Sind wir spontan? Ja, ich denke schon – anders ist es wohl kaum zu erklären, daß wir uns kurzentschlossen gen Frankfurt aufmachten, um Cultus Ferox ein weiteres Mal live zu erleben (oder war es doch wieder nur der CF-Virus, der unser Tun bestimmte?). Cultus Ferox-Managerin Frau Roy bestätigte uns kurz vor dem Aufbruch per Handy noch, daß alles klargehen würde und die Truppe über unser Kommen Bescheid wüßte (danke für die Bemühungen!), und so brachen wir guter Stimmung gen Süden auf.

Nachdem wir dem Straßenverlauf sehr lange gefolgt waren, wie unsere Navigations-Tante uns mehrfach freundlich beschied, dirigierte uns diese Dame auch noch über das letzte Stück hinweg zu der für Auswärtige nicht ganz so einfach zu findenden Batschkapp – eine Halle, die ich nach dem hoffnungslos überfüllten In Extremo-Konzert anno 1999 eigentlich nie wieder hatte betreten wollen. Aber was interessieren mich die blöden Reden von gestern!

Vor dem Eingang trafen wir auf Briantanus, der sich sichtlich angetan vom bisherigen Verlauf der Tour mit Umbra Et Imago zeigte und uns postwendend in den Backstage-Bereich lotste. Freudige Begrüßung mit Paulina, Donar, Brandan und Asmon, bevor es dann direkt weiter in die Halle ging, während sich Brandan um Fotopässe für uns kümmerte.

„Schön, daß ihr da seid“, begrüßte uns auch Steffano, und dann durften wir einmal mehr dem Soundcheck beiwohnen und diesen fotografisch dokumentieren.

„Ich liebe dieses ganze Drumherum und das Musikerleben – macht doch mal was anderes als immer nur Konzertfotos“ – dieser Aufforderung Brandans kamen wir natürlich gern nach und füllten bereits lange vor Konzertbeginn die ersten Speicher-Sticks!

Die ersten Lichteffekte, die während des Soundchecks zum Einsatz kamen, weckten die Hoffnung, daß an diesem Abend die Lichtverhältnisse fürs Fotografieren optimal sein könnten – mit leichter Skepsis hingegen betrachteten wir den Bühnennebel, der immer wieder versuchsweise über die Bühne geblasen wurde (die Befürchtung, er könne an diesem Abend so reichlich zum Einsatz kommen wie im Februar in Duisburg, erwies sich zum Glück als grundlos).

„Das wird heute eine ziemlich schwarze Veranstaltung“, merkte Fotografenkollege Klaus an, und seine Worte sollten sich bewahrheiten, als gegen 20 Uhr der Einlaß begann und sich die Batschkapp allmählich mit überwiegend schwarzgewandeten Gestalten füllte. Ach ja, richtig, die Leute kamen ja eigentlich wegen Umbra Et Imago …

Und wenn ich das nächste Mal zum Arzt gehe, werde ich mich röntgen lassen, um rauszufinden, ob in meinem Inneren ein Magnet steckt, der immer die obskursten Gestalten in meine Nähe zieht … ich bin jetzt bestens im Bilde über Sportschuhwerk zu DDR-Zeiten und die Anzahl von Knöllchen, die der Kumpel vom Kumpel von Ich-weiß-nicht-wem bereits gesammelt hat; und diese Herrschaften suchten auch hektisch auf dem Boden nach ihrem besten Stück (ob Handy oder etwas anderes sei dahingestellt) – dabei war mir lediglich mein Feuerzeug runtergefallen.

Um 21 Uhr wurde es dunkel, es kam der Bühnennebel, es kam das Intro, und dann kamen Cultus Ferox.

Nur eine Vorgruppe? Mitnichten! Vom ersten Ton an vibrierte die Energie, Strahli und Donar animierten das Publikum direkt zum Mitmachen, und als Dudelsäcke und Schlagwerk gewaltig einsetzten, sprang der Funke über, und das nicht nur auf die Cultus-Fans hinter uns, die nach dem Auftritt heiser gewesen sein müssen.

Es war logischerweise nur ein abgespecktes Programm, das die Berliner zum Besten geben konnten, doch das tat ihrer Begeisterung und Spielfreude keinen Abbruch. Mitreißende Klänge, launiger Talk von Steffano und Brandan und strahlende Musikergesichter, die verhießen, wie viel Spaß die Truppe an ihrem Auftritt hatte – an diesem Abend stimmte erneut alles im Hause Cultus Ferox, in dem einmal mehr Professionalität auf atemberaubende Dynamik traf. Ich bin mir nicht sicher, ob einige der Leute in der ersten Reihe die Band zuvor kannten; falls nicht, so haben Cultus Ferox in Frankfurt neue Fans gefunden, die ihrer Begeisterung lautstark Ausdruck verliehen.

Die ruhigen Klänge wie „Wolfsballade“ blieben diesmal außen vor, wohl auch, weil Tänzerin und Sängerin Claudia auf Grund einer Verletzung nicht mit von der Partie sein konnte (an dieser Stelle gute Besserung an sie!). Paulina hatte sich aber für die Einlagen bei „Andro“ und „Sarah“ Verstärkung geholt, und so kam auch das Frankfurter Publikum in den Genuß der ausgefeilten Tanzchoreographie, neben der manch andere Darbietung recht uninspiriert und dilettantisch wirkt und die mittlerweile ebenso zum Markenzeichen und besonderen Augenschmaus bei Cultus Ferox geworden ist wie die schicken Bühnenoutfits der Musikanten.

Warum bei Steffanos Ankündigung, Briantanus werde nun sein langes, hartes Rohr präsentieren, vor allem die Herren schrieen, wird aber wohl ein Geheimnis bleiben (wir waren doch gar nicht in Köln …).

Es war mal wieder schön, und es war mal wieder viel zu kurz (aber das wäre es auch beim vollständigen Set gewesen), und diesmal konnten wir Fotografen uns hochzufrieden mit den Lichtverhältnissen zeigen, denn die waren in der Batschkapp wirklich vom Feinsten.

An dieser Stelle auch ein Gruß an Max, den Sänger von Chamber, und danke für die nette Unterhaltung!

Ach ja … Umbra Et Imago spielten an diesem Abend natürlich auch noch … und nein, Kollege Bombadil ist nicht von der Bild-Zeitung!

 

Ancalagon