CD Al Andaluz Project – Deus Et Diabolus

 

Man mag es als Glücksfall für die Musikszene ansehen oder auch als einen Wink des Schicksals, dass ein Konzertbesucher Michael Popp, dem musikalischen Kopf von Estampie, einst eine CD in die Hand drückte mit dem Tipp, sich diese einmal anzuhören. Es war eine CD der in Valencia beheimateten Formation L’Ham de Foc, und was Michael Popp da hörte, gefiel ihm so sehr, dass er den Spaniern anlässlich eines Auftritts mit ihrem Projekt Aman Aman in München vorschlug, sich in einer Kooperation zusammenzutun.

Estampie, die für eine anspruchsvolle, dabei aber niemals gestelzt-akademisch wirkende Umsetzung mittelalterlichen Liedguts stehen, und L’Ham de Foc, die gekonnt die Musik ihrer mediterranen Heimat mit den Melodien der Sepharden und mittelalterlichen Elementen vermengen – dass das Zusammentreffen der versierten Musiker reiche Früchte tragen würde, stand eigentlich außer Frage.

Ergebnis des gemeinsamen Schaffens ist das Al Andaluz Project, benannt nach dem Namen, den die omajidischen Eroberer einst der iberischen Halbinsel verliehen. Und jene weit zurückliegende Zeit der gemeinsamen friedlichen Existenz christlicher, arabischer und jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit reflektiert „Deus Et Diabolus“ vortrefflich und beweist anschaulich, dass die Musik einst ein verbindendes Element zwischen den Kulturen war und heute bei ausreichender Offenheit für das vermeintlich Andersartige auch noch sein könnte.

Gemeinsam ist allen zwölf Stücken die Leidenschaft, die der Musik innewohnt, die sich im Gesang, aber auch im Spiel der Instrumente wie Ud, Qanun, Drehleier oder Fidel widerspiegelt. Und obwohl die Lieder den unterschiedlichen religiösen Kulturkreisen entstammen, so wirken sie doch in der Darbietung des Al Andaluz Projects erstaunlich homogen und seltsam zeitgemäß.

„Deus Et Diabolus“ offeriert eine verzaubernde Reise über Zeiten und Kulturen hinweg und vermag dem Begriff „Weltmusik“ eine ganz eigene Bedeutung einzuhauchen.

Einziges Manko an einer ansonsten rundum gelungenen CD: Leider finden sich im Booklet nur die Originaltexte, während kurze Inhaltsangaben zu den einzelnen Liedern dem Hörer die vertiefte Auseinandersetzung mit den Aussagen der Stücke ermöglicht hätten.

 

Petra Lindner