DER ZAUBERWALD VON BROCÉLIANDE (Paimpont/Bretagne)

 

Der Wald von Paimpont, der sich im Land der Legenden befindet, ist ein letzter Rest des sagenumwobenen Waldgebietes „Broceliande“, in dem die Geschichten vom Zauberer Merlin und der Fee Viviane spielen. Die Bretonen neigen zum Spintisieren und lieben übernatürliche Erscheinungen und das Phantastische, was die Vielfalt und das Fortdauern der Legenden im „Land am Meer“ (bret. Amor) erklärt.

Der namentliche Ursprung Brocéliande, auch Brécilien, kommt wahrscheinlich von „Barc’h Hé lan“, was das Reich der Druiden bedeutet.

Noch in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung erstreckte er sich über rund 140 km und bedeckte einen beachtlichen Teil der inneren Bretagne, bis hin zum Wald von Huelgoat, der von Wasserläufen durchschnitten und mit enormen Granit- und Steinblöcken durchsetzt ist.

Bilder von Huelgoat.....zu den Bildern

 

Der Wald von Huelgoat

Hier befindet sich der Sage nach die Artus-Grotte sowie das Feldlager von König Artus. Die bedeutende, typisch gallische Höhensiedlung ist durch zwei Mauergürtel begrenzt. Ein Weg von ca. 1 km Länge führt um den Platz, er folgt der ovalen Umfassungsmauer, der einzigen, die noch recht gut erhalten ist.

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Aber zurück zum Zauberwald...........

Der Zauberer Merlin, ein Gefährte des Königs Artus, kam in den Wald von Brocéliande, um als Einsiedler zu leben. Hier traf er die Fee Viviane und beide verliebten sich ineinander. Um Merlin an sich zu fesseln, lauschte ihm Viviane alle Geheimnisse ab und schloss ihn in einen magischen Kreis ein. Merlin hätte sich mühelos daraus befreien können, doch er fügte sich aus Liebe in die Gefangenschaft.

 

MERLIN UND VIVIANE

 

Im Wald von Brocéliande trifft Merlin an der Barentonquelle die Fee Viviane. An dieser Quelle sammeln sich die Feen von „Koncorret“ (Das Tal der Feen), die sich neugierig in diesem Wasser, das klar wie „feines Silber“ ist, spiegeln wollen. Hier beginnen die Heldentaten der Ritter und hier irrte auch Morgane, die Zauberin und Halbschwester von König Artus und letzte Tochter Ygerne, umher.

Viviane zeigte sich Merlin in der Gestalt eines jungen Mädchens von außerordentlicher Schönheit, als Tochter eines adligen Herrn namens Dyonas, dem die Hälfte des Waldes gehörte und der das Schloss von Kon-Per, das sich am Rand des Waldes in der Nähe eines großen Sees befand.

Merlin grüßte die junge Frau und setzte sich neben sie auf die Quelleinfassung, die seither die Freitreppe Merlins genannt wird. 

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Er war verzaubert von ihrem geistvollen Wesen und ihrer Schönheit und blieb bis zum Abend mit ihr zusammen. Er verließ sie erst, als sie ihm ihre Liebe versprochen hatte, wofür er ihr sein Wissen vermitteln wollte.

So erlernte Viviane jeden Tag eine neue Zauberei von ihrem vertrauensseligen Freund und sie dachte, dass er ihr zuletzt alle Geheimnisse liefern, und das es ihr somit gelingen würde, ihn für immer an ihrer Seite zu halten.

An einem Abend gingen sie spazieren und ihr Weg führte sie zur Barentonquelle. Viviane hatte Hintergedanken, als sie ihn fragte, ob er wüsste, warum das Wasser der Quelle aufwallte, sobald ein lebendes Wesen in die Nähe kam. Merlin tat, als ob er es nicht wüsste.

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Viviane erzählte, sie habe von ihrem Vater gehört, dass ein Ritter mit einem schwarzen Wappen zu verhindern versuchte, dass man sich dieser Quelle nähert. Ihr Wasser hat die Fähigkeit, Stürme auszulösen. Zu dieser Zeit war eine Silberschale mit einer Kette an der Steinplatte befestigt. Eines Tages kam ein Ritter namens Owein, überlistete den schwarzen Ritter und wagte es, seinen Durst mit dem Quellwasser zu löschen, das er mit der Schale schöpfte. Als er keinen Durst mehr hatte, schüttete er die letzten Tropfen  auf den Stein. Im selben Augenblick hörte man es donnern und der Regen fiel dicht. Durch die starken Windstöße wurden sämtliche Blätter auf den Bäumen abgerissen.

Als wieder Ruhe einkehrte, kam der schwarze Ritter angerannt und stürzte sich auf Owein, dem keine Zeit blieb, in den Sattel zu springen. Der junge Ritter besiegte den Wächter von Barenton und seit dieser Zeit hörten die Zaubereien der Quelle auf.

Merlin antwortete daraufhin, das dieses Wasser trotzdem seine Kraft behalten habe, man bräuchte nur die richtigen Worte auszusprechen, um sie zu erwecken.

Viviane hätte gerne diesem Wunder beigewohnt, aber Merlin lehnte ab, ihre Neugierde zu stillen.

 

DER PALAST IM SEE

 

An einem anderen Abend, als sie am Dianasee vorbeikamen, erzählte Merlin seiner Geliebten Dianas’ Geschichte.

„Diana jagte in allen Wäldern Galliens und der Bretagne, aber sie fand keinen, der ihr so gut gefiel wie der von Brocéliande. Deshalb ließ sie hier am Seeufer ein Herrenhaus errichten, in das sie nachts zum Schlafen kam, nachdem sie den ganzen Tag Hirsche und Dammwild gehetzt hatte. Sie war die Geliebte von Faunus, dem Sohn des Königs, der dieses Land beherrschte, geworden,  aber sie verriet ihn wegen eines gewissen Felix.

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Faunus war von einem Wildschwein verletzt worden und Diana überredete ihn, in einen Brunnen hinabzusteigen, der angeblich alle Wunden heilte. Aber sie hatte heimlich das Wasser entfernen lassen.

Faunus stieg hinab und Diana warf vom Brunnenrand abgebrochene Steine auf ihn und schüttete, als Krönung der Grausamkeit, geschmolzenes Blei in die Spalten zwischen den Steinen, was den Körper ihres Liebhabers verzehrte.

Als sie Felix berichtete wie sie Faunus losgeworden war, war dieser so entsetzt, dass er Diana den Kopf abschlug und ihre Leiche in den See werfen ließ. Seither trägt der See ihren Namen.

Als Viviane diesem Drama lauschte, seufzte sie träumerisch und sagte, sie würde gerne an diesem Ort leben. Kaum hatte sie ihren Wunsch ausgesprochen, so war auch schon der See verschwunden und an seiner Stelle befand sich ein Park mit einem Herrenhaus, das so herrlich aussah das es nichts Gleichwertiges in der Bretagne gab.

Und Merlin sagte:

 „Mein Fräulein, hier ist Eure Bleibe. Niemals wird jemand, der nicht zu Eurem Hausstaat gehört, sie erblicken, denn sie ist für alle anderen unsichtbar und in den Augen aller gibt es    hier nur einen See.“

Dieses Schloss auf dem Grunde des Sees entzückte Viviane aufs Höchste und sie verließ es nie mehr und nannte sich die Dame vom See, ein Name, den sie beibehalten hat.

 

VIVIANE UND LANZELOT

 

Eines schönen Tages fand Viviane am Rand des Dianasees das Kind Lanzelot, Sohn des Königs Ban und der Königin Helene. Sie lockte ihn bis auf den Grund des Sees um ihn aufzuziehen, als wenn sie seine leibliche Mutter wäre.

Seit Viviane beschlossen hatte, dort zu wohnen, war das Seeschloss größer geworden..... So wie von Merlin gewünscht, blieben Park und Schloss für diejenigen unsichtbar, die nicht darin wohnten. Nach und nach hatte sich ein Hof um die Dame gebildet, der aus hübschen Edelknappen und Jungfrauen bestand. So sah der verzauberte Zufluchtsort aus, in den Lanzelot gelockt worden war.

Später verkörperte Lanzelot den tapfersten Ritter am Hof von König Artus. Er befreite die Königin Guinevere, die vom „König des Landes, aus dem niemand zurückkehrt“ entführt worden war und er wurde ihr Liebhaber, nach dem sie ihm ihre Liebe eingestanden hatte.

Wegen dieser schuldigen Leidenschaft musste er einen langen Kampf mit König Artus austragen und konnte deshalb den Heiligen Gral nicht wiederfinden.

 

DAS TAL OHNE WIEDERKEHR

 

Viviane war nicht die einzige Fee in Brocéliande. Hier schweifte auch Morgane herum, die jedoch der Barentonquelle das Tal ohne Wiederkehr vorzog. Sie war Zauberin wie Viviane und eine hübsche Brünette, liebenswürdig und geistreich, aber eitel und tückisch. Weil sie von ihrem Liebhaber betrogen worden war, schloss sie diesen durch Zaubereien in das Tal ohne Rückkehr ein. Von diesem Tag an wurden dort alle verlogenen Liebhaber festgehalten, bis zu dem Tag, an dem Lanzelot sie erlösen kam.

Es war das Gefängnis für Sünder in Liebesangelegenheiten aber auch der Wohnsitz der Feen.

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DAS UNSICHTBARE GEFÄNGNIS

 

Der Zauberer Merlin begab sich wieder einmal mit sehnsuchtsvollem Herzen nach Brocéliande. Im Tal ohne Rückkehr erwartete ihn Viviane und ihre Gespräche und Liebeleien begannen aufs neue.....

Viviane wollte ihren Liebhaber, der immer noch jung, schön und verliebt war, für immer an sich binden und sie hatte die verräterische Hoffnung nicht aufgegeben, ihm seine letzten Zaubergeheimnisse zu entlocken. Und so sagte sie ihm eines Tages mit gespielter Unschuld, sie müsse ihren Vater jedes Mal überlisten, um ihn, Merlin, sehen zu können. Weiter wollte sie wissen, wie man den Vater in ein Gefängnis ohne Mauern und Türme einschließen, aus dem er allerdings auch nicht fliehen könne.

Merlin, den seine Leidenschaft mit Blindheit schlug, offenbarte ihr sein Geheimnis und lehrte sie die Riten, die nötig sind, um jemanden, über dessen Freiheit man verfügen will, gefangen zu halten oder zu befreien.

Kurze Zeit drauf war Merlin im Gras eingeschlafen und Viviane zeichnete einen magischen Kreis um ihn, der ihn in einem Zauberpalast gefangen hielt, einer unsichtbaren Zitadelle.

Anfangs machte sich Artus über die Abwesenheit von Merlin keine Gedanken, denn er war an sein Verschwinden gewöhnt. Aber als er nach einem Jahr immer noch nicht zurückgekehrt war, machte sich der König Sorgen. Die Gefährten Merlins sannen darüber nach ob sie sich auf die Suche begeben sollten. Gauvain bat als erster beim König um Erlaubnis und so begab er sich auf den Weg in die Bretagne, wo Merlin zuletzt gesehen worden war.

So zog er über ein Jahr an der ganzen Küste der Bretagne entlang, von der er wusste, das Merlin sie besonders mochte. Als er ihn dort nirgends fand begab er sich auf den Weg nach Brocéliande.

Er ritt schon eine Weile im Schutz des dichten Waldes als ihm plötzlich ein bizarrer Dunstschleier den Weg versperrte und sein scheuendes Pferd stehen blieb und nicht weiter wollte.

„Gauvain,“ sagte dann eine tonlose Stimme, „ich bin die Stimme deines Freundes, den man vor nicht allzu langer Zeit den weisen Merlin nannte. Kehre zu Artus zurück und sage ihm, das er mich nie wieder in dieser Welt erblicken wird, denn ich kann aus meinem luftigen Gefängnis nicht entkommen. Ich werde von der gefangen gehalten, der ich alles was ich wusste, beigebracht habe. Komm von Zeit zu Zeit in diesen Wald, denn eines Tages werde ich wieder durch die luftigleichten Mauern mit dir sprechen. Aber versuche nicht, eine Gelegenheit zu erzwingen, denn sie wird sich von selbst bieten, dann, wenn du gar nicht daran denkst........“

Gauvain rief seinem Freund noch zu.“ Merlin!“ Aber die Stimme antwortete nicht, sie blieb stumm und der Dunstschleier verschwand.

Der gute Ritter entfernte sich schweren Herzens und machte sich auf den Weg zum Hofe Artus’.

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Text by Jarwin