Hm … diese Gestalten kenne ich doch irgendwo her? Ach richtig, ich bin ja mal wieder auf einem Schelmish-Konzert. Zwei Tage nach Bochum nun also in Köln, um genau zu sein, im Kulturbunker Mülheim. Immerhin, mein beklagenswert schlechter Orientierungssinn hatte mich einmal nicht im Stich gelassen, und ich hatte ausnahmsweise den direkten Weg zum Veranstaltungsort gefunden, und das, obwohl Autofahren in Köln und meine Wenigkeit eigentlich Begriffe sind, die sich überhaupt nicht miteinander vertragen. Allerdings war die mit dem besagten mangelhaften Orientierungssinn gestrafte Autorin dieses Beitrags doch mehr als dankbar dafür, daß der Weg zum Schelmish-Konzert im zweiten Stock des Kulturbunkers umfassend beschildert war … wer weiß, wo ich sonst in diesem Bunker gelandet wäre.

Deutlich weniger Leute als im Bochumer Zwischenfall, so jedenfalls mein Eindruck, hatten sich an diesem Abend eingefunden – wie mir versichert wurde, sei das normal für Köln … warum auch immer.

„Danke, daß ihr so zahlreich vereinzelt erschienen seid“, begrüßte ein gutgelaunter Dextro die Anwesenden – immerhin aber waren es dann aber wohl doch einige mehr als beim legendären Auftritt im MTC, als sich gerade mal ungefähr 20 Leute blicken ließen.

Eine Vorgruppe gab’s diesmal auch – das Duo Imbellicus Animo, dem einen oder anderen sicherlich von diversen Mittelaltermärkten im Rheinland bekannt, verkürzte die Wartezeit auf Schelmish. Und welch eine Wohltat – endlich einmal eine Vorgruppe, die musikalisch zum Hauptact paßte und nicht ein derber stilistischer Mißgriff war.

Gegen viertel nach neun kamen dann die Schelmen auf die Bühne, und im Grunde könnte ich jetzt die Zeilen aus dem Bericht über Bochum hier reinkopieren und mich langatmig wiederholen. Aber lassen wir das. Es war mal wieder Partystimmung angesagt, die rasch auf die anwesenden Gäste übergriff, auch und vor allem auf jene, die aus reiner Neugier gekommen waren und die Band vorher nicht kannten, und neben den gelungenen Tanzeinlagen der „Morgenröte“ gab es diesmal einen weiteren besonderen Leckerbissen – Luzi, der sich als Stripper versuchte, um dem geneigten Publikum anschaulich vorzuführen, welcher Art nun die tuntigen Pluderhosen gewesen sein mögen, die man am Hofe von König – mein Gott, wie hieß er noch gleich? Ach egal, irgend so ein oller König halt – getragen hatte. Ob das allerdings wirklich solche grellfarbigen Plüsch-Bumper waren, wie unter Luzis Rock zum Vorschein kamen, sei mal dahingestellt, das mögen die Historiker vielleicht bei Gelegenheit recherchieren. Nicht fehlen durfte natürlich eine weitere Tanzeinlage, als Rimsbold Luzi gekonnt und voller Elan übers Parkett schwenkte, ebenso wenig wie Amsels lebhafte Mimik, mit der sie Dextros Ansagen begleitete.

Und ja, sie taten mir den Gefallen und spielten als Zugabe wieder ihr Rap-Stück, das auch hier auf großen Anklang stieß. Und ich frage mich allmählich ein wenig beklommen, ob tief in meinem Inneren nicht doch ein winzig kleiner Rapfan schlummert … egal, zumindest, wenn die Schelmen rappen, darf er sich gern mal blicken lassen (solange ich nicht irgendwann johlend auf einem Eminem-Konzert stehe, muß ich mir wohl noch keine Sorgen machen).

Und wieder einmal – über zwei Stunden beste Unterhaltung, und man bekommt eine Vorstellung davon, wie das Volk im Mittelalter wohl gefeiert haben mag, wenn so eine Schelmentruppe in die Stadt eingefallen ist und getrommelt und gedudelt hat, daß der Obrigkeit Hören und Sehen vergangen ist.

 

by Ancalagon