Triskilian

  1. Bitte gebt einen kurzen Abriß Eurer Bandgeschichte – wie lange existiert Triskilian bereits, hat die Band schon immer in dieser Besetzung bestanden, habt Ihr zuvor in anderen Formationen musikalische Erfahrungen sammeln können?

Kilian: Triskilan wurde im Frühjahr 2000 gegründet. Die Erstbesetzung  bestand aus Jule Bauer, Dirk Kilian und Rüdiger Maul. Rüdiger hat uns nach einem Jahr verlassen, später ist er dann bei Faun eingestiegen. Oually hat ihn als Perkussionist dann abgelöst. Dazu ist er eigens aus Berlin in seine frühere Heimat (Raum Aschaffenburg) zurückgezogen. Ich habe Erfahrung im Irish Folk und Deutsch Folk und bin auch als Solist „Kilian der Narr“ auch mit Mittelaltermusik in Berührung gekommen. Habe aber eigentlich Akrobatik und Pantomime gelernt.

Jule: Ich habe zuvor sehr viel klassische Musik, Rockmusik und Folkmusik mit der Gruppe Helut gemacht. Mit Helut war ich seit 1994 auf Mittelaltermärkten unterwegs, da haben Kilian und ich uns dann auch getroffen und beschlossen ein gemeinsames Projekt zu machen.

Silvia: Triskilian ist die erste professionelle Gruppe in der ich spiele. Zuvor war ich solo mit Harfe und Nyckelharpa unterwegs und habe versucht mir selbst etwas aufzubauen, was aber mangels Erfahrung nicht so recht klappen wollte. Manchmal war ich noch mit Adebar’s Spielleut unterwegs, auf lustigen bis ominösen Zunftessen.

 

  1. Stellt euch doch bitte einmal vor! Vielleicht ein wenig mehr oder anders als man auf eurer HP nachlesen kann

Oually: Ich bin Oually und nicht Quali. Auch wenn Quali an Qualität erinnert oder an Hauptschulabschluß... Ich spiele seit vier Jahren Perkussion bei Triskilian, hab auch mal nen „richtigen“ Beruf gelernt und bin Jahrgang ´76. Nachdem ich jahrelang als Schuhputzer, Glöckchenhändler, Bader, Gurkenverkäufer, Karussell- Anschieber oder Bettler durch die Lande gereist bin, war’s mir irgendwann zu bunt und wie der Zufall es wollte, hab ich die Stelle von Rüdiger Maul besetzt.

Ich hab mich  im Circusbereich und im Theater austoben können, war lange als Fakir unterwegs hatte diverse Bands und hab auch bei diversen Musicals schon Schlagzeug gespielt.

Außer Mittelalter find ich ´ne ganze Menge anderer Musik gut. Von Afrikanischer, Arabischer und Balkanmusik bis HipHop, House und Elektronischen Sounds gibt’s so einiges was mich beeinflusst hat. 

Ich steh total aufs reisen weil’s der einzige Weg ist zu erfahren was wirklich in der Welt los ist. Und weil’s bildet! Ich lebe in  Darmstadt.   Ähhhh.

Mehr fällt mir nicht ein.

Kilian: Ich bin Kilian und habe 10 Jahre als Kilian der Narr solistisch gearbeitet. Irgendwie haben sich immer mehr Instrumente bei mir angesammelt, weshalb ich im Frühjahr 2000 mit Jule die Band gründete. Mir war es immer wichtig, keine neue Mainstreamcoverband auf den (Mittelalter)Markt zu bringen, sondern Eigenes oder zumindest Fremdes zu spielen. So spielen wir ungefähr zur einen Hälfte Stücke von mir und zur anderen Folkmusik aus unterschiedlichsten Regionen, von Skandinavien bis Orient. Bei „echter“ Mittelaltermusik geht es mir auch darum, sie möglichst „triskilianisch“ zu interpretieren. Ich spiele Nyckelharpa, Dudelsäcke, Harfe, Drehleier und  Cister. Ich bin ein romantischer Mensch, was sicher in meinen Texten zum Tragen kommt. Ich interessiere mich für alle möglichen Religionen und obwohl ich mich zu keltischen und germanischen Wurzeln hingezogen fühle, begegne ich den Christen, Muslimen und Juden mit großem Respekt und begeistere mich auch für Ihre jeweilige Musik. 

Jule: Ich bin Jule und mache schon mein ganzes Leben lang Musik. Mit 3 Jahren habe ich meine Kindergärtnerin Gitarre spielen gehört und von diesem Zeitpunkt an bin ich dann in die Musikschule gegangen, weil ich unbedingt auch so schöne Musik machen wollte. Musik ist für mich so etwas wie die Luft zum atmen. Mich faszinieren die unterschiedlichsten Musikstile und Richtungen, genauso wie die Kulturen aus denen sie kommen. Ich war 12 Jahre mit der anarchistischen Musiktheatergruppe Helut auf Märkten unterwegs und bin so schon ziemlich früh in die Marktszene eingestiegen. Mit Helut durfte ich erfahren, wie toll es ist ganz frei und ohne Konventionen Musik zu machen, so dass ich es nicht nur als Beruf, sondern irgendwie als Berufung ansehe Musik zu machen. Klingt ganz schön pathetisch, ist aber irgendwie so. Ich finde es super den Menschen im Publikum etwas mitgeben zu können, ihr Leben schöner und bunter zu machen und sie mit meiner Musik zu berühren. Es macht mir auch viel Spass Kurse zu geben und Leuten auf die Art und Weise die Möglichkeit geben Musik vielleicht anders zu erfahren und den Spass und die Passion darin zu entdecken. Ich finde gerade mittelalterliche Musik ist dafür total geeignet, weil sie oftmals so schlicht  ist, dass man ungeheure Möglichkeiten hat damit zu spielen.

Silvia: Ich bin Silvia, und mit meinen 19 Jahren quasi das Küken der Band, weswegen ich mich aber dennoch als vollwertiges Mitglied fühle und auch so behandelt werde. Ich fing mit 6 Jahren an Akkordeon zu lernen und spielte bis ich 11 war und mir die volkstümliche Stubenmusik zu eng wurde und nicht mehr passte.

Als Kind wurde ich musikalisch besonders von den Mike Oldfield Schallplatten und Kassetten meiner Eltern beeinflusst, davon hab ich glaube ich eine gewisse experimentelle und Harmoniebewusste Herangehensweise an die Musik mitgenommen. Im Bereich Mittelaltermusik und Folk wurde ich in den letzten Jahren von den Faunen, Elster Silberflug, Sally Gap, Jennifer van der Harten (Omnia) auf der Harfe, Obscura und vielen anderen Musikern und Gruppen inspiriert und geprägt.

Im Moment mach ich eine Ausbildung an einer Fremdsprachenschule in Nürnberg, weil das in allen Bereichen und besonders auch in der Musik viele Vorteile hat.

 

  1. Wie kommt man überhaupt darauf, diese Art von Musik zu machen, was fasziniert Euch daran?

Oually:  Mir gefällt der organische Faktor. Es ist unglaublich was man für eine Intensität und Lautstärke man mit einem Dudelsack und einer Trommel erreichen kann und das alles ohne Strom nur mit Holz, Haut und Muskel- bzw. Lungenkraft. Diese Einfachheit übt eine große Anziehungskraft auf mich aus.

Und die Möglichkeit auf Standards zurückgreifen zu können um zu Jammen. Das ist fast ein bisschen wie im Jazz, den ich auch sehr mag.

            Ich bin auch oft  sehr fasziniert von den vielen Ausdrucksmöglichkeiten die man in                   

            der mittelalterlichen Musik hat. Und natürlich bin ich vom Rhythmus fasziniert.

Kilian: Mich fasziniert die Freiheit mit mittelalterlicher Musik umzugehen, weil sie ja nicht genau definiert ist und viel Interpretationsfreiheit lässt. Es macht irre viel Spaß, Musik aus ganz verschieden Traditionen zu spielen und Grenzen zu überschreiten.

Jule: Zu dieser Musik bin ich durch Zufall gekommen, weil ein Freund von mir bei der Gruppe Helut gespielt hat und mich dann einfach mal mit auf einen Markt genommen hat. Seitdem fasziniert diese Musik mich immer mehr! Ich kann mich da Kilian nur anschließen in seiner Aussage, denn ich glaube die Freiheit ist auch für mich ein ganz wesentlicher Faktor, und es ist aber auch so, dass es gerade in diesen einfachen Melodien viele gibt, die mich ganz tief berühren!

 

Silvia: Ich kam zur Mittelaltermusik durch eine Live-Übertragung des Mittelalterfestivals in Stetten am Kalten Markt 1997, der mich so weggefegt hat dass ich seitdem absolut versessen darauf bin, mehr davon zu hören und zu erfahren.

Zum Folk kam ich über den „Lord of the Dance“, Michael Flatley, denn die Musik zu der Show hat mich sehr wirkungsvoll inspiriert, mich unbedingt intensiv damit zu befassen. Im Lauf der Zeit kamen auch andere Folk-Einflüsse dazu, wie bretonischer Folk, Balkan, etc.

Ich schätze, mein Beweggrund Musik zu machen ist eher egoistischer; ich habe in ihr den perfekten Weg für mich gefunden zu wachsen, mich zu entwickeln und auszudrücken. Das zusammen mit Triskilian machen zu dürfen ist ein großes Geschenk. Ich finde es spitze, in der Musik so viele gute Freunde und Gleichgesinnte zu finden und durch ihre Musik viel über andere Kulturen zu lernen, denn die ist einfach den Menschen am nächsten. Kein Geschichtsbuch oder Film kann z.B. das Mittelalter so vermitteln wie die Lieder, und keine Touristenbroschüre kann so viel über ein Volk oder ein Land erzählen wie seine Musik. Das ist das Faszinierende daran.

Außerdem muss man einen gewissen Hang zu exotischen Instrumenten haben.

 

  1. Reist Ihr auch durch die Welt, um vor Ort unterschiedliche Musikstile zu erforschen?

Oually: Na klar. Ich bin im Februar z.B. einen Monat durch die Wüsten und Gebirge Marokkos gereist, hab mir Marrakesh angesehen und eine Menge Musiker kennen gelernt. Gerade bei den Berbern und den Saharawis gibt es eine Menge zu lernen und die Freundlichkeit die einen dort erwartet  war einfach unbeschreiblich.   Gerade im Atlas  Die Rhythmik in den Wüstengebieten und im Atlas kann man auch nur nachvollziehen wenn man sich mit der Umgebung den kulturellen Gegebenheiten und der Natur dort einlässt. Es gibt einen unterschied zwischen gelernten und erlebtem der sich natürlich auch im eigenen spielen niederschlägt. Die Rhythmen in der Sahara z.B. Sind recht langsam und die ganze Musik ist fast Blues mäßig, mit Gitarren, Banjo und Gambri und natürlich Perkussion und Gesang. Diese Rhythmen sind durch Zählen nicht so richtig zu erfassen und sehr schwer nachzuvollziehen. Wenn man allerdings Mal auf einem Dromedar gesessen hat und ein paar Stunden damit durch die Wüste geschaukelt ist wird einem plötzlich klar, wie die Rhythmen entstanden sind und wie sie funktionieren...  

Kilian: Müsste ich viel mehr tun, aber wann? Wenn ich in Urlaub fliege, überlege ich lange, welche Instrumente ich mitnehmen kann. Es fällt mir schwer, dann Instrumente zurücklassen zu müssen. Ich musiziere im Ausland ständig mit neuen Leuten, lerne sie auch leicht kennen. In Deutschland geht das leider nicht so locker...

Jule: Mich faszinieren andere Länder und Kulturen total, deshalb reise ich auch gerne. Ich glaube diesen Job kann man auch nicht so ohne weiteres ausüben, ohne dass man gerne reist. Manchmal fühle ich mich schon wie eine Zigeunerin, wenn wir so viel unterwegs sind. Und da wir ja auch oft Leute aus verschiedenen Ländern  kennen lernen, finde ich es super dorthin zu fahren, sie zu besuchen, und so etwas von der Welt zu sehen. Im Moment möchte ich zum Beispiel total gerne nach Norwegen fahren. Ich habe letztes Jahr eine norwegische Sängerin kennen gelernt (von ihr lernte ich auch das norwegische Schlaflied, dass zu Tam Lins Lullaby wurde), sie möchte ich unbedingt besuchen, um mit ihr norwegische Folkmusik zu machen, mal schauen wann das klappt.

Silvia: Ich hätte bestimmt auch viel Spaß am Reisen, aber durch die Schule und dem daraus resultierenden chronischen Zeit- und Geldmangel war das bisher noch nicht möglich. Im Moment begnüge ich mich damit, zu den Auftritten zu fahren, was ja auch oft ziemliche Reisen sind, und so die Möglichkeiten des Rumzigeunerns auszuschöpfen die sich momentan bieten.

 

  1. Wie würdet Ihr Eure Musik selbst einordnen?

Kilian: Ich habe mir das Wort Mittelalterweltfolk ausgedacht, weil wir in unserer Musik Mittelaltermusik und Folk vereinen und dazu noch Stücke aus sehr verschiedenen Ländern spielen. Es gab ja im Mittelalter auch immer wieder multikulturelle Stätten, an denen einen reger musikalischer Austausch stattfand. Zurzeit gibt ja wieder heftige Fehden zwischen Orient und Okzident, wie zu Zeiten der Kreuzzüge bestimmt Unverständnis der jeweils anderen Kultur die Motive der Kriegsherren. Da wäre es doch besser, miteinander zu musizieren...

 

 

  1. Erzählt ein wenig über eure CD’s, über eure Musik

Kilian: Auf beiden CD´s gibt es Musik aus sehr verschiedenen Ländern zu hören. Wir nutzen ein großes Spektrum von Instrumenten. Es macht Spaß, mit Sackpfeifenmusik so richtig loszulegen, und trotzdem nicht nur eine laute Band zu sein. Der Gesang hat eine wichtige Rolle. Außerdem schreibe ich gerne selbst Texte und Musik, oft in enger Zusammenarbeit mit Jule. In den CD´s kann man die Texte in den Booklet’s nachlesen. Bei der Ersten habe ich mich sehr mit alten Religionen, Naturmagie und Schamanis beschäftigt und daraus sind Schwester, Amerghin, Windharfe, Göttin und Gott und Schattenwelten entstanden.

Bei der Zweiten  kamen mit „Tam Lin“, der Bearbeitung eines schottischen Märchens und mit „wo König Arthurs schläft“ mal wieder keltische Themen zum Klingen. 

Jule: Ich finde es gut, dass wir so unterschiedliche Sachen machen! Wir spielen mittelalterliche Musik neu auf unsere Art und Weise interpretiert und aber auch unsere Sachen und traditionelles. Da wir alle ja aus unterschiedlichen Stilrichtungen und Musikeinflüssen her kommen, fliesst das natürlich in unsere Musik mit ein. Ich finde es gut, wie zum Beispiel die Stückeauswahl für unsere CDs bis jetzt entstanden sind: Wir haben uns zusammengesetzt, jeder hat Vorschläge von Stücken aufgeschrieben, die Titel die mehrmals vorkamen wurden auf alle Fälle genommen, und dann haben wir geschaut, was wem wirklich wichtig ist und was wer unbedingt drauf haben will. So kann sich jeder entfalten und findet sich dann auf der CD wieder. Natürlich muss dann auch jeder zu Kompromissen bereit sein, aber das klappt echt gut so. Wirklich mittelalterliche Stücke sind ja fast keine auf unseren CDs, aber das kommt daher, dass es von vielen Stücken schon so viele Aufnahmen gibt, und wir wollen natürlich auch, dass die eigenen, Selbstgeschriebenen Sachen zu den Hörern kommen. Vielleicht machen wir ja mal ´ne richtig mittelalterliche CD. Mal schauen.

 

  1. Was sagt ihr über die Konkurrenz? Die es ja im Bereich MA bzw. Weltfolkmusik gibt, oder seit ihr weniger davon betroffen?

Oually: Mit den meisten verstehen wir uns ganz gut und freuen uns sie zu sehen. Man befruchtet sich eher Gegenseitig. Andere Musiker auf Märkten zu treffen ist eigentlich das Salz in der Suppe für Musiker und Fans, die bei diversen Jamsession’s unwiederholbare Momentaufnahmen genießen können. Sicher gibt’s Bands mit denen man sich besser versteht und welche mit denen man nicht so den Draht findet aber das gibt’s überall. Außerdem glaube ich dass so viel Konkurrenz gar nicht besteht, da wir schon eine sehr eigene Mischung an Musik spielen.

Wir versuchen die Hits die man halt schon zum tausendsten Mal von 4 Sackpfeifen und drei Riesentrommeln gehört hat zu vermeiden und so haben wir uns unsre eigene Nische geschaffen. Unser Motto ist eher feiner und besser als schneller und lauter. Und so viele Bands gibt’s  nicht die so einen Zugang zur Mittelaltermusik haben.

Kilian: Zum Glück haben wir mit vielen anderen Gruppen ein eher kollegiales Verhältnis und jammen zusammen, wenn sich es ergibt.

Jule: Ich finde es auch total gut, wenn wir mit den anderen musizieren können, so entstehen dann total schöne Momente, oder auch Projekte, wie zum Beispiel, dass wir auf der letzten Duivelspack CD als Gastmusiker mitgemacht haben, das hat super viel Spass gemacht!

Ein Traum von mir wäre mit allen Musikern, mit denen wir befreundet sind eine Woche irgendwo zu sein und einfach rum jammen zu können, das wäre echt der Knüller! Was aber schon echt super war, dieses Jahr auf dem Markt in Wertheim haben wir zusammen mit Spellbound und Scharlatan ein „Mittelalterorchester“ gemacht. Stefan von den Scharlatanen hat dirigiert und wir haben so viel gelacht bei diesen Auftritten, dass wir das unbedingt wiederholen wollen, leider ist es natürlich nicht oft der Fall, dass drei Bands auf einem Markt zusammen sind und dann auch noch die Möglichkeit haben, so etwas zu machen, das war echt toll!

 Silvia: Da wir einen ziemlich individuellen Stil verfolgen, finde ich, sind wir nur im entfernteren davon betroffen… was Veranstalter betrifft, so sind die anderen Musiker Konkurrenz; sieht man es von der künstlerischen Seite, sind es Freunde, die mit uns im selben Boot sitzen; und um Fans und Groupies kann man eh nicht konkurrieren, denn die Leute können auch verschiedene Stile gleichzeitig mögen.

 

  1. Welch Wie geht Ihr an die Umsetzung alten Quellenmaterials heran? Lasst Ihr Euch z.B. Texte übersetzen bzw. könnt Ihr sie selbst übersetzen?

Jule: Das ist sehr unterschiedlich, kommt darauf an, wo wir die Stücke her haben. Ich finde es super, dass es mittlerweile etliche sehr gute Transkriptionen gibt. Vor ein paar Jahren war es noch viel schwieriger an Notenmaterial heranzukommen, vor allem an Übertragungen in heutige Notenschrift. Ganz selten übertrage ich selbst, aber meist nehmen wir Übertragungen, schauen uns das Faksimile noch mal an, ob wir die Übertragung gut finden, oder etwas ändern und dann spielen wir drauf los. Mit Übersetzungen ist das auch sehr unterschiedlich. Mit Altkasachisch müssen wir uns auf alle Fälle helfen lassen, aber zum Beispiel bei den spanischen Sachen geht das ganz gut selbst zu machen.

 

  1. Welche musikalische Ausbildung besitzt Ihr?

Oually:  Hmm., ich hatte mal ne drei in Blockflöte...

Ansonsten hatte ich verschiedene Privatlehrer für arabische Perkussion, wie z.B. Mohammed Askari (Berlin) und Michael Metzler(Leipzig). Schlagzeugunterricht hatte ich auch einmal. Ansonsten lerne ich viel durch das Zusammenspiel mit anderen und autodidaktisch. Die besten Lektionen erhält man oft indem man einfach mal zuhört! Wenn dann Mal wider ein Punkt kommt an dem man das Gefühl hat nicht weiter zu kommen muss man halt mal wieder eine höhere Instanz einschalten und Unterricht nehmen.

Kilian: Ich bin musikalischer Autodidakt, habe aber viele Kurse besucht. Seit vier Jahren nehme ich Gesangsunterricht, sporadisch besuche ich meine türkischen Lehrer für Oud und Ney (arabische/türkische Flöte). Wenn ich irgendwie Zeit habe übe ich mit viel Lust, ohne geht es mir schlecht...

Jule: Ich habe schon früh angefangen in der Musikschule klassische Gitarre zu lernen. Darin habe ich dann auch Abitur gemacht. Ausserdem habe ich am musischen Gymnasium Klavier und Kontrabass gelernt. Meine Gesangsausbildung habe ich zum grössten Teil privat gemacht, teilweise in Kursen am Konservatorium in Frankfurt und in Kursen an der Musikhochschule in Trossingen. Im Moment studiere ich Nyckelharpa in Italien.

Silvia: Das einzige, was ich je wirklich gelernt habe ist Akkordeon, alles Weitere spiele ich autodidaktisch. Vom Akkordeon, das einen hervorragenden Grundstein für melodisches und harmonisches Denken legt, habe ich mir Klavier abgeleitet, davon wiederum Harfe. Nyckelharpa und andere Instrumente spiele ich autodidaktisch. Ich versuche, anderen Musikern immer etwas auf die Finger zu schauen und mir vorzustellen, wie es sich anfühlt das zu spielen. Musikkurse besuche ich momentan eher selten, das liegt aber besagter Zeitknappheit. Seit der zweiten Klasse war ich immer in den Schulchören und –Bands wenn vorhanden, auf Sologesang bin ich dann durch meine Chorleiterin in der 11.Klasse gekommen, die mich gefördert hat.

 

  1. Wie sieht es mit den Fans aus oder Kritik, wie handhabt ihr das?

Oually:  Die Fans sind Uns natürlich sehr wichtig. Manche fahren  jedes Wochenende hunderte von Kilometern um Uns sehen zu können und das wissen wir zu schätzen. Da gibt man sich doch noch Mal extra Mühe, wenn man das weiß.

Ich glaube wir haben einen relativ unkomplizierten Umgang mit den Leuten die unsre Musik mögen und scheuen die Nähe nicht. Das ist ja auch sehr wichtig um verstanden zu werden. Viele Leute haben nach den Auftritten Fragen zu den Instrumenten oder zu unsren Texten und die müssen natürlich beantwortet werden.

Kilian: Mit den Fans ist es noch so übersichtlich, dass wir menschlich sehr normal mit ihnen umgehen können (hoffentlich sehen die das genauso). Was Kritik angeht: Wir sind sehr selbstkritisch und laufen ständig unserem eigenen Anspruch hinterher. Wenn wir kritisiert werden, besprechen wir das sehr genau in der Gruppe und nutzen die Kritik für uns. Inhaltlich allerdings bleiben wir sehr selbstbewusst und stehen zu unserem Stil.

 Jule: Ich freue mich total, dass andere Menschen unsere Musik auch gut finden, das weiss man ja erst mal nicht, wenn man etwas macht, was jetzt nicht der totale Mainstream ist. Deshalb macht es mich echt stolz, wenn Leute nach den Auftritten zu uns kommen, oder wir Mails bekommen. Für Kritik bin ich meistens dankbar, wenn sie konstruktiv ist. Ich versuche ständig mich weiterzuentwickeln, stelle mich und das was ich tue ständig in Frage, und da ist es gut Meinungen von Aussen zu hören und sich so selbst reflektieren zu können.

Silvia: Ich mag es wenn die Leute ehrlich genug sind, zu sagen was ihnen subjektiv nicht gefällt, ohne die Künstler damit als solche abzuwerten. So kann man sich selbst ganz neutral fragen, ob man das genauso sieht und ob man daran was ändern will. Konstruktive Kritik ist natürlich noch besser, wenn man gleich einen Verbesserungsvorschlag anzubieten hat.

Ich glaube, die schärfsten Kritiker sind doch wir selbst. (Das merkt man bei mir vor allem daran, dass ich mich nie entscheiden kann was ich bei einem Auftritt anziehen soll, nie damit zufrieden bin was ich dann trage und folglich auch jedes Mal anders herumlaufe. =)  )

 

  1. Wie kann sich jemand, der mit Euch noch nicht vertraut ist, Eure Konzertauftritte vorstellen? Mit welchen visuellen Elementen (Feuer oder Tanz z.B.)  oder Künstlern arbeitet Ihr wie zusammen?

Oually: Wenn Du damit Choreographien oder ähnliches meinst, das gibt’s bei Uns eigentlich kaum. Wir haben schon gewisse Stücke bei denen sich über die Jahre eine gewisse Routine eingespielt hat was das Bühnenverhalten angeht aber nicht so als das wir eine von a-z durchgestylte Show hätten. Ein Livekonzert sollte meiner Meinung nach schon eine gewisse Spontanität und Einzigartigkeit haben. Wir spielen zu so vielen unterschiedlichen Anlässen und man muss  auf einem Markt z.B. ganz anders agieren als bei einem Kirchenkonzert...

Es gibt verschiedene Künstler mit denen wir, wenn wir Ihnen auf Märkten begegnen,  gerne spielen, wie z.B. Kelvin Kalvus, Bertholder der Märchenerzähler, die Forzarellos oder die Hexe Roxanna. Duivelspack haben uns einmal eingeladen auf Ihrer CD „Zwischen Himmel und Hölle“ mitzuspielen, das war auch gut.

Mit Forzarello haben wir übrigens ein, soweit ich weiß, ziemlich einmaliges Projekt am Laufen genannt: „La Nuit Des Folies“. Die Nacht der Verrückten. Es handelt sich um ein Mittelalterliches Musikvarieté. Die Idee entstand letztes Jahr in Würzburg als wir eine Woche zusammengespielt haben. Das heißt 7 Mal Tavernenspiel. Dabei haben wir gemerkt dass wir Uns ganz gut verstehen. Wir haben unsere beider Programme zusammengeworfen durchgeschüttelt und noch ein paar frische Zutaten beigemengt und heraus kam die „La Nuit Des Folies“

 

 Kilian: Wir holen gerne mal für zwei Stücke Gastmusiker auf die Bühne oder auch eine befreundete Tänzerin. Wir haben keine mächtige Effektgeladene Show, sondern wir versuchen kraftvoll und präsent unsere Musik rüberzubringen. Zurzeit haben wir eine gemeinsames Mittelaltervarieté mit Forzarello: La nuit des foliés.

Jule: Was ich auch echt super fand, aber darüber habe ich ja oben schon geschrieben, war unser „Mittelalterorchester“ mit Scharlatan und Spellbound!

 

  1. Habt Ihr schon internationale Auftritte absolviert? Wenn ja, wie war die Resonanz des Publikums? Unterscheidet sie sich sehr von der in Deutschland?

Oually: Wir haben eigentlich jedes Jahr den ein oder anderen internationalen Auftritt. Vor allem Luxemburg, Schweiz, Österreich oder Dänemark. Die Resonanzen waren durchweg positiv und wir bedauern es etwas, dass wir nicht öfter im Ausland spielen.

Das Publikum ist ja schon in Deutschland von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. In andren Ländern natürlich erst recht. Sehr schön ist’s in der Schweiz, da hatten wohl mit die besten Gigs. Die Leute waren schon etwas Tanzbegeisterter als hierzulande...

            In Dänemark waren sie eher ganz still bei den Konzerten, so dass man denkt: “Hm,                               

            kriegen die überhaupt was mit?“ Aber die Begeisterung zeigte sich dann im Nach-

            hinein. Wir spielen ja viele Nyckelharpas und das fanden sie ganz toll, weil das

            Instrument dort noch ziemlich verbreitet ist aber vor allem in der Volksmusik gespielt                  

            wird.

Kilian: In der Schweiz auf  so einem Hippiefest, das war schon genial, wir waren sonntags die letzte Band, tanzende Leute im Sonnenuntergang, Das war fett. Sehr schön war es auch in Viborg, Dänemark, wir haben unsere Ansagen irgendwie in schlechtem englisch gemacht, kamen aber trotzdem gut an. Wir fühlten uns schon ein bisschen exotisch dort... Mit einer dänischen Band „Truppo Trotto“ haben wir CD´s getauscht, wenig später hatten sie Schwester ins dänische übersetzt und mich gefragt, ob sie das Stück spielen dürfen, da war ich natürlich mächtig  stolz!

Jule: Ich fand es am lustigsten, als Kilian und ich mal zu zweit in einer Disko auf Gomera gespielt haben, das fand ich etwas strange, aber sonst ist es toll in unterschiedlichen Ländern zu spielen!

 

  1. Welche Pläne gibt es für das kommende Jahr?

            Oually:  Wir wollen natürlich unsre CD´s weiter verbreiten. Mehr Konzerte

            in Hallen spielen. Evtl. Mal in Polen,  Dänemark und der Schweiz spielen.

            Außerdem gibt Kilian im nächsten Jahr das Trapez auf und widmet sich etwas mehr

            der Zauberei. Und irgendwann wollen wir auch mal wieder ´ne CD aufnehmen. Ein 

            Datum gibt’s allerdings noch nicht.

 Kilian: Neue Stücke raussuchen, für die Märkte möglichst ein neues Programm aufstellen. Viele Konzerte spielen.

Jule: Genau das will ich auch!

Silvia: Ich will meine Schule gut abschließen und mich dann mehr der Múzik, meinen Instrumenten und den Liedern widmen, was dieses Jahr leider ziemlich zu kurz kam, dann möchte ich gerne umziehen, und einen Job finden mit dem sich das Musikmachen gut vereinbaren lässt, noch mehr Sprachen lernen und vielleicht eine Gesangsausbildung machen. Ganz bescheiden…

 

  1. wenn ihr noch etwas loswerden wollt…

Kilian: Ich finde meine Kollegen klasse. Oually ist einfach ein super lockerer Typ und ein guter Perkussionist, der viele Ideen hat und mit dem man auch gut jammen kann. Jule hat eine für meine Ohren unglaublich schöne und ausdrucksstarke Stimme und sie hat den Durchblick was alte Musik angeht. Silvia ist ein absolut inspirierendes Naturtalent an Harfe, Nyckelharpa und Gesang. Mir geht es sehr darum, ein gemeinsames Klangbild zu erschaffen, und mit den Dreien gelingt es!