Burgfolk 16.08.2008 Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr

Wieder einmal öffneten sich die Pforten der ältesten erhaltenen Burganlage aus spätkarolingischer Zeit nördlich der Alpen, um den angereisten Bands und Fans eine großartige Kulisse für Spaß am Feiern und reichhaltigen Musikgenuss zu bieten.

Burgfolk, ein Synonym für ein Festival, welches sich durch Vielfalt in der Auswahl unterschiedlicher Stilrichtungen des Genres Folk & Rock, sehr gute Organisation und zivile Preise für Eintritt und Verpflegung vor Ort auszeichnet.

Dies gelingt bei Weitem nicht jedem Veranstalter so gut, dass es immer wieder Freude macht, diesen Event zu besuchen. Traditionell gibt man auch alljährlich jungen, aufstrebenden Bands bzw. Newcomer in der Szene die Möglichkeit, das Festival zu eröffnen, und dass Michael Bohnes ein glückliches Händchen bei der Auswahl dieser Bands hat, zeigt sich schon alleine dadurch, dass sich bereits zu früher Stunde eine Menge Fans vor der Bühne versammeln, um die oft doch weniger bekannten Bands ordentlich zu bejubeln.

In diesem Jahr eröffneten „Nachtgeschrei“ das Festival und hatten dabei keine große Mühe, das feierwillige Publikum mit modernem Mittelalterrock in Stimmung zu bringen. Die Frankfurter hatten ihr Debütalbum „Hoffnungsschimmer“ im Gepäck und spielten auch ein Stück aus dem kommenden Album mit dem Titel „Windfahrt“. Bevor die sieben zu einem weiteren Gig Richtung Osnabrück aufbrachen, standen sie trotzdem für die Fans am Merchstand für Autogramme und kurze Gespräche zur Verfügung. 

Nach kurzer Umbauphase, beglückten „Galahad“ mit ihrer Musik die Fans. Die Formation wurde 2007 mit dem deutschen Rock und Pop Preis in der Kategorie „Beste Folkrockband 2007“ ausgezeichnet und sorgten mit Liedern um Mythen und längst vergangene Zeiten dafür, dass auch die mittelalterliche Komponente beim Burgfolk nicht fehlte, obwohl sich in diesem Jahr keine reine Folk- oder Mittelalterformation auf der Bühne einfand.
Crossover hieß das Motto und mir gefiel es ausgezeichnet. Schließlich gibt es genug Mittelaltermärkte, um Sackpfeifen und mittelalterlichen Saitenklängen lauschen zu können, und pure acoustic Irish Folk genießt man doch eher in einem kleinen gemütlichen Pub.

Nach Galahad betraten die ersten ausländischen Gäste die Bühne. „Puke“ reisten aus dem fernen Austria an und ließen ihren irisch-schottischen Rock in den Burgmauern erklingen. In der Tat, Puke hatten die weiteste Anreise, aber wer sich eben vielleicht verlesen hat, sie kommen aus Österreich und nicht etwa aus Australien. Die vier Mannen im Rock und die Schlagzeugerin, welche als einzige eine Hose trug, was jetzt aber rein informativ gemeint ist, hatten sichtlich Spaß auf dieser Bühne weit nördlich der Alpen, und das Publikum mit ihnen.

Etwas näher hatten es „Clanrock“ aus Luxemburg, dafür gestaltete sich ihr Auftritt aber etwas martialischer als bei den vorangegangenen Formationen. Mit eigenwilligen Masken und Kutten und reichlich elektronischem Instrumentarium bestückt, gab´s wirklich guten Folkmetal auf die Ohren. Seltsam anzusehen war der elektronische Dudelsack schon, aber einen richtigen Vorteil gegenüber einem echten Dudelsack hat dieses Instrument auf jeden Fall, es verstimmt sich nicht so leicht und mangels Bordun kann man sich bedenkenlos umdrehen, ohne selbiges einem Musikerkollegen gegen den Kopf zu donnern. 
Alles in allem ging mit Clanrock richtig die Post ab, bevor als Nächstes Heavenly Voices auf dem Programm standen.

Moderator Donar von Rabenschrey, der natürlich auch die vorangegangenen Bands schon ankündigte, ließ verlauten, dass nun Faun und Omnia erscheinen würden. Ein Umstand, welcher allein dem Mut von Veranstalter Michael Bohnes zuzuschreiben ist. Denn kein anderer Veranstalter traute sich dieses Jahr, diese Formation, die ohne vorheriges Proben so nun zusammen aufspielten sollte, zu buchen, wie Oliver von Faun später den Besuchern erklärte.
Tja, ich kann nur sagen: Pech für die Veranstalter, deren Mut dafür nicht ausreichte.

Paganfolk at its best. Die Topbands der Szene zusammen auf einer Bühne, zehn Menschen, die durch ihre Musik in ihren Bann ziehen und derart mitreißen, dass man es nur schwer beschreiben kann. Viel zu kurz erschien die Zeit mit dem holländisch-deutschen Ensemble, aber die beliebtesten Stücke dieser beiden Bands fanden ihren Platz auf der Setliste und die Fans dankten es mit ordentlich Jubel und Beifall. „Wind und Geige“ von Faun und „Etrezomp-ni Kelted“ von Omnia kommen richtig gut, wenn zwei Bands sich so harmonisch ergänzen wie diese beiden.

Als Nächstes stand Irish Independent Speedfolk auf dem Programm. „Fiddlers Green“, die deutsche Institution in diesem Genre, hatten keine Mühe, die Fans auf Trab zu halten. Getreu dem Motto „Halts Maul und tanz“, was natürlich das Einstimmen auf die Texte nicht einschließt, bewiesen die Franken einmal mehr „Folk´s not Dead“. Da mussten die Fans auch schon mal aus dem Sitzen aufspringen, um es Sänger Albi, den es eigentlich kaum mal mit beiden Füßen auf der Bühne hielt, gleichzutun. Hammer-Partystimmung ging durch den Burghof und irgendwie schienen die Besucher nicht müde zu werden.

Nach der letzten Umbaupause zeigte sich auch recht schnell, dass das Publikum sich genug Kraft und Feierlaune bewahrt hatte. Saltatio Mortis wurden stürmisch begrüßt und legten ohne Umschweife mit ihrem Rockprogramm los. Gespickt mit einleitenden Anekdoten zu einzelnen Stücken, ließen die Mittelalterrocker kaum Zeit zum Verschnaufen, und wer wollte das auch schon. Neben Titeln des aktuellen Albums „Aus der Asche“ hatten die Saltaten auch Klassiker wie „Equinox“ und „Dunkler Engel“ im Gepäck und, wie nun jeder weiß, ist „Mümmelstein“ wohl selbiger. Einige weibliche Fans mag dies freuen, doch ich stellte mir bislang jemand anderes unter besagtem dunklem Engel vor, aber das gehört jetzt nicht hierher. Den Abschluss dieses tollen Festivaltages machte die Ballade „Nichts bleibt mehr“ und gelungener hätte man das diesjährige Burgfolk nicht beenden können.

Was bleibt mir noch? 

Folgendes zu sagen:
Wieder ein mal ein klasse Burgfolk Festival!

Folgendes zu wünschen:
Wieder tolle und interessante Bands beim nächsten Burgfolk am 22.08.2009 


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Website des Veranstalters


<Ralph Halbleib>