Faun Totem

Sie gehören zu den Ausnahmeerscheinungen in der Mittelalter- und Folkszene, schon allein aus dem Grund, dass sich ihre Musik in keine gängige Schublade pressen lässt, sondern sie vielmehr ihr eigenes Universum erschaffen haben. Faun sind Faun – so mystisch, schwer fassbar und zugleich faszinierend wie der namensgebende Naturgott. Und nach den bisherigen Alben „Zaubersprüche“, „Licht“ und „Renaissance“, jedes für sich ein Gesamtkunstwerk, waren die Erwartungen an „Totem“ hoch. Erwartungen, die die Faune auf ganzer Linie erfüllt haben. Wie kaum eine andere Formation verstehen es die Münchner, filigrane und zugleich vielschichtige Melodien mit den zauberhaften Stimmen von Lisa und Fiona und Kontrapunkten durch Olivers Gesang zu einer bestechenden Eingängigkeit zu verweben, die sich sofort beim Hörer festsetzt – ohne dass sie jemals ins Seichte abgleiten.

Düsterer als die Vorgänger – so wurde „Totem“ angekündigt; nachdenklicher, das trifft es wohl eher. Denn auch wenn Stücken wie „Zeit nach dem Sturm“, „November“ oder „Sieben“ die Leichtigkeit und Beschwingtheit eines „Andro“ oder „Rhiannon“ fehlt, so verlocken doch gerade die vermeintlich „dunkleren“ Elemente zur Auseinandersetzung mit ihnen. Und immer wieder gibt es ein Instrument, eine Gesangspassage, die einen hellen, warmen Akzent setzen.

Mit „2 Falken“ haben die Faune denn auch noch ein erstklassiges Tanzstück geschaffen, das sich vollkommen mühelos seinen Platz auf den Tanzflächen erobern dürfte.

„Totem“ beweist, dass die Faune zwar erwachsener, vielleicht auch nachdenklicher geworden sind, gleichzeitig aber ihre Spiel- und Experimentierfreude stetig weiterentwickeln. Nimmt man die mit Faun eng befreundete Formation Omnia einmal aus, so dürfte es wohl derzeit kaum eine andere Band mit einem solchen kreativen Potenzial geben wie die Faune. Man darf gespannt sein, was den kreativen Musikern in Zukunft noch alles einfallen wird! 

Petra Lindner