Interview mit Nachtgeschrei

Nach dem Auftritt von Nachtgeschrei und Feuerschwanz im GMZ in Wiesbaden, konnte ich mich noch kurz mit Danu, dem Schlagzeuger von Nachtgeschrei unterhalten und da wir beide beim Schelmish Konzert im Schlachthof zugegen sein würden, vereinbarten wir, uns dort ein wenig früher zu treffen um für Jarwinbenadar.de ein Interview über Nachtgeschrei zu machen.

So traf ich dann am Abend des 18.10.2007, Danu und Gitarrist Tilman um sie ein wenig zu befragen.

Was die Beiden so zu erzählen hatten kann man im folgenden erfahren:

Frage: Ihr nennt Eure Musik “Moderner Mittelalterrock” was kann man sich darunter vorstellen?

Danu: Der Begriff “Moderner Mittelalter-Rock” kommt daher, das wir die klassische Rockband Besetzung mit mittelalterlichen Elementen kreuzen. Auf die E-Gitarren kommen Drehleier, Dudelsack, Flöten ect. Und der Zusatz “Modern” deswegen, weil wir in unseren Texten nicht rein auf mittelalterliche Thematiken eingehen , sondern durchaus neuzeitliche Themen angehen. Dies können Texte sein die sich zum Beispiel auch mit zeitgemäßer Politik befassen, oder einfach Dinge die uns zur Zeit beschäftigen und aus denen dann ein Song entsteht. Wir erheben keinen Anspruch auf Authentizität wie es bei vielen Mittelalterbands ja der Fall ist, sondern mischen einfach bunt was uns gefällt thematisieren die Sachen auf die wir Lust haben ohne uns in irgendwelche Schranken weisen zu lassen oder uns durch eine Beschreibung thematisch einengen zu lassen.

Tilman: Wir wahren aber schon das Gesicht einer Rockband, deswegen sieht man uns auf der Bühne auch nicht mittelalterlich gewandet sondern jeder trägt das Outfit in dem er sich gerade am wohlsten fühlt.

Frage: Nachgeschrei gibt es seit ende 2005, wie kam es zur Gründung der Band?

Danu: Grob kann man sagen das Nachtgeschrei aus zwei Bands besteht, die sich aufgelöst haben. Das war zum einen die Irish-Folk-Rock Band “Black Sheep” bei der unser Drehleier und Akkordeonspieler “Joe” und “Nik”, welcher bei uns Dudelsack und Flöten spielt, waren und zum anderen “Tilman“, “Oli” und ich, wir waren bei der Frankfurter Melodic Death Metal Formation “Paimon” aktiv. Als Sänger kam dann “Hotti” hinzu und als zweiter Gittarist folgte dann noch der ehemalige “Black Sheep” Gitarrenroadi “Sane“. Somit waren die Wege eigentlich nicht sehr weit. Die Gründungsstory war im Prinzip so: Joe war auf einem Konzert einer meiner Ex-Bands und da die Band in der Joe spielte gerade im begriff war sich aufzulösen, fragte mich Joe ob ich nicht Lust hätte mit ihm eine Mittelalter-Rock Band zu gründen.

Ich sagte damals erst mal pauschal ja, weil ich generell sehr offen in musikalischen Dingen bin und auch schon alles mögliche gemacht habe. Ich komme zwar aus dem Metal Bereich, habe aber auch schon von der brasilianischen Perkussion Gruppe bis zum New Orleans Frühschoppen Jazz schon so ziemlich alles gemacht. So hat sich das auch recht schnell ergeben und ist dann Stück für Stück gewachsen. Wir hatten auch ziemliches Glück, denn es gibt ja auch Bands die sich gründen und dann erst einmal ein, zwei Jahre mit Personalproblemen herumschlagen bevor eine Harmonie in der Besetzung zu finden ist und sie dann auch gemeinsam Auftreten.

Da aber Joe und ich bereits irgendwen kannten, mit dem wir schon gut zusammen gearbeitet hatten, stand die Besetzung recht schnell. Innerhalb von einem halben Jahr stand das Lineup so wie es jetzt steht.

Tilman: Wir fingen ja nicht bei Null an, jeder brachte schon Banderfahrungen mit und wir kannten uns auch untereinander schon recht gut.

Frage: Also gab es keine Umbesetzungen bei Euch?

Danu: Es gab Umbesetzungen bei uns, zum einen war anfangs die Bassistenposition nicht wirklich besetzt, bis diese nach einem halben Jahr Oli übernahm. Die Gitarristenposition , die Tilmann gefüllt hat, war ein halbes Jahr durch einen ehemaligen Bandkollegen von mir besetzt, der aber aus zeitlichen Gründen das Ganze nicht wirklich intensiv betreiben konnte, da wir schon von Anfang an ziemlich Gas gegeben haben um Fortschritte im Zusammenspiel zu erzielen.

Damals habe ich ja auch noch mit Tilman bei Paimon gespielt und nach einem Auftritt in Hamburg habe ich ihm eine CD von Nachtgeschrei vorgespielt und ihm gesagt dass die Bassistenposition noch frei wäre. Auf die Frage ob er diese nicht übernehmen wolle, sagte er mir das er ja eigentlich lieber Gitarre spielen wolle.

Ich habe dann mit unserem damaligen Gitarristen bei Nachtgeschrei gesprochen und ihn gefragt. wie es denn in Zukunft bei ihm aussähe, da er ja jetzt schon nicht viel Zeit aufbringen könne und ob er seine Position nicht abgeben würde. Für ihn war das auch kein Problem und er sagte, das er gerne den Platz für Tilman frei macht. So übernahm Tilmann dann seinen Part in der Band.

Tilman: Bei Paimon hatte ich noch Bass gespielt und der jetzige Nachtgeschrei Bassist Oli war damals Gitarrist bei Paimon.

Frage: Also war Gitarre schon immer mehr dein Ding?

Tilman: Wir haben beide, Oli und ich, schon immer Gitarre gespielt, nur als ich zu Paimon kam war die Gitarristenposition schon besetzt, daher habe ich dort Bass gespielt.

Danu: Das ist der klassische Fall von, wer zuerst kommt mahlt zuerst. Bei Paimon war Oli vor Tilmann da und hatte sich den Posten des Gitarristen geschnappt und bei Nachtgeschrei war es dann genau umgekehrt. Mittlerweile sagt Oli aber selbst, er ist mit Leib und Seele Bassist und fühlt sich auch super Wohl in dieser Position. Dass dies so ist, merkt man auch daran ,das Oli und ich gut zusammen spielen und die Harmonie gerade zwischen Bass und Schlagzeug ist ja auch ernorm wichtig. Das passt hervorragend und wir ergänzen uns einfach blind.

Frage: Wie entstehen die Lieder bei Euch, gibt es ein Mastermind oder bringt ihr euch alle gemeinsam ein?

Tilman: Es gibt eigentlich keinen Mastermind, es gibt drei Leute die die Texte schreiben, sprich Hotti, der andere Gitarrist “Sane” und unser Dudelsackspieler. Mit den Liedern kommen dann hauptsächlich Hotti und Sane an, das sind aber dann nur die Grundstrukturen die dann wenn sie fertig sind irgendwie doch komplett anders klingen. Schlagzeug macht sowieso komplett Danu und wir bauen das dann gemeinsam in den Proben aus. Es nimmt aber schon jeder Einfluss.

Danu: Wobei Sane viel alleine schreibt und eigentlich oft schon mit quasi fertigen Songs ankommt, an denen im Grunde nur noch wenig geändert werden muss. Allerdings gibt es auch viele Fragmente die die einzelnen beisteuern und die dann im Proberaum zusammenwachsen. Die kreativen Songschreiber sind schon die Drei, doch was Arrangements angeht da sind wir dann schon alle sieben mit dabei.

Frage: Thema Live Auftritte, wie viele hattet ihr schon und gibt es besondere Highlights bzw. Gigs die ihr besonders negativ empfunden habt? Wie war die Resonanz auf Eure Auftritte? Wurden Eure Erwartungen bislang erfüllt?

Danu: Wir werden bis Ende des Jahres 22 Gigs in 2007 gespielt haben und hatten 2006 bereits 5 Auftritte. Somit werden dann Ende 2007 genau 27 mal auf der Bühne gewesen sein. Unseren ersten Auftritt hatten wir im August 2006 also gut ein halbes Jahr nach der Gründung.

Die Resonanz war eigentlich immer gut, ein Höhepunkt war natürlich der Auftritt auf dem MrdB Festival in Königstein. Wir hatten bis dahin noch nie vor einem so großen Publikum auf einer so großen Bühne gespielt. Sicher gibt es auch Konzerte die nicht so überragend waren wie wir uns erhofften. Ich denke da an einen Auftritt bei einem Festival in Berlin welches über drei Tage ging. Wir haben dort Sonntags um 15:30 gespielt und da kann man von einem Berliner Publikum das ja schon ein wenig verwöhnt ist zu dieser Uhrzeit nicht wirklich viel erwarten, zumal das Festival auch nicht wirklich gut besucht war. Trotzdem die wenigen die dort waren konnten wir doch irgendwie überzeugen und an sich war es schon ein gelungener Gig.

Tilman: Es lief aber auch schon genau anders herum, also das wir wenig erwartet haben und dann doch ziemlich umgehauen wurden, von der Begeisterung die man uns entgegen brachte. Das war z.B beim Hörnerfest 2006 der Fall und bei einem Auftritt in der Schweiz. Bislang empfanden wir an sich unsere Auftritte und das Publikum immer positiv und hoffen unser Publikum sieht da auch so.

Frage: Was macht Euch mehr Spaß, die Arbeit im Studio oder die Live Auftritte? Seht ihr Euch in Zukunft mehr als Liveband?

Danu: Also ich absolut!

Tilman: Naja, jeder hat da schon etwas andere Neigungen aber insgesamt kann man schon sagen das wir lieber Live spielen als im Studio zu sein. Wir wollen raus, den Kontakt zum Publikum spüren.

Danu: Studio ist halt so: Disziplin, Arbeit, Konzentration ohne Ablenkung. Live ist da schon anders, es geht dabei nicht nur um die neunzig Minuten auf der Bühne sondern auch um das Ganze davor und danach. Fans treffen, sich unterhalten, Feedback bekommen, Meinungen hören, sowohl positive als auch negative. Es ist auch enorm wichtig, wenn es Kritik gibt, sich diese Live zu holen, bzw. mit zu bekommen und sie dann auch anzuwenden. Denn es nutzt ja nichts wenn man immer nur gesagt bekommt was gut war in den sechzig oder neunzig Minuten.

Tilman: Am Studio ist das schöne, das man etwas nachhaltiges schafft, etwas das dann in ein paar Jahren immer noch da ist. Deshalb ist Studioarbeit für mich schon auch sehr wichtig.

Frage: Gibt es schon einen Fanclub oder eine Fan Seite im Internet?

Danu: Also es gibt eine Fanseite im Netz, die aufgrund einer Konzertnacheuphorie ins Leben gerufen wurde, aber leider nicht sonderlich gepflegt wird. Einen Fanclub gibt es noch nicht.

Frage: Ihr habt bereits zwei sehr schöne Promo Cds veröffentlicht, wann kommt der erste Longplayer von Nachtgeschrei?

Danu: Das Debütalbum kommt definitiv 2008, aller Wahrscheinlichkeit nach im Mai. Das Album ist im Prinzip bereits komplett aufgenommen und es geht jetzt darum den geeigneten Partner für die Veröffentlichung zu finden.

Frage: Wie wichtig ist Euch der Austausch mit anderen Bands, wenn Ihr z.B. auf Festivals seid, hört Ihr euch die anderen Bands auch an, gibt es Bands die Euch vielleicht sogar inspirieren?

Tilman: Wir suchen den Kontakt zu anderen Bands schon aber nicht um uns musikalisch inspirieren zu lassen. Man tauscht sich halt z.B. über organisatorische Dinge aus, wenn es sich ergibt.

Danu: Bestes Beispiel, weil es ja heute gerade passt, Schelmish haben wir als sehr nette Band kennen gelernt. Die haben wir jetzt schon ein paar mal getroffen, allerdings leider bislang immer unter ungünstigen Gelegenheiten, da entweder das Festival abgebrochen wurde oder gar nicht erst stattfand weil das Wetter nicht mitspielte. Es ist recht unterschiedlich, zu manchen Bands bekommt man schnell Kontakt, quasi ergibt sich das von alleine, zu anderen Bands bekommt man ihn weniger oder auch gar nicht. Das ist aber auch völlig in Ordnung, man muss nicht mit jedem Freund sein und man kann auch nicht mit jedem Freund sein. Wir sind aber generell offen uns mit anderen Bands auszutauschen, denn man kann eigentlich von jedem etwas lernen. Unser Drehleierspieler quatscht unheimlich gerne mit anderen Drehleierspielern über das Instrument, da es ja nun nicht so viele gibt und es ein sehr Pflege und Wartungsintensives Instrument ist. Da holt man sich immer gerne Tipps von Kollegen.

Tilman: Man kann auch über Veranstaltungen reden, sich über positive oder negative Erfahrungen mit Veranstaltern austauschen, denn das ist immer für jeden von Interesse.

Danu: Wir sind ja nun auch mit einem bisschen Banderfahrung gesegnet und solchen Teenagergeschichten, das man jetzt alle anderen mit einem Konkurrenzauge betrachtet geben wir uns nicht hin. Das man sich von vorne herein verschließt, so nach dem Motto: Die sind eh besser oder wir sind eh besser, das gibt’s bei uns nicht.

Ich bedanke mich für das ausführliche Interview. Wenn ihr zum Schluss noch etwas loswerden wollt, hier ist die Gelegenheit dafür.

Danu: Wir bedanken uns für das Interview. Ansonsten möchten wir gerne auf unser Geburtstagskonzert am 21.12.07 in der „Halle“ in Frankfurt verweisen. Als spezial Guest treten Feuerschwanz auf und wir würden uns freuen jede Menge von euren Lesern dort zu treffen. Die Karten gibt´s auf  www.nachtgeschrei.de für 5 Euro.

Achso, und denkt an unser Album, im Mai 2008

 

 

<Ralph Halbleib>