Interview mit "Die Lutter" und dem "Morgenstern" von In Extremo am 20.05.2009

Ruhrcongress zu Bochum

 

„Sängerkrieg“-Tour Teil 2.

 

Nach 18 Konzerten im vergangenen Jahr und einer aufgenommenen DVD mit dem Mitschnitt des Konzerts vom 18.12. 2008 in Köln, kommen In Extremo für sage und schreibe 24 Auftritte noch einmal auf Tour. Diese wird sich bis Anfang September hinziehen und verspricht viel Gutes, wie man auf der bereits erwähnten DVD „Am Goldenen Rhein“ sehen und hören kann.

 

Viel konnte man schon über das neueste Werk der Brandenburger lesen. Sie ist das inzwischen dritte Bilddokument in einer Reihe von Dokumenten, die das unstete und aufregende Musikerleben der sieben Vaganten aufzeigen. Die erste DVD entstand 2002 auf der Tour „Live 2002“, die zweite dann zur Tour „Raue Spree“ im Jahre 2006.

 

So beschränkten sich die Fragen an diesen schönen Abend vor dem Konzert im Ruhrcongress zu Bochum, dem Auftakt des zweiten Teils der Tournee, auch eher auf die momentane Gefühlslage und das Befinden der Herren.

 

 Ihr startet heute den zweiten Teil der „Sängerkrieg“-Tour. Wie war es bisher?

 

Der erste Teil war die Tour im letzten Jahr, die so genannte Wintertour. Wir versuchen natürlich bei jeder Tour noch einen drauf zu setzen. Unsere Konzerte sind nach wie vor gut besucht, auch wenn die Leute nicht mehr so schnell Karten im Voraus kaufen. Die Wirtschaftskrise hat alle erreicht, nicht nur uns, auch von anderen Bands hören wir das inzwischen. So sind wir froh, dass wir noch Zuhörer haben, auch wenn sich die Zahl im Vergleich zum letzten Jahr nicht verdoppelt hat.

 

Heißt es nicht, dass die Menschen in Zeiten der Krise mehr feiern?

 

Ja, wenn die Krise da ist, scheint das so zu sein. Aber wenn du noch nicht betroffen bist und es nur von außen mitbekommst, hältst du automatisch dein Geld zusammen. Das ist so. Gerade in unserer Branche überlegen sich die Leute dann, welche Konzerte und Festivals sie besuchen.

Früher haben wir auch schon mehr Karten an den Abendkassen verkauft, als im Vorverkauf. Da kannte man das eben noch nicht so. Schön war, dass die Säle dann trotzdem immer ausverkauft waren.

 

Habt Ihr vor, auch zur nächsten Tour wieder eine DVD zu machen?

 

Ja, wenn es passt. Das Gute an einer DVD ist, dass sich der Fan das Konzert noch einmal nach Hause holen kann. Besonders, wenn er da gewesen ist. Ist eine schöne Sache.

 

Die aktuell vorliegende ist inzwischen schon die dritte. Welche Tour habt Ihr „ausgelassen“ zu dokumentieren?

 

Ja, die erste war die, die wir auf dem Kyffhäuser zur „Live 2002“ gemacht haben. Dann kam die „Raue Spree“-Tour und dazu auch eine DVD. Dazwischen gab es noch eine Tour, wo wir keine DVD gemacht haben. Da hatten wir auch gar nicht drüber nachgedacht. Wir nehmen nicht jede Tour auf, auch wenn wir viele mitschneiden.

 

Ich muss gestehen, dass ich beim Anschauen der aktuellen DVD richtig Lust auf den heutigen Abend bekommen habe. Wird die Show heute gleich mit dem Köln-Konzert ablaufen, oder variiert das Programm schon mal innerhalb der Tour?

 

Danke erst mal. Wir haben uns ja auch Mühe gegeben. Aber das tun wir immer. Klar variieren die Shows und unterscheiden sich voneinander. Die Setliste wird schon mal verändert oder aber auch die Show drum herum. Die wird der Location angepasst und entsprechend umgebaut.

 

Wer hat denn entschieden, wie die DVD werden soll?

 

Wir haben das Konzert komplett drauf und noch ein wenig Bonusmaterial dazu gepackt. Es gibt Interviews und die Videos, die wir gedreht haben. Bei der letzten DVD haben wir ja noch ein wenig experimentiert, wie wir die am besten machen können, hatten verschiedene Kameraeinstellungen u. ä. genutzt. Diese hier ist einfacher gestaltet, aber dafür nicht weniger gut.

 

Wie findet ihr selbst das Endergebnis?

 

Na sehr gut. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir die komplett fertige Version nicht auf einmal angesehen habe. Aber für die Endabnahme war es unumgänglich, sich das gute Stück auch anzusehen. Ist aber schon komisch, sich selbst auf der Bühne zu sehen. Da hat man mal einen kleinen Eindruck, was die Fans vor der Bühne so mitbekommen. Schon spannend.

 

Das komplette Konzert dauert fast zwei Stunden! Wie haltet Ihr Euch fit?

 

Gar nicht. (lachen)

 

Zwei Stunden sind viel!

 

Wir haben ja kaum Zeit auf Tour, aber so ein wenig Sport schafft man dann hin und wieder noch.

 

Eine andere Frage. Ihr habt eine Akustik-CD raus gebracht. Hattet Ihr mal Lust darauf, eine andere Seite von In Extremo zu zeigen?

 

Das stand eigentlich immer schon fest, dass wir das mal machen wollten. Natürlich wussten wir nicht, ob und wie es funktionieren würde, denn Akustik kann man immer schlecht nachbearbeiten.

 

Und dann habt Ihr bei Radio Fritz gezeigt, dass es funktioniert und eine Akustik-Live-Show gespielt und raus gebracht…

Wird es weitere Konzerte zu dieser CD geben?

 

Ja, im Herbst, oder noch eher so im Dezember.
 

Dann geht es sicher sehr viel ruhiger zu, als wir es von Euch gewohnt sind. Werden die Konzerte im sitzen abgehalten?

 

Das wissen wir noch nicht. Bei Radio Fritz haben wir das im sitzen gemacht. Im Dezember werden die Läden wohl was größer sein, so für zwischen 800 und 1000 Leute. Teilweise sicher bestuhlt.

Man muss halt extrem anders spielen. Wir haben festgestellt, dass einiges so gar nicht funktioniert, wenn wir den Strom abstellen.

Aber es wir mit Sicherheit gut…

 

Ihr seid vor einiger Zeit in China aufgetreten. Welche Eindrücke habt Ihr mitgebracht?

 

Ja, wir sind über das Goethe-Institut für ein paar Tage und Konzerte in China gewesen. Ich war selbst mal für ein paar Jahre in Asien, zwar nicht in China, aber mich interessiert diese Kultur und ich mag sie auch.

Das Einzige, was schade an diesen Trip über das Goethe-Institut war, dass es von Anfang an schon durchorganisiert war. Eine richtige Tour wäre sicher ganz anders verlaufen. Klar auch da muss man mit chinesischen Veranstaltern klar kommen, aber es wäre doch was anderes gewesen.

 

Aber es hat alles gut geklappt?

 

Ja, klar. Es macht schon einen Unterschied, ob eine deutsche Band in China ein Konzert veranstaltet. Wir mussten die Texte vorher einreichen und viele Unterlagen mit uns führen.

Es gab auch ein paar deutsche Bands da, als wir dort waren aber auch zwei chinesische.

 

Ihr wart schon viel unterwegs. Manchmal auch schon öfter in den einzelnen Ländern. Wo war es  am schönsten?

 

Überall. Wir waren schon mehrmals in Russland. Dort war es immer sehr gut. Das liegt vielleicht auch daran, wo wir aufgewachsen sind. Die Mentalität ist uns nicht unbekannt. Aber dort kommst du hin und, weiß nicht, kannst nach ein paar Tagen wieder ein wenig die Sprache und verstehst viel. Und die Menschen dort sind toll.

Jedes Land hat so seine eigene Geschichte. Singapur z. B. war so ein Land. Da ist es halt so total anders, als wir es bei uns kennen. Das Land ist so sauber, aber es gibt eben auch noch drastische Strafen, wie auspeitschen und so. Das ist dann schon ziemlich strange für uns, wenn wir davon was mitbekommen.

 

Ihr wart ja auch in Spanien mit der „Sängerkrieg“. Wie kam dort z. B. „Esta Noche“ an?

 

Gut. Die kannten das auch alle. Am letzten Tag der Tour haben wir in Bilbao gespielt. Der Veranstalter dort hat uns im Vorfeld darum gebeten, den Song dort nicht zu spielen. Aber wir haben uns echt blöd gestellt und so getan, als kannten wir uns nicht aus und dann hat er uns gebeten, dass, wenn wir es schon spielen wollten, das Klatschen wegzulassen. Wäre eben zu spanisch. Darauf haben wir uns dann eingelassen. Aber auch dort hat der Song gefallen – glaube ich.

 

Ihr könnt ja eigentlich wirklich überall spielen!

 

Klar, überall da, wo eine Steckdose ist (lachen). Aber es ist nicht so, dass wir z. B. irgendwann mal vorhaben, auf Mallorca zu spielen. Erstens ist das nicht so unser Urlaubsziel und dann würden wir da mit Sicherheit auch nicht gut reinpassen. Überall nur Engländer, die lauter sind, als wir (lacht).

Wir werden jetzt wieder ein wenig in Osteuropa unterwegs sein, Tschechien und die Slowakei z. B.

 

In den USA wart Ihr auch schon. Habt Ihr auch hier vielleicht was Lustiges erlebt?

 

Ja, wir haben im „Whiskey a Go Go“ in L.A. gespielt. (Anmerkung… in welchem einst Jim Morrison und die Doors ihren hypnotischen Rock-Kult zelebrierten.). Da war so ein Festival in Sporthallen an einem Flugzeug-Hangar. Da spielten gleich mehrere Bands gleichzeitig. Da wollten sich die Tonleute natürlich gegenseitig übertreffen und zwar alle! Das war so krass, weil du beim Zuhören bei der einen Band, auch immer die anderen hören konntest.

Natürlich durfte man da auch nicht rauchen und auch nicht trinken (Alkohol). Dafür standen überall Wohnwagen hinter Gartenzäunen bereit. Davor gab es einen großen, schwarzen, grimmig blickenden Menschen, der die Ausweise kontrolliert hat. Das hat der jedes Mal gemacht, wenn du da raus oder rein wolltest. Offensichtlich waren wir noch keine 21 (lachen). Der hat bei jeder Kontrolle genauestens auf den Pass geachtet, das Bild kontrolliert und alles. Das war sehr witzig und natürlich ungewohnt.

 

Im Moment sind wieder viele Altstars unterwegs. Die nehmen mitunter bis zu 80 € für eine Konzertkarte. Findet Ihr, dass Eure Eintrittspreise noch im Rahmen liegen?

 

Ich denke schon. Unsere Karten kosten im Schnitt 32 €. Das ist kein Dumping-Preis, wir verkaufen uns also nicht unter Wert, wie ich finde, sind aber dabei auch nicht zu teuer. Außerdem spielen wir, wie schon gesagt, mindestens eine zwei Stunden Show. Nimmst du eine der „großen“ Bands, die mitunter, wie du sagst, 80 € für eine Karte nehmen, dafür aber schon nach höchstens 70 Minuten von der Bühne gehen. Das steht doch dann in keiner Relation mehr.

Klar, in Zeiten wie diesen überlegen sich die Leute schon, was sie sich anschauen, aber solange wir noch genügend Zuhörer vor der Bühne sehen, ist alles in Ordnung und wir haben alles richtig gemacht.

 

Was macht eigentlich mehr Spaß? Solo Tour oder Open Air mit vielen anderen?

 

Macht beides Spaß. Bei Open Airs schaut man sich halt auch an, was die anderen so machen. Es gibt zum Teil auch Freundschaften, so z. B. mit Prong, die wir sehr mögen. Auf Festivals zu spielen ist immer witzig, weil wir mit unseren Pässen auch auf die Bühne dürfen. Da kannst du viel besser sehen.

Dazu fällt mir noch eine Geschichte aus den USA ein. Bei den Festivals dort werden sogar bei recht unbekannten Bands mega Absperrungen gemacht. Ganz schlimm war das bei Mötley Crüe. Die sind auch nie ohne Begleitschutz über das Festival-Gelände gelaufen.

Bei den größeren Bands war das viel lockerer. Iron Maiden und die Peppers waren z. B. klasse. Mit denen haben wir hinter der Bühne ein wenig geredet. Anthony hat sich während unseres Konzerts sogar hinter Reiners Schlagzeug gesetzt und zugehört.

 

Dann freuen wir uns mal auf die diesjährige Saison mit Euch und erst einmal auf ein tolles Konzert heute Abend! Vielen Dank für Eure Zeit und das sehr nette Gespräch!

Und weiterhin viel Spaß auf der Tour 2009!

 

Katrin Götze