CD Omnia – Alive!

 

Leben und Tod, Tod und Leben – wenn es eine Beständigkeit gibt, dann ist es dieser Zyklus, die Gewissheit, dass jedes Lebewesen einmal wieder eins werden wird mit der Erde, der es entstammt, und diese Erde neues Leben gebären und nähren wird.

Während manch einer bei dieser Thematik in Todessehnsüchten schwelgen mag, verleihen die multikulturellen Niederländer Omnia ihr einen unbezähmbaren Optimismus – frei nach dem Motto: „You see, even though the artist may die, the art remains forever alive!“

„Alive!“ so lautet denn auch treffend der Titel der Omnia-CD, für die Klassiker der Weltliteratur wie William Shakespeare, Edgar Allan Poe, William Wordsworth oder Lewis Carroll Pate standen.

Zur Eröffnung brauen Shakespeares Hexen aus „Macbeth“ in „The Wytches’ Brew“ zu einem trügerisch beschwingten Rhythmus einen Fluch zusammen, vor dem Omnia warnen, dass er tatsächlich wirke …

Ein weiterer Klassiker der Literatur begegnet dem Hörer mit „The Raven“, jenem Poe-Gedicht voller finsterer Melancholie, das zum ersten Mal 1845 veröffentlicht wurde – hier vorgetragen von Steve Sic Evans van der Harten, dessen Sprechgesang untermalt wird von zarten Harfeklängen seiner Frau Jenny.

„Alive!“, das Titelstück der CD, setzt nach der dunklen Thematik des Raben mit einem Andro einen schwungvollen Kontrapunkt der Lebensfreude, so wie überhaupt dieses Album von den Gegensätzen lebt, dem Wechselspiel zwischen der sanften Harfe und den hellen Flöten, dem dunklen Slideridoo und der kraftvollen Percussion.

Und wer beim sechsten Lied stutzt und denkt: Nanu, das kenne ich doch?, dem kann man nur beipflichten, handelt es sich doch um eine Neuinterpretation des Liedes „Scarborough Fair“, dessen vermutlich bekannteste Variante 1966 von Simon & Garfunkel veröffentlicht wurde. Die Ursprünge des englischen Volkslieds aus der Feder eines unbekannten Autors, das bei Omnia den Titel „The Elven Lover“ trägt, reichen aber viel weiter zurück, vermutlich bis in das 16. oder 17. Jahrhundert.

Viel zu schnell scheint diese Omnia-typische und doch wieder ganz einzigartige CD zu Ende zu gehen – und tatsächlich gehört das Album mit gerade mal 43 Minuten Spielzeit zu den kürzeren Vertretern des Genres. Doch lieber eine knappe Dreiviertelstunde Virtuosität, die an keiner Stelle langweilt, als 75 Minuten zähflüssige Eintönigkeit oder nervtötendes Gedröhne und Geschrammel.

Ein besonderes Lob verdienen Omnia einmal mehr für die Gestaltung: Die CD-Hülle ist wie ein kleines, altertümliches Buch aufgemacht, mit einem 36-seitigen Booklet, das alle Texte sowie Erklärungen zur Entstehung und Geschichte der einzelnen Lieder enthält sowie als besonderes Highlight Illustrationen des Künstlers Alan Lee, der sich vor allem als Tolkien-Künstler einen Namen gemacht hat.  

 

Petra Lindner