Corvus Corax in der Kulturfabrik in Krefeld

Sie sind, wie es scheint, unermüdlich, die Kolkraben aus Berlin. Nach der ersten erfolgreichen Inszenierung des Meisterwerks „Cantus Buranus“ im Sommer in Berlin und neben Aufnahmen zu einem neuen Tanzwut-Album stand auch in diesem Jahr die traditionelle Dezember-Tournee von Corvus Corax an.

Auch in Krefeld machten Castus Rabensang und Co. Station, um für ihre Fans zum Tanz aufzuspielen. Durch das Ausscheiden von Meister Selbfried ist die Band auf ein Septett geschrumpft, und zunächst war die Lücke dort, wo er sonst immer seinen Platz innegehabt hatte, sehr offenkundig. Die übrigen Raben jedoch machten wie immer mit den ersten Tönen direkt Druck, und so war schließlich die entstandene Lücke nicht gar so schmerzlich, wie man hätte befürchten können. Erstaunlich aber, dass durch die Abwesenheit eines einzigen Dudelsacks die Percussion auf einmal umso deutlicher vernehmbar war – was dem Klangbild durchaus nicht abträglich war.

Die Musiker hatten ganz offenkundig ihren Spaß auf der Bühne, scherzten untereinander, und vor allem Teufel gab sich besonders ausgelassen, während Castus einmal mehr erfolgreich den kleinsten Dudelsack der Welt bändigte – auch wenn dieser erbitterten Widerstand leistete. Vor allem die ersten Reihen ließen sich von der guten Laune auf der Bühne anstecken – leider aber schwappte diese Stimmung wohl nicht gänzlich auf das gesamte Publikum über. Ein Problem einer Region, die durch ein übergroßes Angebot an Veranstaltungen und Konzerten einfach übersättigt ist? Oder lag es tatsächlich an einer Pause im Konzert, wie später einige Besucher monierten? Nun gut, was dem einen gerade recht ist, um noch ein Getränk zu organisieren, mag dem anderen tatsächlich wie eine Stimmungsbremse vorkommen. Mich persönlich hat es jedenfalls nicht gestört, dass es diese Pause gab; schließlich machen andere Bands es ähnlich, und bei den Konzerten von Corvus Corax z. B. auf dem Wäscherschloss gehört eine Pause quasi mit zum Programm.

Nichtsdestotrotz – Corvus Corax gehören unbestritten zu den Meistern des Fachs, und für mich war dieses Konzert ein gelungenes Highlight zum Jahresende hin.

 

Ancalagon