Petrus ist, wie es scheint, kein großer Corvus Corax-Fan. Sonst hätte er der Band zur Geburtstagsparty anläßlich des 15-jährigen Bestehens etwas freundlicheres Wetter als schmuddeligen Nieselregen geschickt, der am 23. April beharrlich über Potsdam hernieder ging. Doch der Partystimmung von Band und Fans, die sich im Lindenpark eingefunden hatten, tat das keinen Abbruch, und so zeigten sich die Musiker denn auch gutgelaunt und bereit, die nächsten 15 Jahre in Angriff zu nehmen.

„Ich glaube, wir sind immer noch nicht vernünftig geworden“, meint Teufel und erntet zustimmendes Nicken von Norri und Ardor. „Das Wichtigste ist, daß wir immer noch die gleichen Spielleute sind, die wir damals waren, trotz der personellen Umbesetzungen im Laufe der Zeit. Aber ich glaube, daß es eine ganz normale Sache ist, daß innerhalb von 15 Jahren Leute kommen und gehen. Es sind ja auch nicht alle so stur wie wir, daß sie immer Mittelalter machen wollen. Aber wir bleiben dem Mittelalter treu. Mit Tanzwut haben wir auch eine schöne Abwechslung mit Bezug zur Neuzeit, wenn da natürlich auch Mittelalter mit einfließt.“ Zufrieden fügt er hinzu: „Wir können zurückblicken und sagen: Genauso, wie wir es gemacht haben, war es richtig.“ Norri ergänzt: „Wir machen auch ständig neue Dinge. Zum Jubiläum haben wir uns erdreistet, die Carmina Burana neu zu vertonen; durch solche Dinge bleiben wir ständig in Bewegung. Wenn wir allerdings 15 Jahre immer das Gleiche gemacht hätten, wären sicherlich irgendwann Ermüdungserscheinungen aufgetreten.“

Teufel pflichtet ihm bei: „Auf dem Gebiet, auf dem man arbeitet, auf dem man Musik macht, sucht man immer wieder nach neuen Ufern. Deswegen haben wir Corvus Corax im Rahmen der Carmina Burana mal mit Orchester gemacht, was auch für uns wieder eine neue Herausforderung war.“

Ein spannendes Projekt, das die Berliner da angegangen haben – und wie ist der derzeitige Stand der Dinge?

Teufel: „Die Carmina Burana ist fertig gemastert, aber wir lassen uns Zeit, weil die Vorbereitungen für die Aufführung mit Orchester doch intensiver sein müssen. Die CD zur Carmina Burana wird im nächsten Jahr im März erscheinen. Wir haben uns viel vorgenommen, es soll wirklich etwas Großartiges werden.“

Und gibt es auch schon konkrete Vorstellungen über die Örtlichkeiten, an denen sie aufgeführt werden und in welcher Form die Umsetzung erfolgen soll?

Teufel erzählt: „Das ist alles noch in der Schwebe. Man muß das Orchester, gute Locations, die Promotion, das ganze Drumherum, das daran hängt, organisieren. Das ist so viel, daß wir uns gesagt haben, daß uns die ganze Sache über den Kopf wächst, wenn wir das schon drei Monate nach den eigentlichen Aufnahmen rausbringen. Wir wollen nicht verrückt werden beim Musikmachen, sondern die Sache entspannt angehen. Gut, die Leute sind dann noch ein bißchen auf die Folter gespannt, doch wir können ihnen dann etwas bieten, mit dem wir uns wohlfühlen. Im Sommer 2005 werden wir highlightmäßig verschiedene Konzerte geben, auf Schlössern, Burgen, vielleicht auch in einem Theater, an Orten eben, an denen das Umfeld stimmt. Wir werden auf jeden Fall keine Clubtour mit diesem Projekt machen oder sagen, daß wir zwei Wochen am Stück damit unterwegs sind. Es soll wirklich ein Highlight werden: Corvus Corax mit Orchester. Zwischendrin wird es Corvus Corax in der normalen Form geben, auf Märkten und Veranstaltungen wie dem Kaltenberger Ritterturnier, das Übliche eben, und dann kommt wieder Carmina Burana.“

Norri fügt hinzu: „Es ist auch noch in der Planung, mit welchem Orchester wir die Carmina Burana aufführen werden.“

Teufel: „Es ist nicht so einfach, ein Orchester zusammenzustellen, das für uns maßgeschneidert ist. Es gibt viele Leute, die in einem Orchester spielen und die um 15 Uhr auf die Uhr zeigen und meinen, daß nun Feierabend ist. Das haben wir jetzt bei der Arbeit im Studio erlebt. Aber wir brauchen enthusiastische Leute, die hinter der Sache stehen. Es werden natürlich auch viele Musiker dabei sein, die im Studio mit von der Partie waren, mit denen die Arbeit richtig Spaß gemacht hat und die gute Laune verbreitet haben. Aber wir werden uns noch andere suchen, die vielleicht mehr Enthusiasmus auf die Bühne bringen. Wir überlegen noch, wie wir dieses Orchester in die Show integrieren und plazieren. Wir werden vielleicht irgendwelche Faxen machen, die eher unüblich sind für ein Orchester. Es wird jedenfalls nicht so aussehen wie Metallica mit Orchester.“

Und wie ist es um die Größe des Orchesters bestellt, das Corvus Corax auf die Bühne bringen wollen?

Hierzu Teufel: „Es kommt darauf an, wie wir es wollen und es uns leisten können. Das ist im Vorfeld wirklich eine Menge Organisation. Hinzu kommt, daß wir alles selber machen – wir haben kein Management, keine Plattenfirma, wir organisieren alles selbst. Da muß es eine Arbeitsaufteilung geben.“

Norri führt weiter aus: „Die Arbeitsteilung bei uns funktioniert sehr gut. Wir müssen nicht ständig irgendwelche Instanzen von unseren Plänen überzeugen. Wir können unser Ding so machen, wie wir es wollen, ohne daß uns jemand dazwischen funkt. Eine Plattenfirma hätte jetzt gesagt, daß in drei Monaten die Scheibe erscheinen muß, und dann hätte man richtig Streß gehabt, und am Ende könnten wir es nicht so aufführen, wie wir es eigentlich wollen.“

Teufel: „Dann wären wir sicherlich schon nach der ersten Aufführung ärgerlich, weil es nicht so geworden wäre, wie wir es wollten.“

Haben denn Corvus Corax schon immer alles in Eigenregie betrieben?

Teufel verneint: „Wir hatten mal ein Management, und mit Tanzwut waren wir bei der EMI, und so haben wir unsere Erfahrungen gesammelt. Und wir haben festgestellt, daß es besser ist, wenn man alles selber in der Hand behält.“

Und wie haben Corvus Corax ihre Geburtstagsparty geplant?

Hierzu erklärt Teufel: „Wir haben viele Leute eingeladen, die uns auf unserem Weg begleitet haben. Es gibt ein Special, das im Backstage gerade noch mal geprobt wurde. Der Ursprung von Corvus Corax ist ja eigentlich Tippelklimper, bei denen einige von uns mit von der Partie waren und die es schon in der ehemaligen DDR gab. Castus und Wim sind dann damals in den Westen gegangen und haben Corvus Corax gegründet. Die beiden haben sich mit ihren alten Kollegen getroffen und spielen heute noch einmal das alte Set, das sie zu Ost-Zeiten in Kneipen und auf der Straße gespielt haben.“

Zu den Tippelklimper-Anfängen von Corvus Corax erzählt er weiter: „Damals war die Dudelsackgeschichte noch nicht so weit, das hat sich erst im Laufe der Jahre entwickelt, also spielten Tippelklimper auch Gitarren oder Geigen. Das Ganze ist ein bißchen folkloristisch angehaucht. Für mich persönlich ist das irgendwie witzig: Wenn ich früher in irgendwelchen Kneipen gesessen und die Truppe getroffen habe, habe ich all diese Songs gehört, die sie manchmal zwanzig Mal an einem Abend gespielt haben; immer wieder die gleichen Songs, weil die Leute das so wollten.“

Neben Tippelklimper und Potentia Animi sollten auch Psalteria zu Gast sein, ein weibliches Quartett aus Tschechien, das bei der Carmina Burana Chöre eingesungen hat und die Corvus Corax von Kaltenberg kennen.

Und wie ist es um die Pläne für die nächsten 15 Jahre bestellt?

Teufel lacht: „Wir sind Menschen, die noch nicht mal eine Rentenversicherung haben und die gar nicht so lange planen können. Wir können nicht sagen, was in den nächsten 15 Jahren passiert. Wenn wir das mal wüßten – herrjemine! Das wäre auch langweilig!“

Norri: „Wir wollen jetzt einfach erst mal Musik machen, solange wir dazu Lust haben. Wir wollen mit guter Laune durchs Leben gehen, Party machen, und die nächsten 15 Jahre geht das auf jeden Fall noch mit der Musik.“

Und damit auch jene Fans etwas von der Geburtstagsparty haben, die nicht persönlich anwesend sein konnten, wird es eine DVD zu diesem Event geben.

„Wir machen heute Filmaufnahmen, und davon wird es eine Special-Edition zur Geburtstagsparty von Corvus Corax geben. Wir werden aber auch eine limitierte Auflage für Fans machen, die es nur am Merchandising-Stand zu kaufen geben wird“, verrät Teufel, und Norri setzt hinzu: „Sobald wir die Zeit haben, werden wir das ganze Material sichten, mischen und zusammenschneiden und etwas ganz Besonderes daraus machen. Immerhin ist es eine einmalige Veranstaltung. Vielleicht machen wir so etwas dann wieder zum 50-jährigen Jubiläum von Corvus Corax.“

Es war der Abend von Corvus Corax in Potsdam, doch nicht unerwähnt soll bleiben, daß auch Tanzwut bei der Arbeit sind und eine DVD vorbereiten, die Anfang Oktober in die Läden kommen soll.

„Wir haben ein paar geile Ideen, auch für schräge Sachen. Ich finde es immer langweilig, wenn man nur ein paar Backstage-Interviews und den Konzertmitschnitt auf einer DVD hat. Es sollen schon ein paar richtige Highlights auf diese DVD kommen“, sagt Teufel. Mehr aber möchte die Band dazu nicht verraten, die Fans dürfen also gespannt sein.

Und dann geht es für Teufel und Co. endgültig ans Feiern mit alten Kollegen und zahlreichen Fans.

 

Ancalagon