In Extremo – Kein Blick zurück (limitierte Doppel-CD)

 

 

Sie haben den Mittelalterrock in den großen Konzerthallen der Republik salonfähig gemacht – Jahr für Jahr haben sich In Extremo durch ständige Livepräsenz eine stetig wachsende Fangemeinde erspielt. Und die Fans waren es auch, die zum 10-jährigen Bandjubiläum die Titel wählen konnten, die auf der Best-of-CD „Kein Blick zurück“ enthalten sind.

Muss es verwundern, dass die Wahl auf viele Stücke der ersten Veröffentlichungen fiel? Nein – vielmehr spricht die Auswahl von „Ai vis lo lop“, „Herr Mannelig“, „Rotes Haar“ oder „Spielmannsfluch“ dafür, dass auch die frühen Werke der Berliner in der Gunst der Fans noch immer bestehen können und nach wie vor Garanten für Begeisterungsstürme bei den In-Extremo-Konzerten landauf, landab sind.

Eins aber haben sich die Musiker nicht nehmen lassen: Für diese Best-of sind sie ins Studio im Münsterland gegangen, um die alten Stücke mit weiterentwickelter Soundtechnik neu einzuspielen und ihnen so einen zeitgemäßen Klang zu verpassen.

Die reguläre CD dürfte vor allem etwas für den überzeugten Sammler sein, der auf Vollständigkeit seiner Sammlung Wert legt, wenn auch mit „Kein Sturm hält uns auf“ und „Alte Liebe“, einer sehr schönen Ballade, immerhin auch noch zwei neue Stücke auf dem Album enthalten sind.

Lohnend ist auf jeden Fall der Erwerb der limitierten Doppel-CD – allein, um einmal zu hören, was verschiedene Künstler in Coverversionen aus In-Extremo-Stücken machen.

Absolutes Highlight ist die Interpretation Götz Alsmanns von „Singapur“; wohl kaum einem anderen wäre es wohl gelungen, musikalisch eine hör- und geradezu spürbare Baratmosphäre mit schummrigem Licht, Cocktails und Rauschwaden zu kreieren (auch wenn Letztere demnächst der Vergangenheit angehören dürften).

Ebenfalls ausgesprochen gelungen ist das, was die Urgesteine der Mittelalterszene, Ougenweide, aus den „Merseburger Zaubersprüchen“ gemacht haben: wunderschöner mehrstimmiger Gesang und eine sanfte, geradezu schwebende Instrumentierung, die doch getragen wird vom darunterliegenden Rhythmus.

Auch Silbermonds „Die Gier“ kann sich hören lassen, und überraschend elektronisch geht es beim Killing-Joke-Remix von „Rasend Herz“ zur Sache – überraschend, aber durchaus hörbar und deutlich etwas anderes als das, was Gravedigger aus dem „Rattenfänger“ und Randalica aus „Nur ihr allein“ gemacht haben. Diese beiden Stücke sind wirklich nur etwas für eingefleischte Metalfans – die Rezensentin bevorzugt eindeutig die Originalversionen!

Ein weiteres Highlight dann zum Ende: Nur Micha Rheins Stimme und ein Klavier intonieren „Spielmann“ – wunderschön und geradezu zum Träumen geeignet ist dieses Stück, das den Wunsch weckt, noch weitere Interpretationen dieser Art zu hören.

Petra Lindner