Das Kasino verdunkelt sich, „Bastille“ – Butler, Conferencier,
Vokalist und Gelegenheitsschlagzeuger von „Coppelius“ – betritt mit
einer kleinen Laterne die Bühne, entzündet Kerzen und schaut, ob alles
für den Auftritt ordentlich hergerichtet ist. Als zweites erscheint “Nobusama”,
dem Bastille, wie es sich gehört, erst einmal den Gehrock abnimmt, bevor
dieser hinter dem Schlagzeug seinen Platz einnimmt.
Schnell wird noch ein Tuch auf „Graf Lindorfs” Stuhl gelegt und
dann hat sich auch schon der Rest der Herren unter frenetischem Applaus
auf der Bühne eingefunden: „Max Copella“ sowie „Comte Caspar” an
den Klarinetten und „Sissy Voss” am Kontrabass.
Wer nun denkt, es würde jetzt ein Klassikkonzert stattfinden, der wird
sehr schnell eines Besseren belehrt. Hier wurde gerockt vom Feinsten. Zwei
volle Stunden bestes Entertainment ließen keine Zeit zum Luftholen, weder
dem Publikum noch den Künstlern, die aufgrund ausdauernder „Da capo”-Rufe
der Audience etliche Zugaben ablieferten.
„Coppelius” präsentierten ihr neues Album „Time Zeit” und
hatten selbstverständlich auch ihre früheren Werke im Gepäck. Auf
genial verrückte Art verstanden es die Herren, das Publikum mitzureißen.
Springen und Headbangen überließen „Coppelius” nicht ausschließlich
den Gästen, nein, sie machen es eindrucksvoll vor. Wenn „Bastille”
spricht: „Sie sind aufgefordert, mit mir ein wenig Ihr Haupthaar zu
schütteln”, dürften nur wirklich trainierte Mosher eine Chance haben,
mit ihm mitzuhalten.
Selbstverständlich hat ein Butler immer das Wohl der Herrschaft im
Kopf und so wurde auch mal mitten im Stück das Cello abgestaubt oder
einem Musiker ein Tässchen Tee (oder was auch immer sich in der Tasse
befand) gereicht.
So nahm auch „Nobusama” während seines Trommelsolos diese kleine
Stärkung zu sich und ließ sich ein wenig die Stirn trocken tupfen. Klar,
dass dafür das Solo nicht unterbrochen wurde, schließlich hat er ja noch
Füße, um mit seinen Double-Bass-Attacken fortzufahren.
Auch wenn einer der Herren ein Bad in der Menge nehmen mochte, bot „Bastille“
seine Schultern, um diesen sicher durchs Publikum zu bringen und zu
gewährleisten, dass der Getragene auch ohne Probleme weiter musizieren
konnte.
Doch bei allem Lob für die Band möchte ich die Fans nicht vergessen,
welche wirklich alles gaben, die Texte wirklich gut kannten und von Anfang
bis Ende begeistert mitgingen. Besonders eindrucksvoll empfand ich es, als
zu „1916” zahllose Kerzen vom Publikum entzündet wurden. Ein wirklich
schöner Anblick und zu diesem Lied mehr als passend.
Vorgetragen wurden unter anderem: Time-Zeit, Urinstinkt, Operation,
Olimpia und But vom Album „Time Zeit“ sowie Morgenstimmung,
To my Creator, 1916 und Two Blind Eyes aus den vorangegangenen
Cds. Zu erwähnen wäre noch, dass die Coppelianische Version von „Iron
Maidens” Running free dem Original in nichts nachsteht, dass die
Herren sich kaum eine Viertelstunde nach dem Konzert in der Lobby
einfanden, um Autogramme zu geben und mit den Fans zu plaudern, der Sound
hervorragend war und der Spaßfaktor gigantisch.
Fazit: Coppelius live? Unbedingt und immer wieder!
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Mehr zu Coppelius findet man auf www.coppelius-band.de
<Ralph Halbleib>