefördert, statt dessen geben sich seit Jahrzehnten namhafte Bands der alternativen Musikszene hier ein Stelldichein, und es gibt wohl wenige Bands aus Wave, Gothic und Alternative, die nicht im Laufe ihrer Karriere einmal hier gespielt haben.

An diesem Abend hielt mit Corvus Corax auch das Mittelalter endlich einmal wieder Einzug in den altehrwürdigen Mauern, und die Berliner brachten mit ihrer krachenden Mixtur aus Schlagwerk und Dudelsäcken eben diese Mauern zum Wackeln.

Zum Glück traten Corvus Corax ohne Vorgruppe auf, so daß die zahlreich versammelten Fans gleich in den Genuß der acht Mann um Castus Rabensang kamen und sie bereits mit den ersten Klängen begeistert begrüßten. Nahezu fünfzehn Jahre Bandgeschichte haben die Kolkraben bereits auf dem Buckel, doch hat man den Eindruck, als würden sie mühelos auch die nächsten fünfzehn Jahre in Angriff nehmen können, um ihre eingeschworene Fangemeinde mit ihren Klängen zu erfreuen und sich nebenbei einen Haufen neuer Fans zu erspielen.

Perfekte Beherrschung der Instrumente und dank aufwendiger Bühnenkostüme und ausgefallener Instrumente auch ein visueller Hochgenuß, ein Eindruck, den Corvus Corax mit jedem ihrer Konzerte aufs Neue bestätigen. So auch in Bochum, und das buntgemischte Publikum aus Mittelalterfans, Gothics, Alt und Jung wußte die perfekt inszenierte Aufführung gebührend zu schätzen, und wer nicht im Laufe des Abends zu den Rhythmen mitwippte und tanzte, hatte sich vermutlich das überflüssige Oropax zu tief in die Ohren gestopft – entschuldigt seien lediglich Fotografen! Lediglich das Licht ließ bisweilen etwas zu wünschen übrig, doch tat dies dem Gesamteindruck keinerlei Abbruch.

Musikalisch gaben die gutgelaunten Raben eine bunte Mischung ihres umfangreichen Repertoires zum Besten, und ob „Seikilos“, „Mille Anni Passi Sunt“ oder eine der anderen zahlreichen Veröffentlichungen – an diesem Abend dürfte jeder Corvus Corax-Fan mal wieder auf seine Kosten gekommen sein und sich aufs Beste unterhalten gefühlt haben.

 

Ancalagon