Nachtgeschrei - Promo 2007

Die zweite Promo CD der Frankfurter Rockformation Nachtgeschrei wird hoffentlich die letzte sein.

Nein, was immer man bei diesem Satz nun hätte denken können, meine Hoffnung geht in Richtung eines richtigen Albums, denn Promozeiten sollten auch, und insbesondere bei Nachtgeschrei, irgendwann ein Ende finden. Bis es aber soweit ist, bleiben einem aber die beiden bislang erschienen Promo Silberlinge.

Die “2007” beinhaltet fünf Songs die das Genre Mittelalter Rock wahrlich bereichern.

Mit Dudelsack- und Drehleierklängen zu rockigem Gitarrensound und einem Sänger mit einer überaus emotionalen Stimme transportieren die Frankfurter ihre durchdachten und tiefgründigen Texte in einer, für eine Promo CD, sehr guten Klangqualität ins Ohr des Hörers.

Besonders die sehnsuchtsgeladene Stimme von Sänger HOTTI, die übrigens Live genau so bewegend rüber kommt, wie man sie auf der CD vernehmen kann, geht unter die Haut.

Sicherlich wird man beim ersten hören geneigt sein, einen Vergleich mit Schandmaul zu ziehen, aber angesichts der Tatsache, das es nun mal in jedem Genre einen Vorreiter gibt, finde ich dies keineswegs unpassend. Zumindest was das Genre Mittelalter Folk Rock angeht, spielen Nachtgeschrei in dieser Liga mit. Und, dies meines Erachtens völlig zu Recht. Wobei, Mittelalter Folk Rock es ja nicht wirklich trifft, ich würde es als Rock mit Folkelementen und mittelalterlichen Instrumenten bezeichnen, denn die Texte sind bei beiden Bands ja durchaus Zeitgemäß, auch wenn sie die eine oder andere mittelalterliche Thematik behandeln. Jedenfalls braucht man sich auch bei Nachtgeschrei nicht mit Latein oder Altmittelhochdeutsch auseinander zu setzen. Nachtgeschrei selbst nennt es "modernen Mittelalterrock", was ebenso passend ist.

Texte mit klaren Aussagen schlagen eine Brücke zwischen aktuellem und einer mittelalterlich anmutenden Versform ohne dabei gequält altertümlich zu klingen.

Schon der erste Track “Windstill” kommt ganz im Gegensatz zum Titel, treibend und mit tanzbarem Rhythmus rüber. Eingeleitet von melodischem Drehleierspiel beweisen Nachtgeschrei, das ein melancholisch stimmender Text nicht ausschließlich schwermütigen Melodien vorbehalten sein muss.

Und die Sterne sie verdämmern unter einem bleichen Mond
Unser Steuer ist verlassen – gibt nichts wohin zu steuern lohnt“

Hört ihr mich
Ich hab euch etwas mitgebracht
Schreie aus der Nacht
Der letzte Ton
Den ein Mensch hervorgebracht
Mit letzter Kraft“

In „Drei Lügen“ werden diejenigen, welche die Erfahrung der Täuschung bzw. Enttäuschung, ihr eigen nennen können, inhaltlich voll auf ihre Kosten kommen. Wobei die Interpretation eines Textes bleibt ja jedem selbst überlassen. Und einzig der Verfasser könnte ihn eindeutig erklären.

Aufgesetzte Schauspielkunst
Ich brauch keine Kulisse
Denke nicht dass irgendwann
Dein Antlitz ich vermisse“

„Ich hasse nicht dein Aussehen, sondern das was dich umgibt
Verachte alles was du tust und was dir am Herzen liegt
Schaust du mich an, so spricht dein Auge... Lüge Nr. 1
Sagst du Hallo, so spricht dein Mund... Schon Lüge Nr. 2
Streckst du den Arm, so zeigt die Hand mir.. Lüge Nr.3 Und ich denk, es bleibt dabei

Alles in allem ist „Promo 2007“ eine Scheibe die Lust auf mehr macht, und leider viel zu schnell durchgespielt ist. Bleibt, wie eingangs bemerkt, zu hoffen dass die kommende CD dann vielleicht „Debüt 2008“ heißt und sich als vollwertiges 12 Track Album präsentiert.

 

Tracklist:

1. Windstill

2. Deine Spur

3. Räuber der Nacht

4. Drei Lügen

5. Das Spiel

 

Mehr zur Band findet ihr unter www.nachtgeschrei.de - Textauszüge (Copyright by Nachtgeschrei)

 

<Ralph Halbleib>